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So funktioniert Notfallmedizin bei extremer Kälte: Minus 22 Grad herrschten am Freitag bei dieser kleinen Übung im neuen Bergwetterraum des Bergwacht-Zentrums.

Bergwacht weiht Bergwetterraum ein

Retten unter Extrembedingungen

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Gaißach - Bergwacht-Einsätze finden oft unter Extrembedingungen statt: Es schneit, es ist eiskalt, es geht Wind. Das stellt auch besondere Anforderungen an die Notfallmediziner. Trainiert werden können solche Einsätze nun unter realistischen Bedingungen im Bergwetterraum des Bergwacht-Zentrums.

Die Stiftung der Bergwacht, die das Zentrum für Sicherheit und Ausbildung auf der Ortsgrenze von Gaißach und Bad Tölz betreibt, hatte gut vorgesorgt. Bevor die Einweihungsgäste – darunter Bergwacht-Ehrenvorsitzender Alois Glück – am Freitagnachmittag den rund acht Meter hohen Bergwetterraum betraten, bekam jeder eine kuschelige Jacke ausgehändigt. Das tat auch Not: Schließlich herrschten hinter der dicken Metalltür minus 22 Grad. Kein Wunder, dass der eine oder andere Zuschauer bei der anschließenden kleinen Übung trotz Jacke ziemlich bibberte. Gezeigt wurde die Versorgung eines Verletzten mit Abtransport.

Wie wichtig dieses Training unter realistischen Bedingungen ist, betonte Bergwacht-Notarzt Dr. Christian Freund. „Diese Erfahrung prägt sich deutlich mehr ein, als wenn man darüber nur in einem Buch liest oder es in einem Hörsaal hört.“ Und das sorge dafür, dass Notfallmediziner Handlungsabläufe, „die unter Extrembedingungen zügig ablaufen müssen“, besser verinnerlichen. Zudem sei es so möglich, Materialen bei extremer Kälte zu testen und zu optimieren. „Ich freue mich auf den Bergwetterraum“, bekannte Freund.

Ermöglicht wurde er durch die Unterstützung der Stiftung der Versicherungskammer Bayern. 200 000 Euro an Fördermitteln flossen in das Projekt. „Angesichts dieser Summe habe ich erst einmal geschluckt. Aber dieses Geld ist hervorragend angelegt“, sagte Wolfgang Reif, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Er habe großen Respekt vor der Arbeit der Bergwacht. „Die Notfallversorgung von Menschen, die in extremen Wetterlagen in Not geraten sind, ist eine der schwierigsten Aufgaben.“ Er hoffe, dass die Bergwacht die Erfahrungen, die sie im neuen Trainingsraum sammle, möglichst selten einsetzen müsse. „Aber ich bin überzeugt, dass alle, die hier ausgebildet werden, im Ernstfall besser, schneller und kompetenter helfen können“, so Reif.

Der Bergwetterraum sei eine „Einrichtung, die zum Wohle der Menschen da ist“, ergänzte Theo Zellner, Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, zu dem die Bergwacht gehört. Zellner dankte nicht nur den ehrenamtlichen Bergrettern, „die bereit sind, sich aus- und fortzubilden und sich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen“, sondern auch der Stiftung der Versicherungskammer. „Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich.“

Das findet auch Norbert Heiland, Vorsitzender der Bergwacht Bayern. Der neue Bergwetterraum ermögliche es nun endgültig, einen kompletten Rettungsablauf zu trainieren – „von der Erstversorgung unter Extrembedingungen über den Hubschraubertransport bis zur Übergabe in der Klinik“.

Wie berichtet bietet die große Halle zahlreiche Übungsmöglichkeiten. Zwei Hubschrauberzellen bewegen sich durch den Raum. Bergbahngondeln und ein Liftsessel hängen unter der Decke. Mitten in der Halle gibt es ein großes Wasserbecken und verschiedene Kletterwände. Über 12 000 Helfer aus verschiedenen Rettungsorganisationen und aus über 20 Nationen haben seit der Eröffnung des Zentrums 2008 schon dort trainiert.

Der Bergwetterraum ist nun ein weiterer Baustein – und er wird weiter ausgebaut, wie Wolfgang Buchner, Vorsitzender des Stiftungsrats der Bergwacht-Stiftung erläutert. Im nächsten Schritt soll es möglich sein, Wind oder Niederschläge wie Schnee in dem Raum zu erzeugen.

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