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Bad Tölz bekommt Hochschule: Staat sichert Startkapital von 6,9 Millionen Euro

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Von: Daniel Wegscheider

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Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler in Bad Tölz
Staatsbesuch: Der Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler (vorne Mitte) vorm Tölzer Landratsamt; (v.l.) Landrat Josef Niedermaier, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, Thomas Stumpp (Hochschule München), Elmar Baur (ehemaliger Hochschulrat) sowie Bürgermeister Ingo Mehner. © Daniel Wegscheider

Bad Tölz – Die Anschubfinanzierung von 6,9 Millionen Euro für das Transfer- und Innovationszentrum im Oberland, kurz Tizio, ist gesichert. Entstehen soll es in den kommenden Jahren auf dem Sitec-Park in Bad Tölz.

Die gute Nachricht übermittelte nun der Bayerische Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler höchst persönlich, als er am Donnerstag (27. Januar) das Landratsamt besucht hatte und dort die Finanzierung zusicherte.

Als Bernd Sibler aus seinem Wagen vor dem Tölzer Landratsamt ausgestiegen war, empfingen den Staatsminister dort Landrat Josef Niedermaier und Bürgermeister Ingo Mehner mit einem Lächeln und gut gelaunt. Der Grund für die fröhliche Stimmung ist ein Meilenstein in der Historie von Bad Tölz: Jetzt wird die Region auf der Karte der Wissenschaft aufgenommen.

Das geplante Technologietransferzentrum in der Kreisstadt ist eines von 20 Standorten in ganz Bayern. „Sie sind ein Erfolgsmodell zur Stärkung der angewandten Forschung und geben wichtiges Know-how an die kleinen und mittelständischen Betriebe vor Ort weiter“, erklärte Sibler. Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheides, „ist das Thema heute politisch abgeschlossen und wir können durchstarten“, betonte der Minister weiter.

Staatsminister Bernd Silber beim Pressegespräch im Sitzungssaal des Tölzer Landratsamtes
Wegbereiter und Befürworter von Tizio in Tölz: (v.l.) Elmar Baur (ehemaliger Hochschulrat), Bürgermeister von Bad Tölz Ingo Mehner, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, Staatsminister Bernd Sibler sowie Thomas Stumpp, Vizepräsident für Wirtschaft der Hochschule München. © Daniel Wegscheider

Entstehen soll Tizio auf dem 25.000 Quadratmeter großen Areal auf der Tölzer Flinthöhe. Wie berichtet, soll hier ein campusartiges Gelände mit mehreren Gebäuden im Fachbereich Fertigung, Werkstoffe sowie Management und Tourismus geschaffen werden, das Start-ups und Co-Working-Arbeitsplätze ebenso anzieht wie hiesige Unternehmen. Sibler dazu: „Mit Tizio stärken wir die Wirtschaft im Oberland und schaffen dort Nachwuchskräfte der Zukunft, die hier sehr gut leben können.“ Die jetzige Finanzierung für Personal und Sachmittel sei ein Gewinn für die Hochschule, die Region und für den Wissenschaftsstandort Bayern“.

Bildungsinitiative von Staat, Stadt, Landkreis und der Hochschule München

Anlässlich der staatlichen Anschubfinanzierung für das neue Transfer- und Innovationszentrum (Tizio) in Bad Tölz musste auch der Münchner Hochschulprofessor Thomas Stumpp vor Freude lächeln, als er beim Pressetermin im Landratsamt seinen Mund- und Nasenschutz zum Gespräch abgenommen hatte. Der Vizepräsident für Forschung der Hochschule München (HM) freute sich „außerordentlich über die Förderzusage des Ministeriums“. Sie ermögliche es der HM, erstmalig in der Geschichte, „einen Standort deutlich außerhalb der Grenzen Münchens aufzubauen, und sich urban zu vernetzten“.

Tizio in Bad Tölz werde die Forschung und Lehre der Münchner Hochschule bereichern. Dafür werden laut Stumpp auch 150 Professoren von ihrer jeweiligen Lehrverpflichtung freigestellt, um dort in der Forschung tätig zu werden. „Aus dieser Vernetzung und der entstehenden Laborinfrastruktur können neue Aktivitäten wie forschungsorientierte Kooperationen, studentische Projekt- und Abschlussarbeiten oder Weiterbildung resultieren.“

Lange für Hochschule gekämpft

Landrat Josef Niedermaier


Landrat Josef Niedermaier ergänzte: „Unsere Wirtschaft im gesamten Oberland hat lange für einen direkten Zugang zur Hochschule gekämpft.“ Dem sind laut Niedermaier zahlreiche Treffen und Gespräche mit dem Staatsminister und dem Wirtschaftsförderer des Landkreises, Andreas Roß, vorausgegangen.

