Das Theaterensemble „Wirtshausmannschaft“ mit ihrer Inszenierung von „Der Gott des Gemetzels“ auf der Bühne im Tölzer Rosengarten.
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Ruhe vor dem Sturm: (v.l.) Ina Meling, Matthias Ransberger, Cornelia von Fürstenberg und Sebastian Edtbauer.

Streit auf hohem Niveau

Bad Tölz: Kult-Kammerspiel „Der Gott des Gemetzels“ beim „BrotZeit & Spiele“-Open-Air

  • Viktoria Gray
    VonViktoria Gray
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Bad Tölz – Trotz Regen und nassem Untergrund gastierte am Freitag (27. August) das Münchner Theaterensemble „Wirtshausmannschaft“ mit „Der Gott des Gemetzels“ beim Kanapee-Musik-Open-Air im Tölzer Rosengarten und überzeugte auf bairischer Mundart.

Ausgebucht war die Veranstaltung im luftig überdachten Tölzer Rosengarten nicht, was zuletzt an dem ungemütlichen, nassen Wetter gelegen haben dürfte. Laut Wolfgang Ramadan, Veranstalter des Kanapee-Musik-Open-Airs und verantwortlich für das „BrotZeit & Spiele“-Programm sind 40 Ticketinhaber nicht erschienen. Die erschienen sind, waren in dicke Jacken, Decken und Mützen gehüllt. „Das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, berichtete Ramadan.

Die vier Schauspieler konnte das jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Bei unsommerlichen 15 Grad brillierten die Akteure teils im knappen Kleidchen und kurzer Hose und ließen sich die Temperatur nicht anmerken.

Verbales „Gemetzel“ mit wechselnden Allianzen

Zum Stück: Eigentlich sollte es ja nur eine versöhnliche Aussprache zwischen zwei gebildeten Mittelschicht-Ehepaaren werden, dessen Söhne in der Schule aneinander geraten sind. Der Bub der Rey´s (Maximilian) hatte dem Bub der Huber´s (Bene) mit einem Stecken zwei Zähne ausgeschlagen.

Das Treffen beginnt erst harmlos und zivilisiert, endet jedoch in einem verbalen „Gemetzel“ mit wechselnden Allianzen.

Die Inszenierung von Johannes Rieder hat dabei ihr ganz eigenes Temperament. Das Bairische wirkt oft etwas ruppig und unsanft. Die Schauspieler lassen die Sprache aber glänzen.

Als Anette Rey (Cornelia von Fürstenberg) etwa zum Ausdruck bringt, dass ihr nicht wohl ist, hätte es keine treffender Aussage wie: „I glab i muas speim“, geben können. Das Bairische gibt den Konversationen doch etwas sehr scharfsinniges und charmantes. Die Streitereien steigern sich, bis einer nach dem anderen regelrecht einen Wutausbruch hat.

Jeder sitzt mal auf der Anklagebank: Alex (Matthias Ransberger) Kragen platzt als seine verehrte Gattin Anette sein geliebtes Telefon in einer Vase versenkt. „Sog amoi spinnst du.“ Unbeeindruckt davon genießt Anette danach die Ruhe.

Eiskalter Hamster-Mord

Michas Geduldsfaden reißt wegen eines Hamsters namens „Knusperinchen“. Der Hamster hatte seiner Tochter gehört. Da Micha aber ein grundsätzliches Problem mit Nagetieren hat, setzte er ihn draußen auf der Straße aus. Ob der Hamster das überlebt hat bleibt offen.

Diesen Umstand nutzte vor allem Anette und fragte sich, wie ihr Sohn Maximilian ein schlechtes Gewissen haben soll, wenn Micha bei einem „eiskalten Hamster-Mord“ nicht einmal mit der Wimper zuckt. „Ich habe überhaupt keine Selbstkontrolle. Ich bin ein Choleriker reinsten Wasser´s“, schreit er schließlich vor Zorn. Aber „san ma des ned olle“, brachte Alex als einziger Verständnis für Micha auf.

Trotz aller Wutausbrüche herrschte am Schluss doch Harmonie. Zumindest unter dem doch kleinen Publikum, dass ungeachtet des Wetters Ausdauer beim Applaudieren erwies.

Das Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ ist seit seiner Uraufführung 2006 eines der erfolgreichsten Theaterstücke der vergangenen Jahrzehnte. Der Münchner Regisseur Johannes Rieder hat Yasmina Rezas Gott des Gemetzels in bairischer Sprache auf die Bühne gebracht. Die Premiere der bairischen Neuinszenierung fand schon 2018 auf einer Kleinkunstbühne in München statt. Seitdem erfuhr das Quintett, dass hinter der Wirtshausmannschaft steckt, viel positive Resonanz.

Quelle: DasGelbeBlatt

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