Für den ehemaligen Schießplatz (li.) liegen der Bima mehrere Kaufanfragen vor. Plan: gemeinde

Ehemaliger Schießplatz: Lenggries sichert sich Vorkaufsrecht

Lenggries - Das Lenggrieser Kasernenareal wurde praktisch über den Kopf der Gemeinde hinweg an zwei private Investoren verkauft. Das soll beim ehemaligen Schießplatz anders laufen.

Hier hat der Gemeinderat am Montag eine Vorkaufsrechtssatzung erlassen. Der 4,3 Hektar große ehemalige Schießplatz wurde beim Verkauf der Kaserne an die Projektgesellschaft Arcavest und die Luitpolderhöfe GmbH 2009 nicht mitveräußert. Mittlerweile gibt es „mehrere Kaufbewerber“, bestätigt Kurt Zeitler, Sachbearbeiter bei der Bundesanstalt für Immobilenaufgaben (Bima), auf Anfrage. Deshalb werde das Objekt nun öffentlich ausgeschrieben. „Das heißt, wir bieten es auf unserer Internetseite zum Kauf an und werde wie immer versuchen, das Optimum zu erzielen“, so Zeitler.

Abhängig davon, wer zum Zug kommt, möchte die Gemeinde aber auf jeden Fall die Möglichkeit haben, selbst zu kaufen. „Zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung steht der Gemeinde ein Vorkaufsrecht zu“, heißt es in der Satzung, die am Montag in der Gemeinderatssitzung einstimmig beschlossen wurde. Die Begründung: Der Schießplatz sei nach Aufgabe der militärischen Nutzung funktionslos, liege brach und stelle einen „Fremdkörper“ dar. Ziel sei es, das Areal durch Umgestaltung einer landwirtschaftlichen Nutzung zuzuführen. Diese präge die Umgebung, und auch der Schießplatz sei vormals Nutzfläche gewesen. Im Falle eines Verkaufs sei die Gemeinde umgehend zu informieren.

„Es ist wichtig, dass wir das machen“, sagt CSU-Rat August Maerz und nutzte die Gelegenheit, seinem Ärger über die Bundesanstalt Luft zu machen. „Die Bima ist eine undurchsichtige Organisation, die ihre Liegenschaften wie auf einem orientalischen Basar verkauft.“ Die Kaserne sei praktisch „zum Fenster rausgeschmissen worden“, sagte Maerz und spielte damit auf den geringen Kaufpreis an. Wie berichtet, hatten die beiden Investoren für das rund 15 Hektar große Areal gerade mal 165 000 Euro bezahlt. Mitgekauft haben sie allerdings auch die Altlasten (geschätzte Sanierungskosten: fünf Millionen Euro) und die Möglichkeit, dass auf diesem Areal keine Entwicklung möglich ist, da die Gemeinde nach wie vor den Rückbau zur grünen Wiese anstrebt.

Maerz hadert dennoch mit dem Kaufpreis: „Das wäre eigentlich ein Fall für den Bundesrechnungshof oder das Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds.“ Auf jeden Fall „sollten wir schauen, dass uns das nicht nochmal passiert“. Daher sei die Satzung der richtige Schritt.

SPD-Fraktionschef Dr. Karl Probst gab Maerz recht. „Denn auch der Schießplatz ist nicht so wertlos, wie viele sagen.“ Es sei wichtig, dass es der Gemeinde nicht wieder so gehe, wie bei der Kaserne. „Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Diese Spitze brachte Bürgermeister Werner Weindl in Rage. Er habe das Thema schon im Herbst zur Sprache gebracht, „aber da kam ja gar nichts - auch von Ihnen nicht.“ (Veronika Wenzel)

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