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Eine konkrete Vorhersage für den kommenden Winter zu treffen war für Haslinger heuer nicht einfach.

„A verreckte Vorhersage“

Benediktbeuern: Wetterprophet Haslinger gibt Schneeprognose für den Winter

  • Max Müller
    VonMax Müller
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Benediktbeuern – Vom Blütenstand der Königskerze liest Josef Haslinger den Schneefall für den Winter ab. Heuer war es für Haslinger eine „verreckte Vorhersage“.

Als junger Bub war der Haslinger Sepp mit Bergbauern und Holzknechten unterwegs. Diese mussten am Berg gefällte Baumstämme zur weiteren Verarbeitung in das Tal schaffen. Dafür waren meist zwei Sachen von Vorteil: Schnee und ein Transportschlitten. Bei der Frage, ob Schnee fällt, verließ man sich damals auf die heimische Königskerze – das tut Haslinger heute noch.

Der Stichtag, um den Blütenstand der Königskerze abzulesen, ist laut dem Benediktbeurer eigentlich Mariä Himmelfahrt: „Da blühen die meisten Pflanzen und sind ausgewachsen. Im Frühling ist es a wilde Blüherei.“ Ein weiterer Grund für diesen Stichtag ist, dass die Wetterkerzen an diesem Tag oft den zu diesem Anlass gebundenen Kräuterbuschen zum Opfer fallen.

Sauwetter und wenig Schnee

Grundsätzlich gilt: Je kräftiger die Kerze blüht, desto mehr Schnee fällt auch. Beim Stichtag Mitte August waren nahezu alle Blühten der aussagekräftigen Pflanzen bereits verwelkt. Nicht jede Königskerze taugt laut Haslinger für eine Vorhersage: „Nur die verbascum thapsus, also die kleinblütige Königskerze kann ein Ergebnis liefern. Die Königskerzen am Kloster beispielsweise sind nicht aussagekräftig. Die blühen ja wie Besen.“

Anhand des Blütenstands liest Haslinger den Schneefall ab.

Für das Wetter-Orakel sind auch die Blütenstände im September ein klares Zeichen: Heuer stehen die Voraussetzungen für Schneeschuhwanderungen suboptimal, jedoch müsse man sich laut Haslinger wenig Gedanken um das ungeliebte Thema Schneeräumen machen. Der 79-Jährige glaubt an einen „ganz miaden Winter“ mit wenig Schnee.

Altes Brauchtum

Für diese Prognose teilte Haslinger den Blütenstand der Königskerze in sechs gleich große Abschnitte ein – diese symbolisierten die Monate November bis April. Je nach Zustand der Blüten in einem der Teilbereiche kann laut Haslinger eine konkrete Vorhersage für den jeweiligen Monat getroffen werden. Die einzigen schneereichen Tage erwartet der ehemalige Hüttenwirt im Februar 2022.

Haslinger ist sich bewusst, dass die Erfolgsquote seiner Vorhersagen nicht bei 100 Prozent liegt: „Ich würde sie eher auf 95 Prozent schätzen“, lacht er bei dem Rundschau-Besuch. Wichtig ist ihm aber vor allem eines: Die Tradition und das Wissen über die Königskerze müssen an die kommenden Generationen weitergegeben werden. Denn laut Haslinger wurde die Heilpflanze bereits im neunten Jahrhundert in Nonnenklöstern verwendet: Aus den Blüten wurden Salben und Tee gemacht.

Quelle: DasGelbeBlatt

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