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Kesselberg-Raser in Kochel: „Es darf kein Denkverbot geben“

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Von: Christine Weikert

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Kurven schneiden verhindern: Die baulichen Maßnahmen haben aus Sicht des Kochler Bürgermeisters nicht gefruchtet. © Christine Weikert

Kochel - Anwohner und Gemeinde leiden in Kochel unter Lärm und Rasern auf der Kesselbergstrecke. Der Bürgermeister fordert neue Lösungen für die Strecke.

Erst im Juli hatte Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) auf der Bürgerversammlung das Thema Motorradlärm in der Gemeinde aufgegriffen. Nun stand der Kesselberg im Gemeinderat erneut auf der Tagesordnung. Angesichts der seit Wochen anhaltenden Unfallserie erklärte Holz die baulichen Maßnahmen für gescheitert und forderte wirksamere Regelungen. Ende des Jahres will der Kochler Rathauschef bei der Tagung der Unfallkommission seinen Forderungen Nachdruck verleihen.

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Der Kesselberg in Kochel als Rennstrecke: Neben Motorradfahrer lockt die Kurvenstrecke auch Sportwagen an. © Christine Weikert

Viele Motorradunfälle

In diesem Sommer gebe es bald jeden zweiten oder dritten Tag am Kesselberg einen Motorradunfall, mit teils schwer verletzten Fahrern, stellte Holz fest. Für die Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Kochel und die First Responder der Wasserwacht Walchensee bedeute dies eine enorme Belastung. „Nicht nur zeitlich, sondern je nach Unfallschwere auch psychisch“, erklärte der Rathauschef. Manche Motorradfahrer sähen den Kesselberg als private Rennstrecke an, die Gemeinde leide unter den Begleiterscheinungen. „Bereits auf Zufahrt über die Pessenbacher Höhe drehen sie auf, den Lärm hört man durch die ganze Gemeinde“, ärgerte sich Kochels Bürgermeister.

„Aber inzwischen kann man schon sagen, die baulichen Maßnahmen haben nicht die gewünschte Wirkung erzielt.

Kochels Bürgermeister Thomas Holz zu Fahrbahnteilern und Rüttelstreifen

„Treiben“ nicht mehr länger zusehen

Immer wieder forderten Bürger und auch Urlaubsgäste: „Macht doch mal was.“ Für die Bundesstraße B11 sei Kochel als Kommune aber nicht zuständig, erklärte Holz erneut, er stehe jedoch im ständigen Kontakt mit Polizei und Landratsamt in Bad Tölz. In den vergangenen Jahren sei schon einiges passiert – beispielsweise ein Überholverbot auf der gesamten Stecke und diverse bauliche Maßnahmen. „Das hätte eigentlich den Kesselberg als Rennstrecke unattraktiv machen sollen“, eröffnete Holz. Dass sich die Fachbehörden die Maßnahmen wie Rüttelstreifen und Fahrbahntrenner erstmal eine Weile anschauten, verstehe er. „Aber inzwischen kann man schon sagen, die baulichen Maßnahmen haben nicht die gewünschte Wirkung erzielt“, stellte der Kochler Bürgermeister fest. Nun könne man „dem Treiben nicht mehr länger zuschauen“.

Absage an Denkverbote

Seiner Meinung nach gebe es keine weiteren baulichen Maßnahmen, die wirksam seien. „Man wird andere Wege gehen und andere Regelungen treffen müssen“, forderte Holz. Ende des Jahres werde er dies bei der Tagung der Unfallkommission mit Nachdruck einbringen. Auf Nachfrage der Rundschau erläutert der Kochler Rathauschef dazu Näheres. „Man weiß, um welche Tageszeit es die Probleme gibt, daher muss es nicht nur eine intensivere, sondern eine wirklich zielgerichtete Kontrolle geben“, sagt er. Mehr Polizei werde Kochel sicher nicht bekommen, aber die Motorradkontrollgruppe könne man vielleicht personell stärker aufstellen. Auch eine Ausweitung der Sperrzeiten werde man in Erwägung ziehen müssen, „es darf kein Denkverbot geben“, betont Holz.

Komplettsperrung für Biker abgelehnt

Eine Komplettsperrung der B11 am Kesselberg für Motorradfahrer wurde allerdings vor fünf Jahren vom Innenministerium abgelehnt. Mit Verweis auf die geltende Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) erklärte das Ministerium, eine komplette Sperrung sei nur als „ultima ratio“ möglich, wenn alle anderen, weniger einschneidenden Alternativen keinen Erfolg brächten. Die Entscheidung über eine Straßensperrung liegt übrigens beim Tölzer Landratsamt, die Untere Straßenverkehrsbehörde ist laut Holz „vollkommen autark“. In der Unfallkommission sitzt neben dem Landratsamt und der Polizei auch das Staatliche Bauamt Weilheim als Aufwandsträger der Bundesstraße. Um Rechtssicherheit zu gewährleisten, habe man bisher zudem die Regierung von Oberbayern und das Innenministerium mit an den Tisch geholt, erzählt Holz.

Blitzen und Rausziehen

Im Aufstellen von Blitzeranlagen, nach denen er oft gefragt werde, sieht der Kochler Rathauschef übrigens keine wirksame Maßnahme. Die Motorradfahrer würden vorm Blitzer abbremsen und danach wieder Gas geben, man müsse also schon die ganze Strecke „damit zupflastern“, was finanziell nicht machbar sei. Wirksamer seien Handmessungen mit Laserpistolen. „Blitzen und sofort rausziehen“, sagt Holz – und bedauert erneut, dass das Beschlagnahmen von Motorrädern nach einer Gerichtsentscheidung vor einigen Jahren nicht mehr möglich ist.

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