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Warum man „auf die Figur hören muss“, berichtet Tölz‘ Marionettenspieler Albert Maly-Motta

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Von: Viktoria Gray

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Tölzer Marionetten
Albert Maly-Motta erweckt die drei Gauner aus dem Stück „Die Kluge“ von Carl Orff zum Leben. © Manfred Neubauer

Bad Tölz – Das Tölzer Marionettentheater ist über 100 Jahre alt. Seit den 1990er-Jahren ist Albert Maly-Motta dabei. Als erfahrener Puppenspieler berichtet er, welche Fertigkeiten nötig sind.

Herr Maly-Motta, 2018 feierte das Tölzer Marionettentheater 110-jähriges Bestehen. Es kann also auf eine sehr lange Historie zurückblicken. Seit wann sind Sie schon dabei?

„Mein Kollege Karl-Heinz Bille und ich wurden gegen Ende der 90er-Jahre von der damaligen Leitung des Theaters kontaktiert. Es hatte einen Streit im damaligen Ensemble gegeben, worauf die ehrenamtlichen Spieler allesamt gegangen sind. Im Mai 2000 wurde meinem Kollegen und mir dann vom Stadtrat die Leitung des Theaters in alleiniger Verantwortung zugesprochen.“

Albert Maly-Motta
Albert Maly-Motta, leitet das Tölzer Marionettentheater. © Viktoria Gray

Welche Ausbildung hatten Sie oder wächst man in die Kunst des Marionettenspielens schlicht hinein?

„Ich bin als Kind dazu gekommen, weil ich in den Sommerferien am Chiemsee ein aus Ostdeutschland stammendes Puppenspieler-Ehepaar kennengelernt habe. Ideal ist, wenn man eine Ausbildung hat, mit der man im Theater etwas anfangen kann, etwa Schreiner, Schlosser oder Beleuchter. Ich selber hatte keine vorherige Ausbildung, sondern habe in München ein paar Semester Theaterwissenschaft studiert und dann in insgesamt acht verschiedenen Theatern in den USA, Österreich und Deutschland gelernt. Darunter auch im renommierten Salzburger Marionettentheater.“

Der anspruchsvolle Beruf des Puppenspielers ist zweifellos sehr vielseitig. Wie lernt man die Puppe gut zu lenken und was gehört sonst noch alles dazu?

„Das Führen von Marionetten lässt sich am ehesten mit dem Erlernen eines Musikinstruments vergleichen. Wenn man jung anfängt, geht es am schnellsten, trotzdem braucht man einige Jahre und viel Übung um gut und vor allem sicher zu werden. Bei uns hängen die Figuren an fast drei Meter langen Fäden, was den Kontakt zur Figur zusätzlich schwieriger macht. Grundsätzlich muss man lernen, sich in die Figur auf der Bühne hinein zu versetzen.“

Was fasziniert Sie persönlich am meisten beim Marionettenspiel?

„Was mich auch nach all den Jahren immer noch fasziniert, ist wie ein gerade noch leblos an einem Haken auf der Bühne hängendes Objekt auf einmal lebendig wird. Die Animation einer Marionette hat das Wort ‚Anima‘ in sich, ist also eine Beseelung der Figur. Wenn man dann auch noch die Figuren selber bauen kann, ist es noch interessanter, wie aus einer Zeichnung oder einem Stück Holz der Charakter hervortritt beziehungsweise herausgearbeitet werden muss.“

Welches Geschick und welche Fähigkeiten benötigt man Ihrer Meinung nach, um die Puppen wirklich zum Leben zu erwecken?

„Ein gewisses schauspielerisches oder komödiantisches Talent ist Voraussetzung. Dann muss man die Technik des Spiels lernen, wie Autofahren oder Geige spielen. Und erst dann kann man eine Rolle wirklich gestalten, also Charakter in die Figur hineinbringen. Die ganze Technik geht ins Unterbewusste über. Man muss andere beobachten und lernen wie sie sich bewegen, und man sollte auch auf die Figur hören, die ja nicht starr mit dem Menschen verbunden ist, sondern durch die Fäden ein gewisses Eigenleben entwickelt.“

Sie und Ihr Kollege Karl-Heinz Bille sind als Leiter des Tölzer Marionettentheaters derzeit auf der Suche nach ehrenamtlichen Mitspielern. Wieso findet man die nicht so leicht und befürchten Sie, dass das Marionettentheater früher oder später aussterben wird?

„Ich denke nicht, dass unser Beruf aussterben wird. Aber es braucht eben Spaß an der Sache, Zuverlässigkeit und den Willen, Zeit in die Proben und die Aufführungen zu investieren, meistens auch noch am Wochenende. Dazu müssen Leute, die bei uns anfangen wollen, auch mit dem Rest des Teams harmonisch zusammenarbeiten können. Am Abend der offenen Tür, können Interessierte bei uns vorbeischauen und wir zeigen ihnen was das Mitspielen bei uns spannend und abwechslungsreich macht.“

Marionettenspieler gesucht

Am Samstag, 27. November, um 19.30 Uhr veranstaltet das Marionettentheater einen „Abend der offenen Tür“. Das Theater sucht dringend Verstärkung für das Team der ehrenamtlichen Mitspieler. Interessierten sind an diesem Abend eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen des Theaters zu werfen. Die beiden Leiter Albert Maly-Motta und Karl-Heinz Bille zeigen und erklären, wie eine Marionette gebaut und bewegt wird. Auch die Technik auf der Bühne wird erklärt und Besucher dürfen eine Figur selber in die Hand nehmen. Weitere Informationen zum Tölzer Marionettentheater gibt es auf www.marionetten-toelz.de.

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