Für seine neue Band „The Heimatdamisch“ hat Florian Rein Welthits auf Bairisch arrangiert. Ob’s gefällt, daran scheiden sich durchaus die Geister.

Neue CD erschienen

Partysound fürs Bierzelt: Geschmackssache

Bad Tölz - Kurt Cobain, Nena und sogar Lady Gaga: Sie alle kleidet Florian Rein mit seiner neuen Band „The Heimatdamisch“ in bayerisches Gewand. Namhafte Musiker der Region begeben sich mit dem Projekt auf Bierzelt-Party-Niveau. Die Nachfrage ist riesig.

Man nehme: ein weiß-blaues Karomuster, einen Totenkopf mit Trachtenhut, zwei Geißböcke und den Schriftzug „Highway to Oberkrain“. Fertig ist das schrille CD-Cover der Band „The Heimatdamisch“. Es ist das neue Projekt von Florian Rein, Bananafishbones-Mitglied, Jazz-Schlagzeuger und Tölzer Musikproduzent.

Mit Jazz und Bananafishbones hat das Ganze aber überhaupt nichts zu tun – bis auf die Tatsache, dass Fishbones-Bassist Sebastian Horn auch die Heimatdamisch-Lieder singt. Die anderen Mitwirkenden heißen Konrad Sepp (Tuba), Vera Klima (Gesang), Dominik Glöbl (Trompete), Alois Riesch (Akkordeon), Goran Jamsek (Gitarre), Peter Zoelch und Leonhard Schwarz (beide Klarinette). Gerade letztere haben sich mit ihrer Spielfreude bayernweit einen Namen gemacht. „Alle sind langjährige Musikerfreunde. Ein ziemlich cooler Haufen“, findet Rein.

Ein bunter, schräger Haufen

Diesen „coolen Haufen“ hat er zusammengetrommelt und damit einen bunten, schrägen Haufen Musik gemacht: Nenas 99 Luftballons als Landler, Joe Cocker im Polka-Verschnitt und Songtitel wie „Auf der Amarillo-Autobahn“ und „Der letzte Countdown“.

Der erste Gedanke: Im Ernst? Aber von vorne. Heimatdamisch nannte der Lenggrieser Hans Kiening seine erfolgreichen Hörspiele, in denen er eigene Kindheits- und Jugenderlebnisse im Isarwinkel durch die Figur Johann Knöbel erzählt. Kienings Lesungen untermalten Rein und seine Musiker immer wieder mit ihren Klängen.

„Und dann kam die Anfrage, ob es diese Lesung auch ohne Lesung gibt“, berichtet Rein. Die Wirte des Herzkasperl-Zelts auf der Oidn Wiesn wollten den Heimatdamisch-Sound unbedingt auf die Bühne bringen. Mit einer musikalischen Fortsetzung der Hörbücher hat das allerdings nichts mehr zu tun. Namensschöpfer Kiening, von dem auch der Text zum Song „Aber an Huad lossd auf“ stammt, wird lediglich kurz im Booklet der CD erwähnt.

"Da da da" auf bairisch

Für die Wiesn brauchte Rein ein einstündiges Konzertprogramm. Er suchte schleunigst Lieder zusammen, „die sich gut umarrangieren ließen“. Die Trio-Nummer „Da da da“ aus den 80ern gehörte zum Beispiel dazu. Auf bairisch, na klar: Auf Heimatdamisch sagt der gemeine Isarwinkler „Aha, Ahgä, Ahso“ statt „Aha, aha, aha“. So so.

The Heimatdamisch ist kein Herzensprojekt von Rein. Es ist aus dem Boden gestampft. Das gibt er selbst zu: „Es ist immer noch in der Entwicklung.“ Aus Nirvanas Grunge-Hymne „Smells like teen spirit“ hat Rein wie bei Nena eine dahindümpelnde Blasmusik-Schunkel-Nummer entwickelt.

„Here we are now, entertain us“: Was Kurt Cobain 1991 herzzerreißend hinausschrie, singt Sebastian Horn 2015 so tief er kann und ziemlich belanglos vor sich hin. Keine Frage: Horns Stimme ist beeindruckend. Aber vielleicht passt sie nicht zu jedem Song. Zu Lady Gagas „Poker Face“ hat Rein einen bairischen Text geschrieben. Es geht um einen Leonhardi-Flirt. „Sie schaut mi o, und i steh bläd do.“ Vera Klimas Frauenstimme antwortet: „Sigst ned nei, i hob a Poker Face.“ Dahinter stampft der Tuba-Beat, der – in wechselnden Rhythmen – fast das ganze Album bestimmt.

Partysound: Heiter und fröhlich

Auf der Scheibe findet man auch Chris de Burgh’s „Don’t pay the ferryman“. „Ich war nie ein De-Burgh-Fan“, gibt Rein zu. „Aber wenn man die Songs in ein neues Gewand packt, merkt man erst, wie gut sie einmal komponiert wurden.“. The Heimatdamisch spielen sie mal bairisch, mal englisch, aber immer heiter und fröhlich. „Das ist Partysound. Ich war von Anfang an begeistert von der Band. Es macht einfach Spaß.“

Den hatten viele auf der Oidn Wiesn: Die Heimatdamischen spielten, das Zelt tanzte, der BR filmte das komplette Konzert. Die Nachfrage, oder „das Klientel“, wie der Produzent es nennt, ist da. Man spiele im Sommer auf großen Brass-Festivals – im Vorprogramm von Haindling und LaBrassBanda. In seinem Tölzer Bergbeat-Studio schreibt Rein derzeit viele Bläserstimmen für neue Lieder. „Täglich rufen Veranstalter an. Die Leute wollen etwas anderes als die klassische Bierzelt-Coverband. Etwas Eigeneres“, analysiert Rein. Aber wollen sie Iron Maiden im Oberkrainer-Sound? Davon muss man ausgehen.

„Highway to Oberkrain“

Die CD von „The Heimatdamisch“ kann man im Internet unter www.theheimatdamisch.de bestellen oder in der Buchhandlung Winzerer für 15 Euro kaufen.

Tobias Gmach

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