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Müllproblem beschäftigt Kochels Gemeinderat – Abfuhr von Kreisbehörde

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Von: Christine Weikert

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Müll Mülleimer kochel
Kochels neu aufgestellte Mülleimer quellen nach Schönwettertagen über. © Christine Weikert

Kochel – In Kochel quellen Mülleimer über: Die Problematik wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung behandelt. Mehr Mülleimer sollen nicht angeschafft werden.

Die Müllproblematik ist im Zweiseenland nicht neu: Bereits vor Jahrzehnten gab es Bilder von überquellenden Abfalleimern, neben denen sich weiterer Müll auftürmte – vor allem nach schönen Wochenenden. Das Thema landete im jüngsten Kocheler Gemeinderat wieder auf dem Tisch.

Vor mehr 20 Jahren startete der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Schilderkampagne „Gut erholt – und Ihr Abfall?“ mit Karikaturen von Ernst Hürlimann. Müllsünder gibt es seither immer noch, und nach wie vor setzt man beim Tölzer Landratsamt auf deren Umerziehung. Dem Wiederaufstellen der einst großflächig abgebauten Abfallbehälter erteilte die Behörde hingegen eine Abfuhr.

Landratsamt bleibt hart

Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) zeigte jüngst im Gemeinderat aktuelle Fotos, auf denen sich bunte Müllhaufen in und um Abfallbehälter – und zu solchen umfunktionierten Hundetoiletten – stapelten. „Des Öfteren werden Forderungen nach der Aufstellung von Mülleimern im Walchenseegebiet an uns herangetragen“, berichtete er. Dabei sei der Verzicht auf öffentliche Abfalleimer „keine Erfindung der Gemeinde Kochel“, sondern liege weit über 20 Jahre zurück. Angesichts der unschönen Bilder habe man Anfang Juli beim Landratsamt nachgefragt, ob man wirklich an diesem Vorgehen festhalten solle, teilte Holz mit.

Die Antwort der Unteren Naturschutzbehörde lautete: „Ja“. Sachgebietsleiter Franz Steger habe auf den Hintergrund der damaligen Aktion zum Abbau der Abfallbehälter verwiesen: Der Appell an die Besucher, ihre Abfälle aus den Erholungsgebieten wieder mit nach Hause zu nehmen und Recycelfähiges in den Wertstoffbehältern ihres Wohnorts zu entsorgen. In Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim waren seinerzeit auch die Abfalltonnen an den Parkbuchten der Kreis- und Bundesstraßen im Landkreis entfernt worden.

Erziehungseffekt bleibt aus

„Von dieser Vorgehensweise möchten wir als Untere Naturschutzbehörde nicht abweichen, auch wenn bei manchen Erholungssuchenden – Gästen wie Einheimischen – der Erziehungseffekt noch nicht eingetreten ist“, heißt es in dem Antwortschreiben. Erfahrungsgemäß würden vereinzelte Papierkörbe für „allerhand anderen Müll missbraucht“ und zögen nur weiteren Müll an, schrieb Steger. In der laufenden Kampagne „Naturschutz beginnt mit Dir“ greife man deshalb das Thema Müll besonders auf, etwa durch Müllsammelaktionen der Walchenseer Influencerin Magdalena Kahlus oder einer „Null-Müll-Tour“ mit dem Alpenverein auf dem Heiglkopf.

Um Müllbeseitigung in den Schutzgebieten an der Isar und am Walchensee kümmert sich die Behörde dennoch. Die Naturschutz-Ranger haben laut Steger immer Müllsäcke mit dabei und entsorgen den gesammelten Dreck in nicht öffentlich zugänglichen Containern oder bringen diesen auf Deponien. Die Entsorgungskosten würden aus dem Naturschutzbudget beziehungsweise aus Mitteln für „wilde Müllablagerungen“ im Bereich Abfallrecht bestritten. Abschließend bot die Untere Naturschutzbehörde an, sich im Rahmen des Walchenseekonzepts über „eine Anpassung der Anzahl der aufzustellenden Müllcontainer und weiter erforderlicher Maßnahmen“ mit dem Forst und den Walchenseegemeinden abzustimmen und auch das Abfallwirtschaftsunternehmen des Landkreises als öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger einzubinden.

Müllfotos auf Homepage

Kochels Rathauschef Holz bestätigte die guten Erfahrungen: „Das hat insgesamt zu weniger Müll geführt, den wir kostenpflichtig entsorgen müssen.“ Ein gewisser Erziehungseffekt sei schon eingetroffen, auch wenn es noch zu viele „Unbelehrbare ohne Rücksicht und Verstand“ gebe. Er sei noch am Überlegen, ob man die Schilder erneuern solle, deren Text vor 20 Jahren gut war, heute aber „schmissiger“ formuliert werden könne. Markus Greiner (Junge Liste) schlug vor, auf der touristischen Internetseite nicht nur „schöne, hübsche und tolle“ Bilder zu zeigen, sondern auch Müllfotos als Realität zu zeigen. Holz will die Anregung weiterleiten, gab aber zu bedenken, bei den „Schockbildern“ auf Zigarettenschachteln fruchte ein solcher Ansatz nicht

Klaus Barthel (SPD) konnte die „guten Erfahrungen“ nicht nachvollziehen, die Bilder bewiesen doch das Gegenteil. Die neue Kampagne sei zwar sinnvoll, das Müllproblem gehe dadurch aber nicht weg, glaubte er. Unlogisch sei es, dass man Hundehäufchen entsorgen könne, anderen Müll aber nicht. Zudem zahlten die Leute jetzt Parkplatzgebühr plus Tageskurbeitrag und hätten eine gewisse Erwartungshaltung.

Barthel verwies auf andere Gemeinden, die „in weiten Teilen Mülleimer aufgestellt“, hätten, konnte allerdings auf Nachfrage von Holz als konkretes Beispiel nur die Ostsee aufführen. Die habe dem Rathauschef selbst ja auch als Beispiel zur Einführung des Tageskurbeitrags gedient, erinnerte Barthel. Mit seiner Gegenstimme beschloss das Ratsgremium, keine neuen Abfallbehälter aufzustellen.

Warten auf Parkautomaten

Die abgebaute Hundetoilette nahe der Walchenseeer Wasserwacht, nach der sich Frank Sommerschuh (FWG) erkundigte, soll hingegen laut Holz ersetzt werden, allerdings durch einen Behälter mit geringerer Lochgröße, damit kein normaler Müll reinpasst.

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