Schier unfassbare Präzision lustvoll kredenzt: Der Chor „Voices in Time“. Foto: CjK

Wie eine klingende Naturgewalt

Bad Tölz - Längst kein Geheimtipp mehr ist der Rock- und Jazzchor „Voices in Time“. Deshalb verwundert es nicht, dass die Tölzer Franzmühle am Samstag fast ausverkauft war, als der Münchner Chor dort zum wiederholten Mal ein Gastspiel gab.

Es muss also etwas dran sein an dem Ensemble. Und tatsächlich: Die Sänger unter der Leitung von Stefan Kalmer gaben nicht nur eine eindrucksvolle Vorstellung ihrer musikalischen Vielfalt. Sie demonstrierten geradezu lustvoll ihre schier unfassbare gesangliche Präzision und die Wonne, mit anspruchsvollen Arrangements Freude und Können am Gesang vorzuführen. Und das wiederum mit genauso viel Akkuratesse wie mit berstender Vitalität.

Klassisch begann das Programm mit Mendelssohn-Bartholdys Vertonung „O Täler weit“ mit kleiner Swing-Einlage und ging dann zum Volkslied „Die Gedanken sind frei“ über. Ein gewagter Sprung sodann hin zum Chart-Hit „Oh Jonny“ von Jan Delay, von den Münchnern sagenhaft witzig und spritzig dargeboten.

Auch in der eigentlich unerträglichen Gebetsmühle „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo, aber auch bei anderen Hits konzentrierten sich die „Voices in Time“ auf das, was den Jazz seit jeher ausgezeichnet hat: überraschende Arrangements, Beschränkung auf Wesentliches, Verzicht auf Überladung, Knappheit im Ausdruck. Denn was beim Auftritt so federleicht daherkam, war harmonisch oft ungeheuer schwer.

Die anspruchsvolle Komplexität der Chorsätze überraschte dabei immer wieder - selbst oft Gehörtes blieb spannend und überraschend facettenreich bis zum letzten Takt. Herrlich kokett auch die Alternierung der Lieder mit Geschlechterkampf-Texten: Annett Louisans „Drück die 1“ etwa, Ina Müllers „Drei Männer her“ oder Roger Ciceros „Nicht artgerecht“. Musik als pures Spiel auf höchstem Niveau, als mitreißendes Vergnügen. Etwas Besseres hätte kaum ein anderer Chor bieten können. Zu recht gab es dafür rasenden Applaus.

Von Claudia Koestler

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