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Deutsch-Kurs in der Kurbücherei: Carla Caggiano (re.) und Franziska Mattner (gestreifter Pullover) geben Flüchtlingen im Auftrag des Vereins „Asyl plus“ Deutsch-Unterricht. Die Agentur für Arbeit finanziert das Angebot.

Flüchtlings-Integration

Erste Schritte auf dem Weg zum Job

Bad Tölz - Was die Betreuung von Flüchtlingen angeht, stand bislang die Unterbringung im Mittelpunkt. Jetzt steht der nächste Schritt an: ihnen zu einem Einstieg in einen Job zu verhelfen. Die Agentur für Arbeit stellte nun die ersten Ansätze dazu vor.

Bad Tölz – „Mein Name ist Hassan, ich bin 20 Jahre alt. Ich bin aus Syrien, ich wohne in Bad Tölz. Ich bin Maurer.“ So weit reichen die Deutsch-Kenntnisse des jungen Mannes schon – und mit sichtlichem Stolz wendet er die ersten Erfolge des Deutsch-Unterrichts an, den er in der Tölzer Stadtbücherei erhält. Hassan ist einer von 16 Teilnehmern an einem Deutsch-Kurs – durchgeführt vom Verein „Asyl plus“, finanziert von der Agentur für Arbeit. Es ist einer der ersten Schritte, mit denen die Agentur für Arbeit die anstehende Mammutaufgabe in Angriff nimmt, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Neuankömmlinge müssen ihren Platz in der Gesellschaft finden. „Daran müssen sich viele Kräfte beteiligen, und auch für uns wird es eine Hauptaufgabe in den nächsten Monaten und Jahren, der wir uns stellen“, sagte Udo Kohnen, Geschäftsführer der Agentur-Geschäftsstellen Bad Tölz und Wolfratshausen, bei einem Besuch im Kurs. Eine „spannende Zeit“ sei das, in der man „viel ausprobiere“. Kohnen ist sich bewusst, dass neben „vielen guten Ideen“ auch „manche Sackgasse“ dabei sein wird.

Die jüngst angelaufenen Deutsch-Kurse sind ein Beispiel dafür, wie ein erfolgversprechender Ansatz auf praktische Probleme trifft. So hat die Agentur für Arbeit im Landkreis mehrere Bildungsträger an Land gezogen, die derzeit acht Kurse durchführen. Es stünden Plätze für bis zu 400 Teilnehmer zur Verfügung. Belegt sind aktuell aber nur 200, bis Jahresende voraussichtlich 250. Denn mitmachen dürfen laut Bundesregelung nur Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Irak und Iran mit guter Bleibeperspektive. An mehr als der Hälfte der Flüchtlinge im Landkreis geht das Angebot somit vorbei, unter anderem an Afghanen, die mit Abstand die größte Gruppe ausmachen.

Für Hassan aber kann der Kurs ein wichtiger Schritt sein. Mit ihm im Unterricht sitzen montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr unter anderem eine Frisörin (27), ein 50-Jähriger, der in Syrien Handelsvertreter für Medizin-Produkte war, ein Fußball-Fan (20), der vor seiner Flucht Wirtschaft studierte, ein Hobbyfotograf (21), der an der Uni Inneneinrichtungs-Design belegt hatte. Für sie alle geht es nach Ansicht von Waltraud Haase, Zweite Vorsitzende von „Asyl plus“ erst einmal darum, möglichst praxisnahes Deutsch und berufsbezogenes Vokabular zu lernen. „Um einen Putzlumpen zu schwingen, muss man nicht Thomas Mann verstehen“, meint sie. „Man muss einfach mal anfangen.“

Im Fall eines 22-jährigen Eritreers freuen sich die Organistoren, dass er nicht mehr zum Kurs erscheint. „Er hatte keinen großen Bildungshintergrund, hat aber in jeder freien Minute am Computer Deutsch gelernt“, berichtet Haase. Auf Vermittlung der Arbeitsagentur sei er jetzt in einer Erprobungsphase bei einer Baureinigungsfirma“, ergänzt Kohnen. „Für eine Festanstellung sieht es gut aus.“

Noch betreut die Agentur für Arbeit freilich nicht die Masse an Flüchtlingen. 80 Frauen und Männer seien es im Landkreis, so Kohnen. Erste Herausforderung sei es dabei herauszubekommen, welche Qualifikationen und Kompetenzen die Bewerber mitbringen. Fürs kommende Jahr aber kündigt Kohnen weitere Projekte an, die auf diese Gruppe der Jobsuchenden zugeschnitten ist.

Eine Idee stellte am Rande des Treffens Julia Winkler von der Organisation „Volunteer Vision“ vor: Patenschaften, die Mitarbeiter großer DAX-Konzerne übernehmen. Sie sollen sich – während ihrer Arbeitszeit – regelmäßig per Internet-Bildtelefon mit einem Flüchtling austauschen und so Deutsch-Kenntnisse und Tipps fürs Berufsleben vermitteln. Ein Pilotprojekt soll in Bad Tölz mit „Asyl plus“ starten.

Andreas Steppan

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