Mountainbike

Die Freireiter aus dem "Flow Valley"

Lenggries - Der Lenggrieser Robert Werner hat mit Freunden das ambitionierte Projekt „Flow Valley“ gegründet. Die Extrem-Sportler erfreuen sich an den „Weltklasse-Trails“ im Oberland, organisieren Szene-Events und kämpfen an gegen das Image der rücksichtslosen Downhill-Fahrer.

„Wir sind voll drin in der Szene.“ Andrea Kohlndorfer und Robert Werner müssten diesen Satz gar nicht sagen. Sie tragen knielange Biker-Hosen in dunkelpink und giftgrün. Auf ihren T-Shirts prangt ein Berggipfel, der zusammen mit einem künstlerischen Schriftzug ein großes Logo ergibt: „Flow Valley – königlich bayerisches Freireit-Gebiet“, steht da.

Kohlndorfer und Werner widmen der Szene der Freireiter ihre gesamte Leidenschaft, ihre Freizeit und ihren Körper. Radbergsteigen nennen sie ihren Sport, der viel Kondition und noch mehr technisches Geschick erfordert. Sie tragen ihre 14 Kilo schweren, vollgefederten Mountain-Bikes schon mal über Klettersteige zum Gipfel, um auf der anderen Seite über Schotter- und Wurzelwege – Zentimeter vom Abgrund entfernt – herunterzufahren.

„Jeder Fehler kann fatal sein. Du bist schweißgebadet und voller Adrenalin. Aber wenn du eine schwierige Stelle gemeistert hast, ist das ein unglaubliches Glücksgefühl“, sagt Kohlndorfer. Die 41-jährige, schlanke und durchtrainierte Münchnerin wirkt begeistert, ja, ergriffen von einem Hobby, das viel mehr für sie und ihre drei männlichen Freunde geworden ist.

„Flow Valley, das ist ein Lebensgefühl“, sagt Werner, ebenfalls 41 Jahre alt. Den umtriebigen, blonden Mann mit Vollbart kennen in Lenggries alle als Betreiber des Altwirts. Zusammen mit Kohlndorfer, dem Osterwarngauer Berny Stoll und dem Münchner Bernd Hassmann hat er das Projekt gegründet. Die Vier organisieren Foto-Contests oder Szene-Events wie zuletzt die „Flow-Gaudi“, ein Biker-Treffen in der Lenggrieser Kaserne. Und sie arbeiten mit Profi-Fotografen zusammen. Auf ihrer Facebook-Seite, die mittlerweile über 2600 Gefällt-mir-Klicks zählt, posten sie die spektakulären Bilder von ihren Touren.

„Wir waren platt, als wir realisierten, wie groß das Interesse daran ist. Wir werden überrannt“, sagt Werner. Längst ist Flow Valley zur Marke geworden. Bike-Firmen wurden aufmerksam, sie sponsern den Extrem-Sportlern das Material, die Kleidung und die Räder. Andere Bergbegeisterte reisen 800 Kilometern an, um sich die Trails im Oberland zeigen zu lassen.

Das Potenzial für ein Geschäftsmodell ist da. „Aber wir haben alle normale Jobs. Niemand hatte von Anfang an ein kommerzielles Interesse“, sagt Kohlndorfer. Natürlich kommt es ihr entgegen, dass sie als Marketing-Beraterin arbeitet. Natürlich profitiert Werner davon, dass die Biker-Gäste in seinem Lenggrieser Hotel übernachten.

Wo das Projekt mit der Akribie, der Professionalität, die darin steckt, hinführen kann, wissen beide nicht. „Es gibt keinen Business-Plan“, sagt Werner. Er betont, dass sich der ganze Rummel, die Aufmerksamkeit, nur aus leidenschaftlichem Antrieb ergeben hat: „Wir wollten daheim alles auskundschaften. Ich muss nicht nach La Palma fliegen, wenn ich Weltklasse-Trails vor der Haustüre habe.“

Die Region um die Jachenauer-, die Lenggrieser-, die Blauberge, das Karwendel, den Walchen- und den Achensee: Das ist das Flow Valley. Keine genauen Ortsangaben, das war das Credo von Anfang an. Darum auch der Name, eine Fantasie-Schöpfung von Berny Stoll. Wegbeschreibungen oder Touren-Tipps veröffentlichen die Flow Valleyaner nicht. Kohlndorfer: „Das wäre kontraproduktiv.“ Denn sie wollen dazu motivieren, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Vor allem aber wollen sie einen sachlichen Dialog mit dem Alpenverein, Hüttenwirten, Naturschützern und Staatsforsten. Beschwerde-Mails mit Anfeindungen haben die Sportler genug bekommen. Doch von der Skepsis, die ihnen zum Beispiel von der Gemeinde Lenggries entgegen schlägt, spüren sie am Berg selten etwas. „Viele Wanderer sind interessiert und merken, dass wir keine Rowdys sind und uns an die Regeln halten“, bekräftigt Kohlndorfer.

Wanderer haben Vorrang, Rücksicht auf Tiere, keine Bremsspuren: So steht es in den Trail-Rules (Regeln) der Deutschen Initiative Mountain Bike (DIMB). Die Flow Valley-Gruppe kämpft an gegen das Image des rücksichtslosen, die Wege zerstörenden Downhill-Fahrers. Sie wünschen sich vernünftige Lösungen für alle, die die Berge lieben.

Tobias Gmach

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