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Bad Tölz: Berglegende Reinhold Messner berichtet über Ruhm und Leid seiner Karriere

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Reinhold Messner beim Autogramm schreiben
Reinhold Messner gibt Birgit Zauner aus Kochel ein Autogramm, die eine Postkarte von 1970 an ihre Familie mit den Unterschriften der Expeditionsteilnehmer vorlegte. © Rainer Bannier

Bad Tölz – Veranstalter Steffen Heyn hat für seine „Wunderfalken“-Reihe den Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner zum vierten Mal ins Tölzer Kurhaus geladen. Die Nachfrage war groß – die Besucher standen Schlange.

Der 78-Jährige Reinhold Messner zeigt kaum Anzeichen von Erschöpfung. Wurde er früher nicht nur geliebt, sondern auch abgelehnt, weil er häufig polarisierte und Fehlentwicklungen im Alpinismus ebenso wenig von Kritik verschonte, wie andere Akteure der Szene und keinem Streit aus dem Wege ging, so ist er heute umgänglicher und milder geworden. Geblieben ist: Ein begnadeter Erzähler, der druckreif formulieren und Emotionen wecken kann.

Reinhold Messner auf dem Nanga Parbat
Reinhold Messner beim Alleingang am Gipfel des Nanga Parbat im Jahr 1978. © Reinhold Messner

Der Tot von Bru8der Günther am Nanga Parbat treibt Reinhold Messner bis heute um

Darin gehört der Südtiroler Lehrersohn, der als Kletterer und Höhenbergsteiger, Weltenbummler, Buchautor, Bergbauer, Burgherr und Gründer von sechs alpin- und völkerkundlichen Museen überall Besonderes geleistet hat, einfach zu den Besten. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Tragödie am Nanga Parbat, den er 1970 mit seinem jüngeren Bruder Günther als seinen ersten Achttausender bestiegen hat. Dass der beim Abstieg ums Leben gekommen ist, treibt ihn bis heute um.

Reinhold Messner auf dem Nanga Parba
Aufstieg zum Nanga Parba: mit 8.125 Meter Höhe der neunthöchste Berg der Erde. © Veranstalter/Reinhold Messner

„Seine Geschichte“ von diesem furchteinflößenden Achttausender, der wie kein zweiter isoliert über den Tälern aufragt und nach allen Seiten mit gewaltigen Wänden abbricht, bettete Messner kenntnisreich in ein großes Porträt des Bergriesen ein: Nach einem ersten Besteigungsversuch des Engländers Alfred Mummery 1895 waren es Deutsche, die den Berg zwischen 1932 und 1937 mehrmals erfolglos und verlustreich über die nordseitige Rakhiotflanke berannten, weshalb man ihn zum „Deutschen Schicksalsberg“ stilisierte. 1953 erfolgte dann der legendäre Alleingang von Hermann Buhl über eben diese Flanke bei einer von Karl Maria Herrligkoffer geleiteten Expedition.

Reinhold Messner: „Ein Abstiegsversuch auf gleicher Route hätte den sicheren Absturz bedeutet. Wir saßen in der Falle“

Der organisierte auch die Expedition von 1962, bei der drei deutsche Alpinisten den Gipfel erstmals über die Diamirflanke (Westseite) erreichten und auch die Expedition von 1970, bei der der Gipfel über die südseitige, 4.500 Meter hohe und extrem schwierige Rupalwand bestiegen wurde. Um die Begleitumstände dieser straff geführten Großexpedition hat es noch lange danach und in vielerlei Hinsicht böses Blut gegeben. Eine Lehre daraus bestand für Messner auch darin, fortan nur noch „private Kleinexpeditionen ohne Lagerkette“ selbst zu organisieren.

Reinhold Messner
Reinhold Messner © Veranstalter

Als Messner und sein Bruder, 25 und 24 Jahre alt, nach einem verwegenen Aufstieg ohne Seilausrüstung am 27. Juni den Gipfel erreichten, war „ihre Verzweiflung groß: Günther wurde höhenkrank, ein Abstiegsversuch auf gleicher Route hätte den sicheren Absturz bedeutet. Wir saßen in der Falle“. In ihrer Not beschlossen sie, den Abstieg durch unbekanntes Gelände über die weniger steile Diamirflanke zu wagen. „Eine Chaosroute“, bekennt Reinhold. Fast wäre es gut ausgegangen: Erst ganz unten am Wandfuß wurde Günther durch eine Eislawine verschüttet.

Kritik an Berglegende Messner: „Verschwörungstheorien und Rufmord“

Reinhold Messner geriet unter Rechtfertigungsdruck: Herrligkoffer, der sich gegenüber den Expeditionsteilnehmern mit einem Knebelvertrag alle Vermarktungsrechte gesichert hatte, verbreitete Erzählungen, die für Messner auf „Verschwörungstheorien und Rufmord“ hinauslaufen. Die sterblichen Überreste von Günther gab der Gletscher 2005 unterhalb der Diamirflanke frei, womit sich Reinholds Beteuerungen über den gemeinsamen Notabstieg bestätigten. Mit einer würdigen Feuerbestattung vor Ort nahm er Abschied vom Bruder.

Die Erlebnisse an seinem „Schlüsselberg“ haben Messner Ruhm und größtes Leid eingebracht. „Freude kommt nach großen Bergfahrten stets erst mit der Rückkehr in die Zivilisation auf“, versichert Messner. In seiner zweiten Lebenshälfte hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Verständnis für Bergvölker und ihre Kulturen zu fördern. Rainer Bannier

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