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Solche Projekte realisiert „Kristallturm“: der soeben fertig gestellte Spielplatz in Dubai.

Exportpreis Bayern für „Kristallturm“

Exportschlager: Eine Lenggrieser Firma klettert ganz nach oben

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Ob in China, dem Mittleren Osten, ob in den USA, Russland oder Nigeria – ja selbst auf zwei Kreuzfahrtschiffen: Überall dort finden sich Hochseilgärten aus dem Hause „Kristallturm“. Für den weltweiten Erfolg erhielt das Lenggrieser Unternehmen nun den Exportpreis Bayern.

Lenggries – Bei allem weltweiten Erfolg – eine Sache wurmt den Lenggrieser Unternehmer Heinz Tretter ein bisschen: In Südamerika steht bis jetzt noch kein Hochseilgarten seiner Firma Kristallturm. „Aber ich rede mir das schön: Amerika ist ja ein Kontinent, und somit sind wir auf allen Kontinenten vertreten“, sagt er scherzhaft. Im Ernst betrachtet hat der 43-Jährige keinen Grund, sich die Realität erst schönzureden. Das Unternehmen eilt von einem internationalen Auftrag zum anderen. Dafür wurde „Kristallturm“ am Mittwochabend in München mit dem renommierten „Exportpreis Bayern“ ausgezeichnet.

Tretters Hartnäckigkeit hat sich dabei ausgezahlt. „Wir haben uns schon zum vierten Mal in Folge beworben, endlich hat’s geklappt“, sagt er. Tatsächlich wurde die Bewerbungsmappe von Jahr zu Jahr beeindruckender. Mittlerweile stehen gut 40 Kletteranlagen aus Lenggries in 20 Ländern weltweit. Das erschien dem bayerischen Wirtschaftsministerium, der Industrie- und Handelskammer und den bayerischen Handwerkskammern, die den Exportpreis gemeinsam verleihen, nun aller Ehren wert. Zur Preisverleihung mit Ministerin Ilse Aigner fuhren am Mittwoch 14 der 25 „Kristallturm“-Mitarbeiter nach München. „Die anderen sind gerade irgendwo in der Welt unterwegs“, sagt Tretter. Zum Beispiel in Melbourne und Abu Dhabi.

Weltweit unterwegs: Das Team der Lenggrieser Firma Kristallturm präsentierte seine Produkte vergangene Woche auf der größten Messe für Vergnügungspark-Betreiber in Orlando.

Auch der Firmengründer selbst ist gerade erst von einer großen Reise zurück. Er war auf Stippvisite in Moskau, wo eine seiner erfolgreichsten Kletteranlagen steht. „Weil es dort so kalt ist, konzentriert sich das Geschäft auf fünf Monate im Jahr – trotzdem waren es in dieser Zeit 40 000 bis 45 000 Gäste“, berichtet Tretter. Übertroffen wird das aktuell noch vom Klettergarten in einem japanischen Freizeitpark, wo von der Eröffnung am 25. März bis Ende Oktober 70 000 Besucher gezählt wurden. Der Moskauer Betreiber hat jetzt eine weitere Anlage in Auftrag gegeben, die in Tel Aviv aufgestellt werden soll: Mit vier Ebenen und Platz für bis zu 280 Kletterer gleichzeitig wird es für die Isarwinkler Firma die bisher größte.

Von Moskau aus flog der Lenggrieser dann noch nach Orlando zur größten Messe der Branche, veranstaltet von der „International Association of Amusement Parks and Attractions“ (IAAPA), also dem Dachverband der Vergnügungspark-Betreiber. 750 Interessierte kraxelten innerhalb von vier Tagen über den „Viermaster“, den „Kristallturm“ dort aufgestellt hatte. „Hoffentlich waren da ein paar zukünftige Kunden von uns dabei“, sagt Tretter.

Interesse an den Hochseilgärten gibt es in Freizeitparks weltweit. Seit diesem Herbst steht auch in Afrika eine Lenggrieser Kletteranlage, nämlich in der nigerianischen Millionenstadt Port Harcourt. „Der dortige Gouverneur wollte sich damit bei seinen Wählern bedanken“, sagt Tretter. Der Einsatz in Westafrika ist gleichzeitig ein Beispiel für die besonderen Herausforderungen des internationalen Geschäfts. Vorab musste jeder der zehn für die Montage eingeplanten Mitarbeiter persönlich zur nigerianischen Botschaft nach Frankfurt fahren, um ein Visum zu beantragen. „Das hat uns also zehn Arbeitstage gekostet – das entspricht einem halben Monatslohn.“ Vor Ort durften sich die Mitarbeiter nur in gepanzerten Fahrzeugen fortbewegen, eskortiert von der Polizei – zum Schutz vor einer Entführung.

Ein besonders wichtiger Markt für „Kristallturm“ sind die USA, wohin die Firma acht Kletterwälder verkauft hat. Ein Faktor für den Aufstieg von „Kristallturm“ in Amerika: „Lange hat es dort keine Klettergärten gegeben“, so Heinz Tretter. Doch jetzt, da neuartige Sicherungssysteme auf der Basis zweier kommunizierender Karabiner angeboten werden können, würden die Parkbetreiber zugreifen – ohne Sorge, nach möglichen Unfällen von Kunden verklagt zu werden. Zusätzlich werden Tretters Produkte dadurch attraktiv, dass die Besitzer in den USA 49 Dollar plus Steuern Eintritt verlangen können. Da winkt ihnen ein gutes Geschäft. „Am Brauneck bezahlt man 24 Euro Eintritt“, gibt Tretter einen Vergleichswert. Den dortigen Hochseilgarten Isarwinkel, einst Keimzelle seines Unternehmens, hat Tretter wie berichtet kürzlich an den 26-jährigen Philip McCharen abgegeben.

Mit Hilfe der Außenhandelskammer will Tretter nun verstärkt den asiatischen Markt ins Visier nehmen. „Dort gibt es eine sehr junge, wachsende Bevölkerung, und das Einkommen steigt, sodass die Menschen mehr Geld für Freizeitaktivitäten übrig haben.“

Der Exportpreis bedeutet Tretter viel – auch wenn er nicht mit Geld dotiert ist. „Wenn einem eine Ministerin einen Preis überreicht, ist das ein zusätzliches Qualitätsmerkmal“, sagt der Unternehmer. Über alle Preisträger wurde ein zweisprachiger Imagefilm erstellt, den die Firmen auch selbst zu Werbezwecken verwenden dürfen. Von den Kunden in aller Welt werde die Hochwertigkeit deutscher Produkte zwar ohnehin selten angezweifelt. Das Siegel „Exportpreis Bayern“ könne aber hilfreich sein, um Fachkräfte anzuwerben. Und die sind nötig, damit „Kristallturm“ seine größte Aufgabe bewältigen kann: nämlich mit dem eigenen Wachstum Schritt zu halten.

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