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Stellten die Chronik vor: Bürgermeister Thomas Gründl und Historikerin Birgit Müller, Leiterin des Gemeindearchivs und Verfasserin der Dokumentation. 

Dokumentation erstellt

Die Geschichte für die Geschichte

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Bad Heilbrunn - Die Gemeinde Bad Heilbrunn und die Jodquellen AG verbindet eine lange Geschichte – mit vielen Höhen und Tiefen. Nun liegt eine Dokumentation über die Gesamtentwicklung vor. Titel: „Resümee einer schicksalhaften Zeitreise von 1912 bis 2015“.

Als Ende Oktober 2015 die Abrissbirne über Wandelhalle und Kurhaus schwebte, ging in Bad Heilbrunn eine Ära zu Ende. Eine Ära, die äußerst positiv begonnen hatte, und die zum Schluss in einem jahrelangen erbitterten Streit endete – Stichwort schwarze Holzkreuze am Kurhaus.

Wie konnte es soweit kommen? Das ist eine lange Geschichte, die schon vor den schwarzen Kreuzen, die Bad Heilbrunn überregional Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, einige bemerkenswerte Kapitel hatte. Historikerin Birgit Müller, Leiterin des Gemeindearchivs, hat nun eine Dokumentation erstellt – wie alles begann, welchen Verlauf die Sache nahm und wie sie endete.

Grundlage für diese Chronik sind öffentliche Korrespondenzen, Beschlüsse des Gemeinderats, Eingabepläne und Zeitungsberichte. Bürgermeister Thomas Gründl, der die Dokumentation in Auftrag gegeben hatte, spricht von einem „Stück Zeitgeschichte“. „Diese Dokumentation ist keine Abrechnung, sondern gibt einen Überblick über eine Zeit, die für Bad Heilbrunn sehr wichtig gewesen ist.“

Bekanntlich bekam die Gemeinde 2013 vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof grünes Licht für ihren Bebauungsplan. Im Mai 2015 kaufte die Kommune dann für zehn Millionen Euro alle Flächen der Kurfürstin GmbH (ein Tochterunternehmen der Jodquellen AG) in der Ortsmitte. Dieser Rechtsstreit ist das Ende einer gemeinsamen Geschichte, die 1912 begann, als die Tölzer Jodquellen AG Grundstücke in Bad Heilbrunn kaufte.

Historikerin Müller hat auf knapp 50 Seiten zusammengetragen, wie sich das Kurbad Heilbrunn in Zusammenarbeit mit der Jodquellen AG entwickelte. Die Zeit bis 1958 bezeichnet sie als die „Goldenen Jahre“ – es war die Zeit, als der Fremdenverkehr blühte. Das Ende kam schleichend – die Menschen wurden mobiler, reisten lieber an die Adria als ins Voralpenland. Ein Großbrand in der Ortsmitte, Diskussionen um Straßenführung und unterschiedliche Meinungen über Übernachtungszahlen ließen den Ton allmählich rauer werden.

Anhand von Briefen (aus der Epoche von vier Bürgermeistern), Plänen und Zeitungsberichten kann der Leser dieser Chronik selbst nachvollziehen, wie sich die Sache entwickelte. Der Anhang ist wesentlich umfangreicher als der zusammenfassende Text, denn Müller hat sich die Mühe gemacht, sämtliche Zeitungsberichte aus Tölzer Kurier, Süddeutscher Zeitung, Gelbem Blatt und Kreisboten seit 1962 aufzulisten. Dazu gehören auch die Leserbriefe aller Beteiligten. „Diese Dokumentation soll neutral und objektiv sein“, sagt Müller. Fast ein Jahr lang hat sie daran gearbeitet. Diese Chronik ist nicht nur für alle Heilbrunner Bürger sehr interessant, sondern wird sicherlich auch Leser in Bad Tölz, allen voran im Stadtrat, finden. Schließlich kann man in der Dokumentation auch nachlesen, was die Jodquellen AG einst in Bad Heilbrunn plante (etwa den Bau eines Thermal- und Solebeckens mit 600 Quadratmetern Wasserfläche gegenüber der Gärtnerei Holzmann), und was nie verwirklicht wurde – aus den unterschiedlichsten Gründen.

Nach dem „historischen Handschlag“ beim Notar im Mai 2015 haben sich die Wogen geglättet. „Dieses freundschaftliche Verhältnis wollen wir aufrechterhalten“, sagt Bürgermeister Gründl. Die Gemeinde interessiere sich nach wie vor dafür, auch die Heilquelle zu kaufen. „Wir verfolgen das derzeit aber nicht aktiv, und 2017 haben wir viele andere Projekte“, sagt Gründl.

Infos zur Chronik

Die umfangreiche Dokumentation kann man zum Selbstkostenpreis (20 Euro) im Rathaus kaufen. Vermutlich im Februar wird sie in Teilen online stehen.

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