Fall Pfarrer H.: Weihbischof stellt sich nur intern Fragen

Bad Tölz - Mit wem auch immer man derzeit unter den Tölzer Katholiken zum Fall von Pfarrer H. spricht, man hört Bestürzung und Fassungslosigkeit heraus - und enormen Klärungsbedarf. Der Bitte um eine allgemeine Aussprache kommt das Ordinariat bedingt nach.

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Der Bitte um eine allgemeine Aussprache kommt das Ordinariat bedingt nach. Am morgigen Sonntag wird Weihbischof Wolfgang Bischof zwar nach Bad Tölz kommen und um 10 Uhr den Hauptgottesdienst halten. Die von vielen erbetene Aussprache wird anschließend allerdings nur intern für die Seelsorger und Mitglieder der gewählten Gremien des Tölzer Pfarrverbands erfolgen. Der 11.30-Uhr-Gottesdienst im Kloster entfällt deshalb.

Es gibt viele offene Fragen. Stadtpfarrer Rupert Frania stellte gestern nachdrücklich klar, dass er 2008, als H. von Garching nach Tölz wechselte, nur unzureichend bezüglich H.s Vergangenheit informiert worden. Es sei von Mails die Rede gewesen, die H. verdächtigen. Frania: „Es hat geheißen, wir nehmen ihn deshalb da heraus. Ich wurde aber nicht informiert, dass H. 1986 wegen Sittlichkeitsvergehen verurteilt worden ist.“ Auch sei ihm nichts von einer Auflage bekannt gewesen, dass H. keinen Kontakt zu Jugendlichen und Ministranten haben solle. Dafür habe man ihm aber um Diskretion ersucht.

Deshalb fühle er sich von der derzeitigen Entwicklung „genauso überfahren wie alle anderen“. Die „alte Garde“ im Ordinariat habe ihn gewissermaßen „ins offene Messer laufen lassen“. Er könne verstehen, dass der neue Generalvikar nun „reinen Tisch machen wolle“.

Der Tölzer Stadtpfarrer ist aber auch nicht glücklich über den aktuellen Umgang mit Pfarrer H., der sich seines Wissens weit über 20 Jahre nichts habe zuschulden kommen lassen. Er habe seine Aufgabe in Tölz mit großem Elan angepackt und sei beliebt gewesen. Wenn man ihn nunmehr suspendiere, hätte es seiner Meinung nach „der Anstand verlangt, dass man das von Angesicht zu Angesicht tut, auch wenn es sehr schwer fällt“. Genau das sei nicht geschehen. H. sei „wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen worden“. chs

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