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Ende der Motorrad-Sperre am Kesselberg gefordert

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Von: Andreas Steppan

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Ein Polizist kontrolliert Motorradfahrer auf einem Parkplatz am Kesselberg.
Am Kesselberg setzen Innenministerium und Polizei weiterhin auf die intensive Kontrolle von Motorradfahrern. © Arndt Pröhl

Tausende Motorradfahrer haben jüngst gegen Wochenend-Fahrverbote demonstriert. Nun weitet sich die Debatte auch auf eine Sperrung aus, die schon seit 1978 gilt.

Kochel am See – Der Kesselberg soll an Sonn- und Feiertagen wieder für Motorradfahrer geöffnet werden: Das zumindest ist der Wunsch der Gruppierung „Blue Peers“, wie deren Vorstand Gábor Kovács in einer Pressemitteilung bekannt gibt. Rückfragen des Tölzer Kurier bei Innenministerium und Landratsamt ergeben unterdessen, dass diese Forderung derzeit wenig Aussicht auf Erfolg hat.

Zum Hintergrund: Die „Blue Peers“ sind laut Kovács eine „Körperschaft des öffentlichen Rechts“, die offiziell zwar nur aus 13 Personen besteht, aber über Internet und soziale Medien eine enorme Reichweite in der Motorradszene habe. Das zeigte sich, als sie zu der großen Motorraddemo am 4. Juli in München aufrief. Die wurde zwar aus Coronaschutz-Gründen kurzfristig offiziell abgesagt, tausende Motorradfahrer kamen letztlich trotzdem, um gegen eine Bundesratsinitiative zu Motorradfahrverboten an Sonn- und Feiertagen zu protestieren.

„Unfälle am Kesselberg so weit zurückgegangen, dass Sperrung nicht mehr aufrechtzuerhalten ist“

Im Nachgang der Demo trafen sich die „Blue Peers“, die sich für unter anderem Unfallprävention und Betreuung von verunfallten Motorradfahrern einsetzen, vergangene Woche mit Vertretern von Innen- und Verkehrsministerium. Dabei sei „die Frage aufgekommen, ob der Kesselberg an den Wochenenden wieder für Motorradfahrer geöffnet werden kann“, so Kovács. Das Fahrverbot wurde 1978 eingeführt und gilt an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, und zwar ausschließlich in südlicher Fahrtrichtung.

Seither, so argumentiert Kovács, sei die Zahl der Unfälle so weit zurückgegangen, dass eine Streckensperrung, die ja immer nur das letzte Mittel sein dürfe, nicht mehr aufrechtzuerhalten sei. Er räumt ein, dass bei einer Aufhebung an schönen Tagen bis zu 2000 Motorräder mehr über den Kesselberg rollen könnten. Um die Belastung der Anwohner gering zu halten, schlägt er als Kompromiss die Einführung einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern vor.

Landrat: Fahrverbot am Kesselberg „hat sich bewährt“

Kovács verweist darauf, dass Ministerpräsident Markus Söder nach der Motorrad-Demo erklärt habe, dass es in Bayern keine Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen geben werde. Diesen Worten sollten Taten folgen, so Kovács.

Im Innenministerium sieht man zwischen Söders Zusage und einer möglichen Öffnung des Kesselbergs hingegen keinen Zusammenhang. Denn die Kesselberg-Sperrung sei erfolgt, um das Unfallgeschehen mit Motorrädern einzudämmen. Bei der aktuellen Diskussion gehe es dagegen um Sperrungen aus Lärmschutzgründen, erklärt Ministeriums-Sprecherin Sandra Schießlberger auf Anfrage des Tölzer Kurier.

Zuständig für eine mögliche Aufhebung des Sonntagsfahrverbots wäre das Landratsamt. Auch dort haben die „Blue Peers“ bereits angeklopft – stoßen aber bei Landrat Josef Niedermaier auf wenig Gegenliebe. Der erklärt auf Anfrage: „Aus meiner Sicht hat sich die Maßnahme, die es seit 42 Jahren gibt, bewährt.“ Den Kesselberg an den Wochenenden für Motorräder zu öffnen, sei „nicht beabsichtigt und wird auch aus verkehrssicherheitsrechtlicher Sicht nicht befürwortet“. Am Landratsamt laufe hierzu kein Verfahren.

Ellipsenförmige Fahrbahnmarkierung statt Leitschwellen am Kesselberg?

„Die Daten sagen uns, dass sich das Verbot, am Wochenende und Feiertag bergauf zu fahren, positiv auf die Schwere der Unfälle ausgewirkt hat“, so Niedermaier weiter. Es gebe weniger tödliche Unfälle. Dennoch sei das Unfallgeschehen am Kesselberg „weiterhin extrem hoch“, was eine besondere Maßnahme wie die Sperrung rechtfertige. „Erkennbar ist außerdem eine Konzentration der Unfälle an Wochentagen zu den Feierabendstunden. Hierzu tragen insbesondere verunfallte Motorradfahrer bei. Bei einer Bewertung wird man diese Entwicklung kritisch beurteilen müssen.“

Dennoch werde die Anfrage der „Blue Peers“ geprüft. Für eine Neubewertung der Lage brauche man auf alle Fälle aktuelle Zahlen – die der laufenden Motorradsaison lägen noch nicht vor.

Aktuell in der Prüfung sei ein weiterer Vorschlag der „Blue Peers“, erklärt derweil Ministeriums-Sprecherin Schießlberger. So spricht sich Kovács dafür aus, die jetzigen Leitschwellen mit Warnbaken, die in einigen engen Biegungen das Kurvenschneiden verhindern sollen, durch eine ellipsenförmige Fahrbahnmarkierung zu ersetzen.

Immer wieder in der Diskussion ist unterdessen auch eine vollständige Sperrung des Kesselbergs für Motorradfahrer. Vor einem solchen Schritt gelte es aber, „die hohen Anforderungen an die Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen“, erklärt dazu Schießlberger und versichert: „Eine vollständige Sperrung des Kesselbergs für Motorräder ist gegenwärtig nicht veranlasst.“

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