Ab Frühsommer 2014: Einkehren im Tölzer Binderbräu

Bad Tölz - Es läuft alles deutlich langsamer als erwartet. Aber es geht voran. Das „Tölzer Brau- und Volkskunsthaus“ im Badeteil soll nun im Frühsommer 2014 eröffnen. Gegessen und eingekehrt wird dann im „Tölzer Binderbräu“.

Aufgerissene Wände, Kabelrollen, dazwischen altes Gaststätten- und Hotel-Mobiliar: Das Besitzer-Ehepaar Monika Weber-Binder und Andreas Binder empfängt den Besucher derzeit mitten in einer Baustelle. So langsam lichtet sich aber das Chaos. Neun große Container Abfall wurden aus dem 100 Jahre alten Anwesen „Haus an der Sonne“ am Vichyplatz bereits herausgeräumt und entsorgt.

Sogar alte Tapeten sowie Farbreste mit Rosenmuster aus der Zeit von Erstbesitzerin Julie de Fin sind aufgetaucht. „Cafe Carlo“, weiß Binder, hieß das Gebäude gegenüber dem heutigen Alpamare damals. Der Tölzer Bauausschuss hat jüngst im Wesentlichen die Umbaupläne für die Immobilie mit fast 900 Quadratmetern befürwortet. Auch im Rathaus freut man sich über den neuen touristischen Anziehungspunkt im Badeteil und würde sich mehr solche Projekte (FWG-Sprecher Wolfgang Buchner) wünschen.

Zentrum des Hauses wird das neue Brauhaus (Ausstoß: 10 Hektoliter) sein, die der ehemalige Museumsleiter Andreas Binder ziemlich genau in der Mitte des 30 Meter langen Gebäudekomplexes errichtet. Der 44-Jährige will einen eigenen Braumeister anstellen. Die Palette soll verschiedene Biere umfassen. Das teilweise verglaste Brauhaus mit zwei Sudkesseln und drei offenen Gärwannen wird für die Gäste der Wirtschaft (120 Plätze) und des Biergartens (200 Plätze) gut einsehbar sein. So wie es dem Erlebnischarakter einer echten Gasthausbrauerei entspricht. Die Wirtschaft will das Ehepaar Binder übrigens selber führen. Die Besucher erwartet eine bayerisch-alpenländische Küche. Noch ist man auf der Suche nach einem geeigneten Koch. „Der muss mit Liebe dabei sein, damit es zum Haus passt“, sagt Binder.

Auch ein Café mit 60 Plätzen wird es im ersten Stock des Nachbarhauses geben. Dieser erste Stock gehörte schon immer zum künftigen „Tölzer Binderbräu“. Im ersten Stock wird dann auch ein Museumsladen sein und der Eingang zu den oberen beiden Stockwerken des Haupthauses, wo das Ehepaar ein Volkskunsthaus einrichten will. Eine mit Originalgeräten nachgebaute Kupferschmiede, Schäfflerei und ein Rauch- und Schnupftabak-Raum erzählen von altem Handwerk und der Fertigung. Dazu, erzählt Monika Weber-Binder, kommt ein „Tölzer Zimmer“ mit Möbeln aus Isarwinkler Fertigung sowie eine Gemäldeausstellung.

Die Ausstellungsstücke steuert zum großen Teil ihr Vater Hans Weber aus seinen Sammlungen bei. Für ihn geht damit auch ein Lebenstraum in Erfüllung. Auch Seminare und Fortbildungen stellen sich die Webers in den neuen Räumlichkeiten vor. Rund zehn Vollzeit- und Teilzeitstellen werden in den Schauräumen des Volkskunsthauses und rund um den „Tölzer Binderbräu“ entstehen.

Apropos: Der Name war keine Selbstverständlichkeit, wie man meinen könnte. Eine von vielen Hürden, die man auf dem Weg zum „Brau- und Volkskunsthaus“ zu überwinden hatte, war die Namensähnlichkeit zur Frankfurter Binding-Brauerei. Der Zusatz „Tölzer“ machte den entscheidenden Unterschied.

So wie es ausschaut, hat der „Tölzer Binderbräu“ auch schon einen künftigen Bräu in der Familie. Stolz erzählt Monika Weber-Binder von ihrem Sohn Vincent. Der hatte sich verblüffenderweise schon mit neun Jahren für die Kunst des Brauens interessiert und mit 13 sein erstes Brauseminar absolviert. Auch Rezepturen hat er schon im Kopf, berichtet Stiefvater Andreas Binder. Für den Nachwuchs-Brauer selber bleibt das alles reine Theorie. Trinken darf er seine Kreationen nämlich noch nicht.

(Christoph Schnitzer)

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