Legen letzte Hand an die Figur an: Regina Gaar (li.) und Michaela Silbermann (re.) Foto: Krinner

Fronleichnam in Benediktbeuern und Bichl

Hl. Anastasia erwacht zu neuem Leben

In Bichl und Benediktbeuern gibt es etwas Besonderes zu sehen: Die Figur der heiligen Anastasia, die nach alter Sitte von Bichler Jungfrauen durch die Fluren getragen wird, wurde restauriert – und dabei kam Interessantes zutage.

Den Anstoß zur Restaurierung gaben vor ein paar Jahren Wolfgang Peschl und die damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Cordula Sindlhauser. „Das Kleid war schon arg zerschlissen, und auch der Korpus selbst wies einige Beschädigungen auf“, sagt Peschl. Weil man vermutete, dass die Figur alt und wertvoll ist, wandte sich Sindlhauser an das Denkmalamt. Das Ergebnis einer Begutachtung durch Dr. Peter Volk, ehemals Landeskonservator im Bayerischen Nationalmuseum, sei dennoch überraschend gewesen, so Peschl: „Volk stellte fest, dass die Figur mit ziemlicher Sicherheit von Ignaz Günther geschaffen wurde.“ Der bekannte Bildhauer (1725 bis 1775) war ein bedeutender Vertreter des Rokoko.

Eine komplette Renovierung der Statue war jedoch zu teuer. Deshalb ließ man nur wesentliche Schäden beheben. So wurde etwa ein abgebrochener Finger ersetzt, und zwar von dem Partenkirchner Bildhauer Alois Höger. Um die Echthaar-Frisur der Anastasia kümmerte sich die Benediktbeurer Friseurin Sabine Sziedat und spendierte dazu ein ergänzendes Haarteil, das der mit Zöpfen nach hinten geflochtenen Frisur schöne Fülle gibt. Textilrestauratorin Monika Kager erneuerte das Kleid. Die kostbaren alten Applikationen übertrug sie auf den neuen Stoff.

Beim Entkleiden der Figur machte man eine eigenartige Entdeckung: „Da kamen amputierte Brüste zum Vorschein“, berichtet Peschl. Wie es dazu wohl kam? „Sie könnten in der Zeit nach dem Rokoko entfernt worden sein, als die Weiblichkeit sich eher flachbrüstig zeigte“, mutmaßt Peschl. Oder vielleicht in einer Zeit, in der weibliche Rundungen bei einer Heiligenfigur ungehörig erschienen?

Ausgetauscht wurde zudem der Palmzweig, den Anastasia als Zeichen ihres Märtyrertums in der einen Hand hält. Den neuen Zweig hat Peschl aus einem gebogenen Haselnussstecken angefertigt. „Dieser bricht nicht so leicht.“ In die andere Hand wird der Heiligen als Symbol der Reinheit zu Fronleichnam eine echte Lilie gesteckt. Zuletzt wurden der Baldachin und die Schabracke rund um das Tragegestell mit einer neuen goldenen Borte eingefasst.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 3000 Euro. Geschultert werden konnte dieses Projekt nicht nur mit einem Zuschuss des Bezirks, sondern auch dank vieler örtlicher Vereine. Eingebracht haben sich der Bichler Burschenverein, der Frauenbund, der Anastasienbund Benediktbeuern-Bichl, die Gebirgsschützen und der Trachtenverein, so Peschl.  (Rosi Bauer)

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