Die Lamsenjochhütte steht in einem eindrucksvollen Felsenzirkus. Rechts ragt die Lamsenspitze auf, genau überm Hüttendach der Lamsenhüttenturm.
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Die Lamsenjochhütte steht in einem eindrucksvollen Felsenzirkus. Rechts ragt die Lamsenspitze auf, genau überm Hüttendach der Lamsenhüttenturm.

Bewerben kann man sich noch bis Ende März

Dynamische Wirtsleute für Lamsenjochhütte gesucht

Hinterriß – Die Lamsenjochhütte ist eine der bekanntesten und beliebtesten Unterkünfte bei Bergsteigern in den Nordalpen. Jetzt steht ein Pächterwechsel an. Wer Interesse hat, kann sich noch bis Ende März bewerben.

Neben der bekannten Falkenhütte unter den Lalidererwänden, die in den vergangenen Jahren mit hohem finanziellen Aufwand saniert und erweitert wurde, unterhält die in München ansässige Alpenvereinssektion Oberland noch ein weiteres traditionsreiches Unterkunftshaus im Naturpark Karwendel: die Lamsenjochhütte. Ihre unvergleichliche Lage im eindrucksvollen Felsenzirkus unter den Wänden von Lamsenspitze, Lamsenhüttenturm und Hochnissl ist ähnlich spektakulär, die Auswahl an Übergängen und Gipfelbesteigungen hier vielleicht noch größer.

100 Schlafplätze in der Hütte

Nach dem Weggang der langjährigen Wirtsleute steht auf der Lamsenjochhütte ein Pächterwechsel an: Die Sektion sucht in ihrer Ausschreibung für die Neuverpachtung „dynamische und kinderfreundliche“ erfahrene Wirtsleute, die den Anforderungen beim Betrieb dieses großen Hauses mit rund 100 Schlafplätzen gerecht werden. Interessierte können ihre Bewerbung noch bis zum 28. März an das Hüttenressort der Sektion richten (Tal 42, 80331 München; E-Mail: huetten.wege@dav-oberland.de).

Kleines Problem: Noch lässt sich angesichts der Corona-Pandemie nicht genau vorhersagen, mit welchen Auflagen die mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnete Hütte zur neuen Sommersaison geöffnet werden kann – gleiches gilt auch für die Wiedereröffnung der Falkenhütte.

Die erste kleine Hütte wurde 1906 errichtet

In der Bergsteigerstadt München ist die 1899 gegründete Sektion Oberland mit ihren 170 000 Mitgliedern zusammen mit der Sektion München heute die größte deutsche DAV-Sektion. Bereits 1903 hat sie vom Benediktinerstift Fiecht (zu dem auch das Bergkloster St. Georgenberg gehört) einen Grund in 1950 Meter Höhe am östlichen Lamsenjoch erworben, um dort einen Stützpunkt für Bergsteiger zu errichten.

Die erste kleine Hütte wurde 1906 errichtet, ist jedoch bereits 1908 von einer großen Lawine völlig zerstört worden. Nach dieser schmerzlichen Zäsur fand man 200 Meter weiter östlich einen lawinensicheren Standort, wo am 23. Juni 1909 die neue Hütte eröffnet wurde, die seither immer wieder vergrößert und modernisiert wurde.

Tiefe Klüfte: Gipfelzugang gesperrt

Als ein Etappenziel bei der viel begangenen viertägigen Karwendel-Durchquerung von Scharnitz zum Achensee gehört die Lamsenjochhütte sicher zu den bekanntesten und bei Bergwanderern beliebtesten AV-Hütten in den Nordalpen. Aber auch der bekannte Hermann Buhl, zweifellos der beste Bergsteiger seiner Zeit und Erstbesteiger des Nanga Parbat, hat hier seine Spuren hinterlassen, als er 1947 zwei extreme Kletterrouten am lotrechten Lamsenhüttenturm eröffnete. Im Sommer 2014 kam die Hütte noch einmal in die Schlagzeilen, als Geologen feststellten, dass sich droben am Verbindungsgrat zum Hochnissl tiefe Klüfte gebildet hatten, die einen gewaltigen Bergsturz ankündigen, dessen tatsächlichen Zeitpunkt aber niemand vorhersagen kann. Seit sieben Jahren ist deshalb dieser Gipfelzugang gesperrt, eine Umgehungsmöglichkeit gibt es noch nicht. Gesperrt ist aus dem gleichen Grund auch der Wanderweg durch das Stallental (Via Alpina) zur Hütte, allerdings lässt sich die Gefahrenstelle auf dem höher oben am Gegenhang verlaufenden Fahrweg sicher umgehen.

RAINER BANNIER

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