Heike Welker und Ousman Darbo von der Wirtschaft „Schützenwirt“ in Ellbach streichen den Hinweis, dass Gäste eine Testpflicht brauchen.
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Den Hinweis auf die Testpflicht für Gäste können Heike Welker und Ousman Darbo von der Tafel am Eingang zum „Schützenwirt“ in Ellbach streichen.

Das Leben wird leichter - Was sich jetzt bei den Corona-Regeln im Landkreis ändert

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geht den nächsten Schritt in Richtung Normalität. Wirte und Einzelhändler sind erleichtert, dass sie Kunden und Gäste wieder ohne Test und Termin empfangen können. Im Franz-Marc-Museum ist allerdings weiterhin ein Termin nötig.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt seit dem 23. Mai ununterbrochen unter 50. Deshalb hat das bayerische Gesundheitsministerium weitere Lockerungen der Corona-Regeln genehmigt. Das teilte das Landratsamt am Freitag mit. Wirte und Geschäftsleute atmen auf.

„Natürlich ist das für uns eine große Erleichterung“, erklärt Frederik Holthaus, Chef des Isar-Kaufhauses in Geretsried. Bis Freitag galt: Wer shoppen wollte, brauchte dafür einen Termin. „Das bedeutet, dass wir den ganzen tag eine Mitarbeiterin am Telefon zur Terminvereinbarung und eine weitere am Eingang zum Registrieren der Kunden abstellen mussten“, sagt Holthaus. „Auch die Kunden hat das ja Zeit gekostet“, sagt er. Relativ flott sei es bei denen gegangen, die bereits die Luca-App nutzen. Sie müssen nicht jedes Mal Formulare ausfüllen, sondern die Kontaktdatenerfassung erfolgt in Sekundenschnelle übers Handy. „Etwa fünf Prozent der Kunden“ nutzten laut Holthaus zuletzt die App.

„Man musste sich den Mund fransig reden“

Einen Gast, der sich über „Luca“ registrierte, hat Wirt Dominik Tabak in seinem Wolfratshauser Wirtshaus Flößerei genau ein einziges Mal erlebt. Daher hieß es auch für die Mitarbeiter in seinem Betrieb: kontrollieren, ob die Gäste „geimpft, getestet, genesen“ sind – und im Zweifelsfall fragen, ob sie einem oder verschiedenen Haushalten angehören. „Das hält schon auf, und es ist eine Erleichterung, dass diese Auflagen wegfallen“, sagt Tabak.

„Man musste sich extrem viel den Mund fransig reden“, bestätigt Heike Welker, Inhaberin des Ellbacher „Schützenwirts“. Schließlich begrüße man Gäste aus verschiedenen Landkreisen – und überall gelten gerade andere Regeln. Die allermeisten Gäste seien zwar verständnisvoll und kooperativ. „Aber zum Beispiel die Schnelltests vor Ort – diese Regelung geht einfach an der Realität vorbei“, sagt Heike Welker. Da seien dann die Gäste auf dem Parkplatz oder der Straße gestanden und hätten sich vor den Augen der Wirtin ihr Teststäbchen in die Nase geführt. Das im Einzelnen im Blick zu behalten, wäre bei Hochbetrieb nicht mehr praktikabel gewesen, so die Wirtin. Dass die Testpflicht jetzt wegfällt, kommentiert sie daher mit den Worten „Gott sei Dank!“ Denn so weiterarbeiten zu müssen wie bislang, „wäre grenzwertig“.

Im Franz-Marc-Museum brauchen Besucher weiterhin einen Termin

Für einem Museumsbesuch brauchte man zwar auch bisher schon keinen Test – wohl aber einen Termin. Obwohl diese Pflicht mit diesem Samstag wegfällt, ändert sich im Franz-Marc-Museum in Kochel erst mal nichts, wie Annette Rosenboom von der Museumsverwaltung erklärt. „Wir bleiben trotzdem beim Termin-Ticket“, sagt sie. Denn es müsse ja weiter gewährleistet sein, dass die Besucher genügend Abstand halten können. Deswegen dürfen sich maximal 60 Personen gleichzeitig im Franz-Marc-Museum aufhalten, und das lässt sich laut Rosenboom über die Terminbuchung am besten steuern.

„Ich sehe das auch als Vorteil für die Besucher“, meint sie. „Denn dadurch entfällt das Schlangestehen, die Besucher verteilen sich besser über den Tag, es geht ruhiger zu, und man hat ein viel schöneres Museumserlebnis.

Wenn jemand spontan vorbeikomme, werde er eingelassen, wenn noch Plätze frei seien. In diesem Fall entfalle nun die Kontaktdatenerhebung, sagt Rosenboom. Generell findet sie es aber gut, weiterhin gewisse Regeln zu beachten. „Wir sollten alle noch ein bisschen vorsichtig sein“ – damit die Inzidenz nicht wieder steigt.

Die wichtigsten Regeln

Unter anderem folgende Regelungen gelten ab 29. Mai in Bad Tölz-Wolfratshausen

Einzelhandel: kein Termin mehr nötig.

Außengastromonie darf bis 22 Uhr öffnen, Termin und Test entfällt, Kontaktdatenerhebung weiterhin erforderlich.

Freibäder dürfen öffnen, Terminvereinbarung erforderlich.

Museen, Galerien, Gedenkstätten: Besuch ohne Termin und Kontaktdatenerhebung möglich.

Sport: Kontaktfreier Sport im Innenbereich von Sportstätten (Gruppengröße je nach örtlicher Gegebenheit); kontaktfreier und Kontaktsport im Außenbereich mit bis zu 25 Personen; Sport im Fitnessstudio mit Terminbuchung; Sportveranstaltungen unter freiem Himmel für bis zu 250 Zuschauer mit festen Sitzplätzen. Test jeweils nicht erforderlich.

Kontaktbeschränkungen: Zwei Hausstände, maximal fünf Personen (zugehörige Kinder unter 14, Geimpfte und Genesene werden nicht mitgezählt).

Seilbahnen: Testpflicht entfällt.

Schulen: Der bayerische Ministerrat hat am 18. Mai beschlossen, dass in Landkreisen mit Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 an allen Schularten und in allen Jahrgangsstufen nach den Pfingstferien Präsenzunterricht stattfindet.

Kindertageseinrichtungen dürfen wieder in den Regelbetrieb wechseln.

Alle Regelungen im Einzelnen sind nachzulesen auf www.lra-toelz.de/erlaubt-im-landkreis-toelwor

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