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Zwei Betten. Mehr hat in einem Zimmer der Mobile Homes keinen Platz.

Flüchtlingsunterkunft am Kranzer

Enge in der Abgeschiedenheit

Reichersbeuern - Die Lage ist einsam, die Wohnverhältnisse sind beengt. Gleichzeitig gilt die Campinghütten-Siedlung Am Kranzer als Referenzobjekt für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die ersten von 240 Bewohnern ziehen in einer Woche ein.

Unter Platzangst sollten sie nicht leiden, die Flüchtlinge, die im Januar in die Unterkünfte Am Kranzer (Gemeinde Reichersbeuern) einziehen. Aber auch eine gewisse Abgeschiedenheit im Wald darf ihnen keine Furcht einflößen. Und gut zu Fuß müssen sie ebenfalls sein. Wie die Siedlung von Campinghäuschen aussieht, die die Gemeinden Reichersbeuern, Sachsenkam und Greiling errichtet haben, davon machten sich rund 50 interessierte Bürger kürzlich bei einem Ortstermin ein Bild.

„Es ist eine Notunterkunft, mehr nicht“, stellt der Reichersbeurer Bürgermeister Ernst Dieckmann fest. „Aber als Alternative zu der Traglufthalle, die mal angedacht war, ist das hier die deutlich bessere Lösung“, ergänzt Jeffrey Pflanzer, der im Landratsamt den Fachbereich Asyl leitet. In jedem der „Mobile Homes“ gibt es einen Essbereich mit Kühlschrank, demnächst Fernseher und Küchenzeile. Drumherum angeordnet sind drei Schlafkojen für je zwei Personen. Neben und zwischen den Betten bleibt kaum Platz, sich umzudrehen. Geheizt wird mit Strom, gekocht mit Gas. „Es ist ein Unterschied, ob man darin Urlaub macht oder länger wohnen muss“, stellt ein Bürger fest. „Im Vergleich zur Turnhalle hat man hier wenigstens etwas Privatsphäre“, sagt eine Frau. „Der Nachteil ist, dass es keine Bewegungsfreiheit gibt.“

240 Plätze stehen in der abgeschiedenen Siedlung – die nächsten Nachbarn sind eine Hundeschule und eine Biogasanlage – zur Verfügung. Rund 40 Personen nehmen laut Pflanzer ab 7. Januar in den „Mobile Homes“ Quartier. Voraussichtlich in der folgenden Woche ziehen die 38 Flüchtlinge dorthin, die aktuell in der Sachsenkamer Turnhalle wohnen. Die Halle steht somit wieder für den Sport zur Verfügung. Die Flüchtlinge aber „wollen lieber im Dorf bleiben“, wirft eine Frau aus dem Helferkreis ein – doch das hilft nichts.

Die Freiwilligen aus dem Helferkreis machten sich jetzt von der Unterkunft im künftigen Gewerbegebiet am Kranzer ein Bild. 

In vielen Fällen werden sich wohl je sechs Männer ein „Mobile Home“ teilen – zumindest nach den bisherigen Erfahrungswerten. Die Flüchtlinge, die aktuell im Landkreis leben, seien zu 80 Prozent alleinreisende Männer, nur zu 20 Prozent Familien, so Pflanzer. Wie lange der Einzelne in der Asylunterkunft bleibe, fragt ein Bürger. Bis über den Asylantrag beschieden sei, antwortet Pflanzer. „Wir haben Afghanen, die warten über drei Jahre, aber auch Syrer, die nach sechs Wochen durch sind.“

Von den 40 Häuschen stehen aktuell 26, die restlichen werden laut Dieckmann Anfang Januar geliefert. 13 „Mobile Homes“ sind gebraucht und rund fünf Jahre alt, die anderen neu. Angeordnet sind sie entlang von zwei Schotter-Straßen, die sich zu einem Ring verbinden. Jede Hütte ist mit Gartenmöbeln ausgestattet. „Wir hoffen, dass sich die Asylbewerber selbst ihre Parzellen gestalten“, so Dieckmann. Schnee räumen müssten die Flüchtlinge selbst, „Schaufeln sind da“. Nur auf der Zufahrtsstraße von der B 13 bis zur Siedlung sorgen die Gemeinden für den Winterdienst. Hier soll im Frühjahr noch ein provisorischer Fußweg angelegt werden, und vor der Belegung werden Laternen aufgestellt. Der knapp einen Kilometer lange Weg ist für die künftigen Bewohner ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. An der B 13 können sie nach gut zehnminütigem Fußmarsch einen Bus nach Bad Tölz nehmen.

Für Gruppenaktivitäten, Lager, Kiosk und ähnliches wurden Container mit sieben Räumen aufgestellt. Auch zehn Waschmaschinen und zehn Trockner finden dort Platz. Nutzbar ist zudem als einziges Festgebäude ein ehemaliges Jagdhaus am Rand der Anlage. Hier könnte zum Beispiel Irmgard Markl ihr Büro beziehen, die von der Verwaltungsgemeinschaft als Verwaltungskraft für die Anlage und Schnittstelle zwischen Landratsamt, Bewohnern und Helfern eingestellt wurde. Zudem wird für die Mobile Homes ein Hausmeister zuständig sein.

Aus Sicht von Helga Happ, Abteilungsleiterin im Landratsamt, handelt es sich um ein „Referenzobjekt“. „Als wir im August zum ersten Mal davon hörten, herrschte noch Skepsis, und es gab viele Hinderungsgründe. Jetzt steht das Objekt, und die Gemeinden können stolz auf sich sein.“ 

Andreas Steppan

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