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Die Ringsuche brachte sie zusammen: Gemeinsam versuchten Helmi Schonner und Adrian Aigner, die wertvollen Erinnerungsstücke der Gaißacherin wiederzufinden.

„Schatzretter“ im Einsatz 

79-Jährige sucht ihre Eheringe -  und bekommt Hilfe von den „Schatzrettern“

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Mit dem Metalldetektor auf der Suche nach den Eheringen: Nach dem Verlust der wertvollen Erinnerungsstücke hat die Gaißacherin Helmi Schonner (79) Hilfe von unerwarteter Seite bekommen – und eine Faszination für sich entdeckt.

Gaißach– Helmi Schonner sieht die Dinge gern von der positiven Seite: Ihre Eheringe sind zwar weiterhin unauffindbar. Doch die Suche hat ihr zu netten Bekanntschaften verholfen – und vielleicht sogar zu einem neuen Hobby. Einen Vormittag lang haben dieser Tage zwei Mitglieder der Interessengemeinschaft „Die Schatzretter“ mit ihren Metalldetektoren die 79-jährige Gaißacherin bei der Suche nach den verlorenen Erinnerungsstücken unterstützt.

Es dauert nicht lange an jenem Vormittag, bis die Sonde, die Adrian Aigner über den Boden gleiten lässt, zum ersten Mal einen hellen Signalton von sich gibt. „Diese Tonhöhe ist gut“, sagt der 39-Jährige. Denn das Geräusch zeigt an, dass an dieser Stelle im Boden ein Metallteil von hoher Legierung schlummert. Der Münchner geht in die Hocke und streift mit einem kleinen Stab über den Grund – das ist sein „Pin-Pointer“, ein Handsuchgerät, mit dem er die Lage des Fundstücks genauer eingrenzen kann. Dann scharrt er mit einem Messer den Boden auf.

Den Spaten hat er heute zu Hause gelassen. „Die Ringe können nach sechs Wochen nicht tiefer als zwei bis drei Zentimeter im Boden liegen“, sagt er, „höchstens vielleicht ein bisschen tiefer, wenn der Boden weich ist und einer mit dem Auto drübergefahren ist.“ Aigner gräbt – und stößt prompt auf Metall. „Was haben wir denn da?“ Leider sind es nicht die gesuchten Eheringe, sondern lediglich Kronkorken. Von denen werden Aigner und sein Mitstreiter Sergej Wöhl aus Geretsried in der Folge noch etliche einsammeln. „Nicht zu glauben, was für Saubären die Menschen doch sind.“

Über die Facebook-Seite des Tölzer Kurier haben die beiden Männer von Helmi Schonners Dilemma erfahren. Wie berichtet hatte die Rentnerin im März ihren Ehering und den ihres 2004 verstorbenen Mannes Jakob verloren – vermutlich während eines Spaziergangs mit Fibi, dem gutmütigen pyrenäischen Hirtenhund. Zum Gedenken an die glücklichen Ehejahre hatte die 79-Jährige immer beide Ringe getragen. Der Verlust war für sie schmerzlich.

Für Adrian Aigner und seine Kollegen ist so ein Fall eigentlich Routine. Sie haben mit ihren Metalldetektoren schon so manchen vermissten Wertgegenstand gefunden und deshalb auch voller Zuversicht der Gaißacherin ihre ehrenamtliche Hilfe angeboten.

„Mit zehn Jahren habe ich von meiner Mutter erfahren, dass unsere Vorfahren Ritter von der Burg Trautnitz in Niederbayern waren“, berichtet der Münchner. Das habe sein Interesse am Mittelalter geweckt und schließlich zum Hobby Archäologie geführt. Mit dem Metalldetektor macht er sich vorzugsweise auf die Suche nach antiken oder mittelalterlichen, römischen oder keltischen Siedlungsresten.

Er ist vernetzt mit einer Gruppe von Gleichgesinnten. „Einige von ihnen sind auch auf Militaria spezialisiert, von der Patronenhülse bis zum Helm.“ Darüber hinaus machen sich die „Schatzretter“ auch gerne mal nützlich, um etwa Pferdekoppeln von Näglen zu befreien oder Äcker zu säubern.

Nicht aus materiellem Interesse gehen sie auf die Suche, sondern aus der Faszination an den Geheimnissen, die im Boden verborgen sind. Obwohl ein Einsatz auch schon mal lukrativ werden kann. Wenn er am Morgen nach einer Maisfeldparty ein Grundstück absuche, dann hebe er dort schon mal 100 bis 200 Euro an verlorenem Kleingeld vom Boden auf, berichtet Wöhl.

Den besonderen Reiz der „Schatzsuche“ entdeckt an diesem Vormittag auch Helmi Schonner rasch für sich. Als erstes hat sie die beiden Männer zu einem Parkplatz am Ortsausgang von Greiling gelotst. Hier könnten die Ringe theoretisch heruntergefallen sein.

Das kleine Team entdeckt zwar allerlei Metallisches – aber nichts von Wert. Neben Abziehlaschen von Getränkedosen, Beilegscheiben oder kleinen Scharnieren taucht einmal eine alte Münze auf. „Das ist kein Euro“, stellt Aigner fest. „Vermutlich sind es sechs bayerische Kreuzer von Ludwig I.“ Helmi Schonner hat derweil ihren Gehstock zur Seite geworfen und sich die Sonde selbst geschnappt. „Ich glaube, ich mache jetzt bei Euch mit“, sagt sie fröhlich. „Das kann zur Sucht werden.“

Etwas später sind sie und die beiden „Schatzretter“ auf einer Wiese unterwegs, auf der die Gaißacherin bei jenem Spaziergang im März stehen geblieben war, um Fotos zu machen. Hier schlägt der Detektor besonders stark an. Adrian Aigner gräbt, stößt auf etwas Massives – und hält kurze Zeit später einige Glieder einer eisernen Ochsenkette in der Hand – nicht ganz das Zeichen ewiger Verbundenheit, das in diesem Fall gewünscht war.

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