Das Kogelprojekt in Bad Tölz
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Noch eine grüne Wiese mit Blick auf Bad Tölz: Das Kogelprojekt wirft viele Fragen auf.

„Wohnen beim Chef“

Lenggrieser Firma Willibald will in Tölz Wohnungen bauen

Bad Tölz – Nach dem Bauausschuss befasste sich auch der Stadtrat mit dem Vorhaben der Lenggrieser Firma Kilian Willibald, am Kogelweg in Bad Tölz sechs Doppelhaushälften mit zehn Wohneinheiten und Tiefgarage zu errichten.

Der Bebauungsplan wurde nach längerer Diskussion mit Mehrheit gegen fünf Stimmen aufgestellt. Das Vorhaben ist umstritten, schließlich handelt es sich um ein stark ansteigendes Wiesengelände zwischen der bisherigen Bebauung und der sogenannten Kogelmulde unterhalb des früheren Cafés Kogel.

Baurechtlich sei alles geprüft und eine Bebauung dort auch möglich, so Bauamtsleiter Christian Fürstberger, der sich mit dem Thema bereits seit 2017 befasst.

Seit dieser Zeit möchte der Lenggrieser Bauunternehmer Willibald drei Doppelhäuser für seine Mitarbeiter dort bauen. Er argumentiert damit, dass er seit Jahren zahlreiche Aufträge in Bad Tölz erledige und weitere Mitarbeiter nur finden könne, wenn er ihnen und oder ihren Angehörigen auch Wohnmöglichkeiten bietee. Ein Vorgehen, das vor allem bei Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) auf viel Verständnis stößt.

Kritik: Kogelweg ist eine Sackgasse

Ganz anderer Ansicht waren die fünf Gegner des Vorhabens, namentlich Doris Bigos und Johannes Gundermann (Grüne), Ulrike Bomhard, Martin Harrer und Ulrich Fottner (alle FWG). Vor allem Gundermann, der als Taxifahrer oft am Kogelweg unterwegs sei, schilderte bereits in der vorausgegangen Vorberatung im Bauausschuss die Verkehrssituation in der „Sackstraße, wo alle Fahrzeuge unterhalb des Kogels wenden müssen“.

Dort soll die Einfahrt zur neuen Tiefgarage angelegt werden.Zudem: Wegen der gegenüber vom Sanatorium Frisia angesiedelten Dialyse-Station komme es durch die Anfahrt und das Abholen der Patienten mehrfach am Tag zu Verkehrsbehinderungen.

Das Verkehrsaufkommen sei jedoch nach der Bauzeit durchaus tragbar, ergaben die Berechnungen des Stadtbauamtes, das künftig von zwei Fahrzeugbewegungen mehr pro Stunde als bisher ausgehe. Während der Bauzeit soll das Kommunalen Verkehrsüberwachung für Ordnung sorgen, so Fürstberger.

Eigentumswohnungen nicht erlaubt

Um sicher zu gehen, dass keine Eigentumswohnungen entstehen, verpflichtet sich Willibald, einen entsprechenden Städtebaulichen Vertrag zu unterzeichnen. Er schreibt dem Bauwerber unter anderem eine ortsübliche Miete, ein Auskunftsrecht für die Stadt, das Verbot der Umwandlung in Eigentumswohnungen und ein Vorkaufsrecht für die Kommune für 20 Jahre vor.

Während René Mühlberger (CSU) hier von einem „Modellcharakter“ sprach und Zweite Bürgermeister Michael Lindmair (FWG) das Modell „Wohnen beim Chef“ lobte, schlug sein Fraktionskollege Martin Harrer „einen Grundstückstausch mit der Stadt über das Areal an der Arzbacher Straße“ vor.

Dies habe aber nur dann Sinn, so Mehner, „wenn dann die Stadt am Kogel baut.“ Willi Streicher (SPD) sprach wie schon zuvor im Ausschuss von einem Glücksfall, wenn dort Wohnungen gebaut würden, Anton Mayer (CSU) meinte dagegen, „man kann alles schönreden, es ist nun mal keine Firma aus Tölz.“ Darauf Mehner: „Die Lage der Baustellen, nicht der Firmensitz ist entscheidend, wer wo Steuern zahlt.“

Nachdem es Nachbareinwände gegen den Bebauungsplan gibt, rechnet Fürstberger mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung, ehe oben am Kogel die Bagger anrücken. Karl Bock

Quelle: DasGelbeBlatt

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