1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. DasGelbeBlatt

Tölz gegen Jodquellen AG: Stadt verhängt Veränderungssperre

Erstellt:

Kommentare

Jod AG-Grundstück
Wurde früher als Parkplatz für das Alpamare genutzt: das Jod AG-Grundstück westlich der Wandelhalle. Jetzt will man dort Wohnhäuser errichten. © Bock

Bad Tölz – Während Anton Hoefter nach Hotel- und Alpamareschließung keine Zukunft mehr für den Tourismus in der Kurstadt sieht, möchte das Rathaus weitere Hotels und dagegen lukrativen Wohnungsbau auf den Jod-AG-Grundstücken verhindern.

Es verwunderte etwas, dass Hoefter vor einigen Wochen im Rahmen eines Pressegesprächs von einer Wiederbelebung des Hotels Jodquellenhof sprach, von Mietwohnungen für junge Familien, von Büros, einem Restaurant, einem kulturellen Angebot und einer Nutzung des längere Zeit brachliegenden und für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Herderparks. Just zur gleichen Zeit reichte er aber bei der Stadt zwei Vorbescheidsanträge für eine Wohnbebauung entlang der Seppstraße ein, von der gegenüber dem Medien keine Rede gewesen war.

Der Tölzer Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung diesem Vorhaben der Jodquellen AG eine klare Absage erteilt, da er den Bereich westlich der Wandelhalle als geeignet für eine Hotelnutzung ansieht. Das Gremium beschloss einstimmig eine Veränderungssperre für das Gelände der Wandelhalle samt ehemaligem Alpamare-Parkplatz, ebenso für das Areal an der benachbarten Seppstraße. Für die denkmalgeschützte Wandelhalle hat die Jod AG ein Restaurant in der Rotunde zur Ludwigspromenade hin angedacht, dahinter einen Veranstaltungsraum und am Ende einen kleinen Saal für die Kultur. In die Halle selbst sollen bis zu 15 Wohnungen eingebaut werden.

Mehrfamilienhäuser seien auf dem Areal geplant

„Wir waren einigermaßen überrascht, als die Jod AG ihre Vorstellungen in einer Pressekonferenz bekanntgegeben hat“, sagte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). In den Vorbescheidsanträgen erkenne man diese Vorhaben jedoch nicht wieder. Denn auf dem Parkplatz der Wandelhalle und dem Areal an der Seppstraße nebenan seien vier, beziehungsweise drei Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Und auch in der Wandelhalle seien „zu 40 Prozent“ Wohnungen geplant, ergänzte Bauamtsleiter Christian Fürstberger.

Der Vorstandsvorsitzende der Jod AG widerspricht: „Ich habe bei der Stadt genau die Pläne eingereicht, wie ich sie präsentiert habe“, erklärte Hoefter auf Anfrage. Das Gesamtkonzept für seine Grundstücke im Kurviertel sehe „Hotel, Arbeiten und Gastronomie im Zentrum, Wohnen auf dem Alpamare-Areal und den ehemaligen Parkplätzen“ vor. In der Wandelhalle gebe es den präsentierten Mix aus Restaurant, Veranstaltungsraum, Kultur und Wohnen. „Der Stadt sind diese Pläne seit Jahren bekannt“, so Hoefter weiter.

Mit den drei konkreten Vorbescheidsanträgen befasste sich zwei Tage später der städtische Bauausschuss. Ohne Diskussion wurden sie jeweils einstimmig abgelehnt und „nicht zur bauaufsichtlichen Genehmigung befürwortet“. Eine Ausnahme gibt es für die Nutzung der Wandelhalle für Tagungen und Seminare, für Kultur und Gastronomie: „Dies entspricht den Festsetzungen des Bebauungsplanes Sondergebiet Bäderviertel Mitte.“

Wandelhalle dürfe nicht dominierende Bedeutung verlieren

Unkommentiert blieben die Vorbescheidsanträge der Jod AG jedoch nicht. Stadtbaumeister Florian Ernst erläuterte die rechtliche Situation. Weiter holte er bei der beabsichtigten Teilnutzung der denkmalgeschützten Wandelhalle mit Wohnungen und einer Tiefgarage aus. Diese beruhe auf einem Antrag von 2015, wobei Ernst vom Antragsteller konkrete Angaben über die künftige Fassadengestaltung, Belichtung und Statik der riesigen Halle vermisste. Auch war er der Ansicht: Europas einst größte Wandelhalle müsse weiterhin frei stehen und dürfe nicht durch Wohnbauten an der Westseite ihre dominierende Bedeutung verlieren.

Mit der Veränderungssperre zementiere die Stadt nicht den Stillstand, hatte bereits in der Stadtratssitzung Fürstberger gesagt: „Wenn ein Antrag kommt, der den Überlegungen des Bebauungsplans entspricht – also Event, Kultur und Gastro –, dann kann man dem auch zustimmen.“ Wohnbebauung ist jedoch nicht möglich. Neustadtrat Michael Ernst (SPD) zeigte sich überrascht von der Vorgehensweise der Jodquellen AG, ihre Interessen „über Pressemitteilungen“ kundzutun. Er sei „enttäuscht, dass man am Ende ganz andere Tatsachen schafft“. Der Stadt bleibe darum nichts anderes übrig, als mit der Veränderungssperre für Klarheit zu sorgen.

Nachdem derzeit ein Klageverfahren der Jod AG gegen die Stadt anhängig ist, werden beide Parteien erst einmal abwarten müssen, wie die Verwaltungsrichter entscheiden. Hoefter jedenfalls hat schon angedroht, dass sich an der Situation der brachliegenden Jod AG Grundstücke nichts ändern werde, sollte er verlieren. Karl Bock

Auch interessant

Kommentare