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„Es geht nicht darum, perfekt zu sein“: Zu den Aufgaben von Coach Marga Albrecht gehört es, Frauen auf Führungsaufgaben vorzubereiten.

Trainerin bereitet Azubis auf Führungsaufgaben vor

„Für viele Frauen ist es nicht leicht, Konflikte auszuhalten“

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Nicht immer fällt er leicht, und natürlich gelingt nicht alles auf Anhieb. Wie entwickelt man Selbstvertrauen und entdeckt seine eigenen Stärken? Wie kann man diese ein Leben lang pflegen? Und wie funktioniert zum Beispiel gute Kommunikation im Betrieb? Mit Themen wie diesen beschäftigt sich Marga Albrecht.

Bad Tölz – Der Start von der Schule ins Berufsleben ist ein großer Schritt. Nicht immer fällt er leicht, und natürlich gelingt nicht alles auf Anhieb. Wie entwickelt man Selbstvertrauen und entdeckt seine eigenen Stärken? Wie kann man diese ein Leben lang pflegen? Und wie funktioniert zum Beispiel gute Kommunikation im Betrieb? Mit Themen wie diesen beschäftigt sich Marga Albrecht. Sie arbeitet seit mehreren Jahren als Trainerin und Dozentin für die Tölzer Parfümerie Wiedemann, um die überwiegend weiblichen Mitarbeiterinnen zu coachen. Eines der Ziele ist, Frauen auf mögliche Führungspositionen im Unternehmen vorzubereiten.

„Erfolg ist, was folgt, wenn ich mir selber folge“, sagt Marga Albrecht. Die 52-Jährige ist zweimal im Monat in Bad Tölz, um sich mit den 14 Auszubildenden aus 21 Wiedemann-Filialen zu treffen. Marga Albrecht schult Frauen in beruflichen Fachthemen und im Bereich Psychologie.

Die Trainingseinheiten, die sie durchführt, sind vielfältig. Im Kern geht es darum, Selbstvertrauen und -bewusstsein zu entdecken und zu stärken. Die Philosophie, die dahinter steckt, ist folgende: Wer sich selbst liebt, wertschätzt und seine Stärken kennt, strahlt Glück und Zufriedenheit aus und hat einen positiven Einfluss auf seine Umwelt, sei es nun in der Familie oder im Beruf.

Um diesen Weg zu gehen, braucht man ein paar „Anstupser“. „Der Weg an sich ist immer individuell“, sagt Marga Albrecht. Sie zeigt in ihren Schulungen zum Beispiel, wie man Lösungen statt Probleme fokussiert. Sie rät, vieles an sich selbst zu hinterfragen: Was macht mir Spaß? Was kann ich besonders gut? „Man baut Schwächen ab, indem man sich auf seine Stärken konzentriert“, sagt die Münchnerin, die selbst aus einer Familie stammt, die über drei Generationen eine Parfümerie in Haidhausen betrieb. Das Metier, in dem sie heute coacht, ist ihr deshalb sehr vertraut.

Marga Albrecht arbeitet mit Frauen aller Altersstufen – und damit aus allen Lebensbereichen. Sie weiß, wie sehr sich Frauen unter Erfolgsdruck setzen, alles unter einen Hut zu bringen. „Es geht nicht darum, perfekt zu sein“, sagt Marga Albrecht, selbst Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Wichtig sei, sich realistische Ziele zu setzen. Und: „Man soll ruhig mal einen Fehler machen und daraus lernen.“

Manche Frauen sind zum Beispiel schüchtern und trauen sich wenig zu. „Aber Schüchternheit ist nichts Negatives“, sagt die Trainerin. Wer lerne, sich auf seine Stärken zu konzentrieren – und das ist zum Beispiel auch berufliches Fachwissen –, kann Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen aufbauen. „Es genügt immer wieder ein Gedanke daran, worin man gut ist, wobei man sich wohlfühlt, was einem gut tut.“ Die Kraft der positiven Gedanken beeinflusse den Menschen grundlegend, sagt Marga Albrecht. Die Trainerin zählt dazu auch positive Sinneseindrücke: Ein warmer Händedruck, ein angenehmer Geschmack, ein guter Duft – das alles seien Erlebnisse, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Um seinen eigenen Weg zu gehen, muss man sich auch mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen, Rollenmodelle hinterfragen und den Mut haben, einen neuen Weg zu gehen, wenn man feststellt, dass der jetzige nicht passt. Voraussetzung für das alles seien gesundes Selbstvertrauen und das Wissen um die eigenen Stärken. „Glück macht erfolgreich“, sagt Marga Albrecht.

Freilich: Jeder Mensch hat Höhen und Tiefen. Und manche Täler sind sehr tief. „Es geht nicht darum, immer alles positiv zu sehen“, sagt die Trainerin. „Dann kommt man in ein Hamsterrad.“ Es sei essenziell, Nein sagen zu können. Persönliche Ecken und Kanten, sagt die Trainerin, seien wichtig. „Man muss authentisch bleiben.“

Den Auszubildenden schenkt sie im ersten Lehrjahr ein Notizbüchlein, in das sie all ihre Fragen und Gedanken schreiben können. Zusätzlich bekommen sie regelmäßig schöne Kärtchen mit philosophischen Gedanken, etwa: „Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen.“

Besondere Anforderungen gibt es natürlich für Frauen in Führungspositionen. Wie geht man mit unzufriedenen Mitarbeitern oder Kunden um? „Wichtig ist immer die Begegnung auf Augenhöhe“, sagt Marga Albrecht. Der andere müsse sich ernst genommen fühlen. Für Frauen ist es häufig nicht leicht, Konflikte auszuhalten – denn oft wurden sie in der Kindheit dazu erzogen, dass Mädchen Frieden stiften und für Einigkeit sorgen. Wie man mit solchen Situationen umgeht, lehrt Albrecht in Einzelcoachings – denn Patentrezepte gibt es nicht. Grundsätzlich aber gilt: „Es jedem recht zu machen ist eine Kunst, die es gar nicht gibt.“

Generell, sagt die Trainerin, sei es wichtig, sich immer wieder einen Spiegel vorzuhalten und zu fragen, ob es denn sinnvoll sei, was man tue – egal, ob im Beruf oder in der Familie. „Dadurch entwickelt man ein großes Bewusstsein für das eigene Leben und weiß, dass man selbst dafür verantwortlich ist und nicht fremdbestimmt wird.“ Nicht zuletzt seien auch ehrliche Freunde wichtig: „Eine gute, fundierte Kritik kann einem sehr helfen.“

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