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Hymnen-Texter (v.r.): Muhammad Agca, Tatjana Sommerfeld und Benedikt Kreisl. Links ihr Lehrer Peter Kaspar.

Tölzer gewinnen Hauptpreis

Schüler dichten dritte Strophe für die Bayern-Hymne

München/Bad Tölz - Drei Schüler aus Bad Tölz haben eine 3. Strophe der Bayern-Hymne gedichtet. Und damit den Hauptpreis der Bayerischen Volksstiftung gewonnen. Die Hymne müsse europäischer werden, sagen sie.

Muhammad Agca (22) ist, wie er sagt, „ein waschechter Tölzer“. In Tölz geboren, in Tölz zur Schule gegangen. Realschulabschluss, Lehre als Einzelhandels-Kaufmann, Arbeit im Lebensmittelladen. Jetzt besucht Agca die Berufliche Oberschule in der Kurstadt. Ziel: das Abitur und dann ein Studium, „irgendwas mit Wirtschaft oder Jura“.

Und zwischendrin hat Agca, dessen Eltern in den 1970er Jahren aus der Türkei nach Bayern kamen, mal kurz die Hymne fortgeschrieben. Nicht er allein, sondern zusammen mit seinen Klassenkameraden: dem gelernten Koch Benedikt Kreisl (23) und Tatjana Sommerfeld (18), der Zahnarzthelferin, die sich weiterbilden will. Als ihr Geschichtslehrer Peter Kaspar vor einigen Monaten die Ausschreibung der Bayerischen Volksstiftung mit in die Klasse brachte, dachte sich Agca erst nicht viel dabei. Die Bayern-Hymne ist zwar in allen Grundschulen Pflichtstoff; aber nun – das ist lange her. „Wenn ich ehrlich bin, hat mir die Hymne nicht viel gesagt“, berichtet Muhammad Agca.

Das hat sich geändert. Gründlich. Agca mag die Hymne jetzt sehr, nachdem er sich so damit beschäftigt hat. In Kleingruppen saßen die Schüler zusammen, und dichteten, was das Zeug hält, berichtet ihr Lehrer. Der Vorschlag des Trios Agca/Kreisl/Sommerfeld war der beste. Sie haben auch einige Stunden lang gefeilt, und Agca ist sehr zufrieden, dass ihr Text „so schöne altmodische Worte wie ,tun wir kund’ enthält“. Ziel war es laut Ausschreibung, die Bayern-Hymne um eine weitere Strophe mit dem Kernthema „Bayern in Europa“ zu bereichern. Klar, Europa – was liegt näher in den heutigen schweren Zeiten. „Wir sind glühende Anhänger eines an Geschichte und Kultur, nicht ausschließlich an wirtschaftlicher und politischer Macht orientierten Europa“, sagte der Vorsitzende der Volksstiftung, Florian Besold, in seiner Festrede zum Jahrestag der Verfassung am Samstag im Münchner Prinzregenttheater. Nicht nur in Tölz wurde gedichtet, sondern auch in Hof, Amberg und anderswo. Über 500 Schüler aus 70 Schulen reichten 250 Beiträge ein – eine Zahl, die Besold freut. Am Samstag gab es dafür mehrere Preise, auch die Bayerische Trachtenjugend erhielt für „die Festigung von Heimat-, Kultur- und Staatsbewusstsein“ eine Anerkennung.

Der Hauptpreis, eine Fahrt nach Brüssel, ging jedoch nach Bad Tölz. Zur Feierstunde ins Theater kam auch der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. Vize-Ministerpräsident Martin Zeil und der Münchner OB Christian Ude sprachen. Ob jetzt aber die 3. Strophe wirklich offiziell wird – was der Ministerpräsident deklarieren müsste – das ist noch nicht raus.

Dirk Walter

Die neue Strophe:

Dieser Textvorschlag der Beruflichen Oberschule Bad Tölz gewann den Hauptpreis:

Gott mit uns und allen Völkern ganz in Einheit tun wir kund: In der Vielfalt liegt die Zukunft, in Europas Staaten Bund. Freie Menschen, freies Leben, gleiches Recht für Mann und Frau, Goldne Sterne, blaue Fahne und der Himmel weiß und blau

Einen Anerkennungspreis gewann das Gregor-Mendel-Gymnasium Amberg mit folgendem Vorschlag:

Gott mit Dir dem Bayernlande, Glück und Frieden schenk uns hier. Fest im Bunde in der Einheit zu Europa stehen wir. Denn wir sind Europas Mitte Vielfalt sei des Bundes Pflicht Und bewahr des Menschen Würde auf dem Grundstein der Geschicht.

 

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