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Die Dorfkinder von Ried mit ihren roten Kuhglocken
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Die roten Glocken sind schon hergerichtet: Am heutigen Samstagnachmittag machen sich Toni Streidl (3. von links) und seine Freunde wieder auf, um an jeder Haustür in Ried zu klingeln.

Tradition am Kirchweihsamstag

Die Glockenläufer von Ried ziehen auch in diesem Jahr durchs Dorf

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Es ist ein besonderer Brauch, der in Ried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) am Leben gehalten wird: das Glockenlaufen. Auch in diesem Jahr ziehen die Dorfkinder von Haus zu Haus.

  • Zum Kirchweihwochenende gibt es zahlreiche Bräuche in ganz Bayern
  • Eine besondere Tradition findet jedes Jahr in Ried statt
  • Das sogenannte Glockenlaufen kommt bei den jungen Buben im Dorf sehr gut an

Ried – Es dämmert bereits, als Toni Streidl und die anderen fünf Buben am frühen Samstagabend an einer Haustür in Ried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) klingeln. Als die Tür geöffnet wird, fangen die Kinder an, mit ihren roten Kuhglocken zu läuten. „Wir waren heid beim Almabtreibn und ham am Hirta gholfn. Etz sammel ma unsern Lohn ei’ und mit de Glockn vertreib’ ma de bösn Geister“, hallt es zusammen mit dem Glockenläuten durch das kleine Dorf. Was das zu bedeuten hat, weiß in Ried jeder: Es ist Kirchweihsamstag und die Kinder führen die Tradition des Glockenlaufens fort. Auch in diesem besonderen Pandemie-Jahr.

Die ältesten Glockenläufer laden die jüngeren ein

Der 13-jährige Toni Streidl ist ein erfahrener Glockenläufer. Bereits zum sechsten Mal nimmt er heuer teil. Zu den „Großen“ gehört er aber noch nicht ganz. Denn bevor die Buben durchs Dorf ziehen können, müssen die ältesten Glockenläufer die jüngeren einladen. „Da wird wie beim Glockenlaufen von Haus zu Haus gegangen und geschaut, wer Lust hat“, erzählt Toni Streidl.

Der Brauch ist mehr als 100 Jahre alt und wird von harter Arbeit begleitet, wie Tonis Mama Astrid Streidl erklärt: „Früher haben die Hirtabuam dem Hirta geholfen, auf die Jungtiere auf der Alm aufzupassen, weil es teilweise keinen Weidezaun gab.“ Im Gegensatz zum Hirta, der bei einem Bauern fest angestellt war, wurden die Hirtabuam von mehreren Bauern für die Hilfe bezahlt. Denn es gab eine Genossenschaftswiese, auf der alle Bauern ihre Jungtiere unterbrachten.

Historischer Hintergrund des Brauches: Hirtabuam gingen früher mit Glocken durchs Dorf

„Die Hirtabuam halfen am Ende der Almsaison auch dabei, die Tiere ins Dorf zum Stall zu bringen“, sagt Astrid Streidl. Um ihren Lohn für die Saison von den Bauern einzutreiben und allen zu zeigen, dass sie mit dabei waren, gingen die Buam mit den Kuhglocken im Dorf umher – traditionell am Kirchweihsamstag. Bei Toni und seinen Freunden sind es Süßigkeiten und etwas Taschengeld, das sie beim Glockenlaufen sammeln.

„Eigentlich kommt der Brauch aus Benediktbeuern, aber da wird das Glockenlaufen nicht mehr gemacht. Wir haben das dann übernommen, weil es auch bei uns Hirtabuam gab“, erklärt der 13-Jährige. Vor allem in Toni Streidls Familie ist das Glockenlaufen Tradition. Sein Opa, Toni Streidl senior, war vor rund 60 Jahren selbst noch beim Almabtrieb dabei und hat dem Hirta geholfen. Und auch Papa Toni Streidl ist früher mit der roten Kuhglocke durch Ried gegangen. Da war klar, dass auch Toni von den Älteren eingeladen wurde und mit ihnen durch Ried zog. Bekannt ist das Glockenlaufen aber nur in Benediktbeuern und Ried, sagt Astrid Streidl.

Menschen feierten früher zu viel: Kirchweihfeste auf einen Tag zusammengelegt

„Es gibt eine Vielzahl an individuellen Kirchweihbräuchen“, erklärt Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Grund dafür ist, dass früher jedes Dorf ein eigenes Patroziniumsfest hatte. „Das wurde dann aber auf einen Tag zusammengelegt, weil es zu viele Veranstaltungen waren und die Menschen immer gefeiert haben“, erklärt er. Denn das Kirchweihfest war auch eine Begegnungsmöglichkeit. „Unter der Woche blieb wegen der Arbeit keine Zeit, sich zu treffen“, sagt der Experte. Die sogenannte Kirtahutschn, eine große Holzschaukel, ist ein solcher Brauch gewesen, für den das ganze Dorf zusammenkam. „Da schaukelte die ganze Gemeinde“, sagt Ritter. Zwar ist das auch immer noch so, aber wegen der Corona-Pandemie ist heuer etwas mehr Fantasie gefragt, um die Bräuche zu erhalten und zu feiern.

Toni Streidl ist froh, dass er mit seinen Freunden heuer trotz Pandemie Glockenlaufen kann. Denn in zwei Jahren ist er zu alt zum Mitmachen. Dann wird er der sein, der den Glockenläufern die Tür öffnet.

Doch nicht nur an Kirchweih gibt es verschiedene Bräuche und Traditionen. Auch zu Geburtstagen werden viele überrascht. In Burggen wurden kürzlich zwei Lkw-Ladungen Schachteln vor dem Haus eines Geburtstagskindes abgeladen.

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