Das „Teamwork“ bestätigte Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber: auch der Kreistag stimmte einhellig dafür. Allerdings habe es einen Wettbewerb innerhalb der Region gegeben. Wie berichtet, hatten sich auch die Städte Geretsried und Wolfratshausen sowie die Gemeinde Eurasburg um den Tizio-Standort beworben. „Das wurde intern geklärt“, sagte Bachhuber. Wichtiger sei, dass das Projekt unabhängig vom Standort, „für das ganze Oberland eine wesentliche Bereicherung“ sein wird.

Tizio bereichert gesamte Region

Niedermaier ergänzte: „Tizio steht zwar in Tölz, wird aber in die ganze Region wirken. Dann blickte er zu Professor Elmar Baur aus Geretsried und dankte dem ehemaligen Hochschulrat und Geschäftsführer der Eagle-Burgmann-Gruppe, der das Projekt zwischen der regionalen Wirtschaft und der Hochschule initiiert und vorangetriebenen hatte.

„Jetzt war es an der Zeit, damit ich es noch erlebe“, antwortete der 80-Jährige. Baur erklärte seine Beweggründe für den Hochschulstandort in der Region: „Leute, die hier wohnen und arbeiten, müssen es sich auch leisten können.“ Dafür brauche es qualifizierte Mitarbeiter. Und das gehe nur über die Ausbildung. „Bildung in der Region ist wichtig.“

Zudem wollte er die beiden Welten aus kleinen und mittelständischen Betrieben sowie der Hochschule zusammenbringen: „Dann können alle davon profitieren.“ Sozusagen eine „Win-win-win-Situation“, sagte er. Die sich aus der wissenschaftlichen Hochschule, praxisorientierten Unternehmen sowie der Studenten zusammensetzt, die bestenfalls nach ihrer Ausbildung dann „vor Ort einen Arbeitsplatz finden“.

Standort schafft Arbeitsplätze vor Ort

Auch der Bad Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner sah das so: „Es ist die richtige Entscheidung, Wissenschaft und Forschung nicht nur in München zu konzentrieren, sondern künftig dezentraler aufzustellen.“ Im Hinblick auf die Verkehrswende sei Tizio ebenso begrüßenswert: „Wir haben viele berufstätige Pendler, die zwischen Stadt und Wohnort hin- und herfahren. Daher sei es umso wichtiger, „Arbeitsplätze vor Ort zu sichern“.

Auch könne es sich nicht jeder Student vom Land leisten, in die Landeshauptstadt zu fahren oder dort zu wohnen. Und für die Lehr- und Lernenden aus der Stadt sei Tölz ein willkommener „Tapetenwechsel vom Münchner Alltag“, meint Mehner. „Die Hochschule ist eine Bereicherung für den Landkreis und wir werden auch eine Bereicherung für die Hochschule sein.“

Baurecht auf dem Sitec-Areal gesichert

Fläche und Baurecht für die neue Hochschule auf dem Sitec-Areal an der Flinthöhe sind laut Mehner bereits genehmigt. Bereits Ende 2022 soll ein vorläufiges Verbindungsbüro für das Tizio auf dem Technologiecampus errichtet werden, berichtet Stumpp. Einen konkreten Bau-,

geschweige denn Eröffnungstermin für die Hochschule gebe es jedoch noch nicht. Da wollten sich weder der Bürgermeister noch der Hochschulprofessor auf ein genaues Datum festlegen. Der Bayerische Wirtschaftsminister Bernd Sibler ergänzte jedoch: „Je schneller, desto besser.

Eröffnung des Hochschulcampus unbekannt

Fakt ist: Das Gebäude wird von einem privaten Immobilienentwickler gebaut. Die Stadt und der Landkreis zahlen dafür Miete. Die fünfjährige Anschubphase von Tizio kostet der Stadt (40 Prozent) und dem Landkreis (60 Prozent) jährlich 90.000 Euro. Wenn sich das Technologietransferzentrum bewährt habe und positiv evaluiert wurde, „wäre das die Voraussetzung, dass der Freistaat die Übernahme der Grundfinanzierung prüft“, erklärt Stumpp.

Staatsminister Sibler blieb bis zum Ende der Pressekonferenz gut gelaunt: „Ich bin von der Idee überzeugt, weil sie bereits 20-mal funktioniert hat.

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