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„Wir für Tölz“ plant verschiedene Aktionen gegen Fachkräftemangel

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Von: Fridolin Thanner

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Industriemaschinenführer
Fachkräftemangel gibt es in verschiedenen Bereichen © michaeljung/panthermedia

Bad Tölz – Die IHK für München und Oberbayern schätzt, dass in Bayern bis 2030 mehr als 1,3 Millionen Menschen im Arbeitsmarkt fehlen werden. „Es bringt nichts zu jammern“, sagt Andreas Munkert, Vorsitzender des Unternehmervereins „Wir für Tölz“. Er möchte dem Problem entgegenwirken und hat dafür eine eigene Arbeitsgruppe gegründet.

Der Fachkräftemangel ist eine der großen Herausforderungen für die Wirtschaft. Jede Menge Betriebe suchen Mitarbeiter, und die Situation wird sich noch verschärfen. Der Unternehmerverein, dem Munkert seit gut vier Monaten vorsteht, legt das Hauptaugenmerk auf den Fachkräftemangel.„Dieses Thema bewegt alle“, betont Munkert. „Ich weiß keinen in unserem Verband mit 100 Mitgliedern, der keine offene Stelle hat.“ Wie viele es genau sind, kann er nicht sagen, nur schätzen. „Wir sind da sicher im dreistelligen Bereich“, nennt Munkert die Dimension des Problems. Die Arbeitsgruppe hat sich nun vorgenommen, während der laufenden zweijährigen Amtszeit in verschiedenen Bereichen aktiv zu werden und dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Der fehlende bezahlbare Wohnraum ist wahrscheinlich das größte Problem“, sagt Munkert und fügt hinzu: „Es ist auch das am schwierigsten zu lösende.“ Vor allem wird es innerhalb von zwei Jahren keine große Lösung geben. Dass aber schon jetzt Betriebe selber Wohnungen mieten, um ihre Beschäftigten unterzubringen, ist keine Seltenheit.

Andreas Munkert
Andreas Munkert sieht den Fachkräftemangel als drängendstes Problem für die Unternehmer in Bad Tölz. © Beate Mader

Munkert selbst hat als Chef der Reha-Klinik Frisia acht Wohnungen für Mitarbeiter angemietet. Er könnte sich aber durchaus vorstellen, dass der Unternehmerverband hier tätig wird und Wohnungen mietet. Als „Wir für Tölz“ wäre es vermutlich einfacher, bei einer Vergabe zum Zug zu kommen, als für einzelne Unternehmer. Und Munkert denkt weiter: Langfristig kann er sich vorstellen, dass der Verein sogar selbst günstigen Wohnraum schafft. Es sei durchaus eine Überlegung, etwa eine Genossenschaft zu gründen und selber zu bauen. „Das wäre die sauberste Lösung“, findet Munkert. In einem solchen Verbund – oder auch in Zusammenarbeit mit einer bestehenden Genossenschaft – wäre ausgeschlossen, dass sich ein Einzelner bereichert. „Natürlich geht das alles nur gemeinsam mit der Stadt“, weiß Munkert. Er ist aber überzeugt, dass sich geeignete Flächen finden und entsprechende Projekte umsetzen lassen.

Bis dahin soll es aber schon deutliche Verbesserungen geben. Die möchte der Unternehmerverein mit seiner Arbeitsgruppe einerseits durch eine Marketingkampagne erreichen. „Wir wollen Tölz als Arbeitgeberstadt präsentieren“, erklärt Munkert. So sollen Plakatwände an Bahnhöfen von Penzberg bis Tegernsee die Attraktivität der Stadt an der Isar zeigen und vor allem Auspendler ansprechen: Lieber in Bad Tölz arbeiten, als täglich in eine der Gemeinden oder Städte der Region fahren.

Potenzial sieht der Arbeitskreis auch bei Jugendlichen und strebt eine stärkere Vernetzung von Schulen und Unternehmen an. Über Praktika etwa sollen die potenziellen späteren Fachkräfte Berufe kennenlernen. Dazu ist geplant, dass die bestehenden Angebote besser bekannt gemacht werden. Es sollen Flyer unter anderem in Schulen verteilt werden, auch eine Vermittlungsplattform plant der „Wir für Tölz“-Arbeitskreis. Praktika bieten Unternehmern zudem die Möglichkeit, zu zeigen, wie attraktiv ihre Arbeitsplätze sind. Denn vielfach ist es schwierig, Azubis zu finden. Munkert spricht von „einer gewissen Wegentwicklung vom Handwerk“. Viele Jugendliche studierten lieber, als eine Lehre zu beginnen. Wer hingegen gern arbeiten würde, aber oft vor formalen Hürden steht, sind Geflüchtete. Auch hier möchte der Unternehmerverein unterstützen und Arbeitssuchende mit Arbeitskraftsuchenden zusammenbringen.

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