Denkmalschutz-Konflikt

Fraunhofers Erbstreit im Kloster Benediktbeuern

Benediktbeuern - Denkmalrat gegen Denkmalamt – das ist die pikante Frontlage beim Streit um den Neubau einer Forschungseinrichtung beim Kloster Benediktbeuern. Könnte ein Neubau die Optik stören – oder gar zerstören?

Es geht um mindestens acht Millionen Euro, es geht um Wissenschaftspolitik für Bayern, aber auch um Denkmalschutz und die Frage, ob das Kloster Benediktbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) unangetastet bleiben darf: Die Fraunhofer-Gesellschaft, eine Forschungseinrichtung von Weltrang, will am Rande des Klostergeländes ein Tagungszentrum bauen. Etwa acht Millionen Euro soll das Haus der Wissenschaftler mit 60 Zimmern kosten, das Freistaat und Bund je zur Hälfte bezahlen sollen.

Joseph von Fraunhofer lebte von 1808 bis 1819 in Benediktbeuern, dort, in seinem optischen Institut, gelangen ihm bahnbrechende Forschungen.

Fraunhofers Erben – sie streiten: Die Gemeinde Benediktbeuern wirbt für den Neubau im Südgarten des Klosters, heute ein etwas verwilderter Obstgarten gegenüber des kleinen Fraunhofer-Museums („Glashütte“). Doch das Landesamt für Denkmalpflege ist dagegen. Ein großer Neubau im Südgarten beschädige „irreparabel“ ein „national bedeutendes Denkmal“, warnt Generalkonservator Egon Johannes Greipl. Die „fast völlig intakte barocke Großklosteranlage“ habe „Wahrzeichencharakter für das gesamte Voralpenland“.

Die Planungen für den Südgarten sind weit fortgeschritten: Der Flächennutzungsplan für das Sondergebiet „Fremdenbeherbergung und Kongresse“ ist schon geändert, Bürgermeister Georg Rauchenberger wartet jetzt auf den Architektenwettbewerb. Das Projekt dürfe nicht scheitern, appelliert der Rathauschef. „Das Kloster muss sich weiterentwickeln“, gerade jetzt, da der Salesianer-Orden Auflösungserscheinungen zeige und seine philosophisch-theologische Hochschule in diesem Jahr im Wortsinn ihren Geist aufgibt. Rauchenberger bekennt aber auch offen, dass er sich eine „Bereicherung für die Tourismusgemeinde“ wünscht. Er ist nicht der einzige, der für den Südgarten wirbt. Vergangenen Freitag marschierte Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) zusammen mit Kollege Martin Zeil (Wirtschaft) durchs Gelände und ließ, wie zu hören ist, klare Sympathien für den Südgarten-Standort erkennen. Bestätigt wird das vom Ministerium noch nicht. Erst in etwa einer Woche werde eine offizielle Stellungnahme vorliegen. „Das Kloster ist ein Juwel, aber eine versteckte Bebauung im Südgarten ist vertretbar“, sagt auch die FDP-Wissenschaftspolitikerin Julika Sandt, die am Freitag die Fraktionsklausur der FDP in Benediktbeuern nutzte, um sich über den Neubau zu informieren. Unterstützt wird diese Linie von Thomas Goppel. Der CSU-Abgeordnete führt den Landesdenkmalrat, ein Beratergremium für Heubisch. Im Südgarten habe so ein Gebäude schon Platz, meint er – und warnt: Die Gefahr bestehe, „dass wir Fraunhofer ganz vergraulen“ – schließlich sei der neue Präsident der Gesellschaft, Prof. Reimund Neugebauer, ein Sachse. Am Freitag will der Landesdenkmalrat einen offiziellen Beschluss treffen – dass er trotz einzelner Gegenstimmen mehrheitlich für den Südgarten votieren wird, scheint ausgemacht zu sein.

Doch Goppel Gegenspieler, Bayerns Generalkonservator Egon Johannes Greipl, sagt: „Das Gerücht, die Fraunhofer-Gesellschaft gehe nach Dresden, entspricht nicht der Wahrheit.“ Es gebe eine schriftliche Zusage von Mitte September 2012, wonach die Gesellschaft auch einen Alternativstandort auf der anderen Seite der Bahnlinie akzeptieren würde – eine brach liegende Wiese. Die Fraunhofer-Gesellschaft bestätigt das: Es gebe in der Tat zwei Standorte, sagte Pressesprecher Franz Miller. Zu jedem gebe es ein Für und Wider. „Wir befinden uns in der Zwickmühle.“

So zerstritten sind die Lager, dass sie sich nicht einmal über die Historie einig sind. Greipl sagt, der Südgarten sei ein ehemaliger Barockgarten, der sich wiederherstellen lasse – so schön wie etwa beim Kloster Schäftlarn.

Stimmt nicht, sagt Bürgermeister Rauchenberger. Ein Barockgarten sei dort nie gewesen, das sehe er auf alten Stichen. Stattdessen gebe es dort nur „einen alten Hühnerstadel“.

Von Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gala belohnt gesellschaftliches Engagement von sechs Vereinen
Gala belohnt gesellschaftliches Engagement von sechs Vereinen
„Drei Männernur mit Gitarre“ kommen ins Kurhaus
„Drei Männernur mit Gitarre“ kommen ins Kurhaus

Kommentare