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So sieht sie aus, die faire Computer-Maus: Die Geographin Susanne Jordan aus Bichl hatte die Idee zu der nachhaltigen Technik-Neuerung. So begegnen sich High-Tech und Ökologie.

Ungewöhnliche Firmenidee

Das ist die faire Computer-Maus

Bichl - Es gibt Fairtrade-Kaffee, es gibt fair produzierte Schokolade, ja sogar einige Städte und Kommunen sind heutzutage „fairtrade“. Aber warum gibt es eigentlich keine Fairtrade-Computermäuse? Das fragte sich eine Frau aus Bichl. Und erfand sie einfach – die fair gehandelte PC-Maus.

Die Maus ist klein und grün und hat ein Gehäuse aus Holz. Ihr Herz, ein Sensor mit einer kleinen Kamera, steuert die Maus. Sie ist fast komplett fair, nur ihr Herz ist es noch nicht. Fair – das bedeutet fair gehandelt, also unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt und angemessen bezahlt. „Die Einzelteile der Maus sind unter diesen fairen Bedingungen hergestellt worden“, sagt Susanne Jordan. Sie ist die Mutter der Fairtrade-Maus. Sie hat sie erfunden.

Susanne Jordan aus Bichl (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist keine Computerspezialistin. Wie eine PC-Maus von innen aussieht, wusste sie bis vor drei Jahren nicht. Damals arbeitete die gelernte Geographin in einer Agentur für Nachhaltigkeit, beschäftigte sich dort mit den Bedingungen für Fairtrade. Und fragte sich eines Tages: Warum gibt es eigentlich nur fair gehandelten Kaffee und fair gehandelte Schokolade? Warum keine faire Elektronik? Susanne Jordan recherchierte und stellte fest: „Dieser Bereich ist vom Fairtrade-Sektor noch sehr wenig berücksichtigt.“

Also fing die 35-Jährige selbst an zu basteln. Sie schraubte einfach ihre eigene Computermaus auseinander. „Ich hab irgendwie angefangen“, erinnert sie sich und lacht. „Ich konnte zwar nix, aber ich wollte das unbedingt machen.“ Ihren Beruf in der Nachhaltigkeitsagentur gab Susanne Jordan auf. Sie wollte Zeit haben für ihre Fairtrade-Maus.

Die brauchte sie auch. Nachdem sie das Innenleben der Computermäuse kannte, wusste sie noch nicht, wo sie die Einzelteile herbekommt – und dann auch noch fairtrade. Ihr oberstes und wichtigstes Gebot: Sie sollen unter gerechten Arbeitsbedingungen produziert werden.

Susanne Jordan fing bei Freunden, Bekannten und Familie an. „Ich fragte überall herum: Weiß jemand, wo ich die Teile kaufen kann? Wer kennt sich aus?“ Die 35-Jährige besuchte Messen für nachhaltigen Konsum, unterhielt sich mit Fachleuten an Infoständen. „Viele haben sich für meine Idee interessiert. So kam eins zum anderen.“

Sie fand heraus: Israel und Japan produzieren unter ähnlich fairen Arbeitsbedingungen wie Deutschland. „Durch viele Gespräche mit Fachleuten wusste ich nach und nach, wo ich einkaufen kann“, sagt Susanne Jordan. Das tat sie dann auch. Ihren ursprünglichen Plan, eine zu 100 Prozent fair hergestellte Maus, musste sie aber schon bald wieder aufgeben. Denn das Herz der PC-Maus, den kleinen Sensor mit der Kamera, bekam sie nicht unter fairen Bedingungen. „Der wird nur auf den Philippinen unter schlechten Zuständen produziert.“ Doch Susanne Jordan ließ sich darauf ein – erstmal. Ihre Maus ist im Moment nur zu zwei Dritteln fair, damit aber trotzdem, sagt sie, die fairste Maus der Welt. Die 35-Jährige ist überzeugt: „Eines Tages wird sie zu 100 Prozent aus fair gehandelten Produkten hergestellt werden.“

Dafür kämpft Susanne Jordan. Geld verdient sie im Moment noch nicht mit ihrer Fairtrade-Maus. Sie jobbt nebenher in einem Café und betreut Kinder. „Meine Hauptaufgabe ist aber Herstellung und Verkauf der fairen Maus“, sagt sie. Weil viele Menschen noch gar nicht wissen, dass es so etwas überhaupt gibt, ist Susanne Jordan viel unterwegs – auf Messen und Märkten. „Dort stelle ich die Maus vor. Anfangs sind viele skeptisch, aber wenn ich dann erzähle, was es damit auf sich hat, sind die meisten Leute begeistert.“

Nur die Technik, die ist nach wie vor nicht Susanne Jordans Ding. Das Zusammenbauen überlässt die Geographin anderen: Eine Behindertenwerkstatt in Landshut stellt die Holzgehäuse der Maus her, die es derzeit nur in grün gibt. Eine Integrationswerkstatt für psychisch kranke Menschen in Regensburg baut die einzelnen Mausteile zusammen.

Irgendwann soll aus der Zwei-Drittel-fairen-Maus eine Komplett-faire-Maus werden. Susanne Jordan hofft, dass sie die Industrie bei ihrem Projekt unterstützt. „Die sollen sich die Idee ruhig bei mir abschauen und die Maus in großen Mengen auf den Markt bringen“, sagt die 35-Jährige. „Das ist mein Traum: Dass es irgendwann nur noch fair gehandelte Mäuse gibt.“

Patricia Kämpf

Die Fairtrade-Maus

gibt es auch über die Internetseite von Susanne Jordan, nager-it.de, zu kaufen. Sie kostet 26,90 Euro.

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