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Debatte zum Tourismus im Tölzer Land: „Nachhaltigkeit ist eine Grundeinstellung“

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Von: Felicitas Bogner

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Sprachen über die Notwendigkeit von achtsamem Tourismus: (v. li.): Josef Niedermaier, Harald Gmeiner, Andreas Wüstefeld und Moderator Stefan Drexlmeier.
Sprachen über die Notwendigkeit von achtsamem Tourismus: (v. li.): Josef Niedermaier, Harald Gmeiner, Andreas Wüstefeld und Moderator Stefan Drexlmeier. © arp

Tourismus im Oberland muss umwelt- und klimafreundlicher werden. Dazu gab es jüngst einen Vortrag und mit anschließender Diskussion im Tölzer Kurhaus.

Bad Tölz – Touristen sind im Tölzer Land sehr willkommen. Erst recht in den Beherbergungsbetrieben, die besonders unter den Corona-Auflagen gelitten haben. Bei aller Freude über den Wegfall der Beschränkungen und trotz aller wirtschaftlichen Interessen sollte Natur- und Klimaschutz eine essenzielle Rolle spielen. „Es stellt sich nicht die Frage, ob wir uns nachhaltigen Tourismus leisten können – wir müssen ihn uns leisten“, sagte Landrat Josef Niedermaier bei der Veranstaltung „Nachhaltigkeit im Tourismus“, zu der die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach ins Tölzer Kurhaus eingeladen hatten. Der Krieg in der Ukraine verschärfe die Notwendigkeit eines Umdenkens noch mehr – insbesondere mit Blick auf die künftige Ausrichtung der Energieversorgung, betonte Stefan Drexlmeier, Vorstand der Bürgerstiftung Energiewende Oberland.

Stefan Drexlmeier: „Krieg in der Ukraine verschärft Notwendigkeit eines Umdenkens noch mehr“

In seinem Vortrag erklärte der Münchner Hochschulprofessor Markus Pillmayer, an welchen Stellschrauben es zu drehen gilt, um als Unternehmer ein nachhaltiges Betriebskonzept zu generieren. „Nachhaltigkeit ist eine Grundeinstellung und kein verschreibbares Rezept. Dazu muss man bereit sein, auch nachhaltig zu handeln, wenn es unbequem wird“, stellte er fest. Das betonte auch der Landrat. „Es ist wichtig, dass sich jeder an der Nase packt.“ Niedermaier ist davon überzeugt, dass die Pandemie auch Positives mit sich gebracht habe. „Was den Klimaschutz betrifft, haben wir eine Notbremse gebraucht.“

Prof. Markus Pillmayer spricht über Stellschrauben für Unternehmer.
Prof. Markus Pillmayer spricht über Stellschrauben für Unternehmer. © arp

Pillmayer verdeutlichte, was mit einem nachhaltigen Verhalten einhergehen müsse. „Man muss sich beispielsweise eine Reparatur- und Erhaltmentalität zulegen, anstatt alles immer wegzuwerfen und neu zu kaufen. Wir brauchen mehr Repair-Cafés.“ Darüber hinaus sei ein Bemühen um einen geringen Rohstoff- und Energieverbrauch sowie ein Abbau der Vermögensunterschiede unabdingbar. „Überdies muss die Wirtschaft regionalisiert werden“, betonte Pillmayer.

Münchner Hochschulprofessor Markus Pillmayer hält Vortrag

Dass es viele Vorbehalte gegenüber diesen Schritten gebe, sei ihm bewusst. Es herrsche die Befürchtung der Unvereinbarkeit wirtschaftlicher und ökologischer Ziele. Dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss, verdeutlichte Drexlmeier an Praxisbeispielen. Birgit Trinkl aus Bad Wiessee, Inhaberin des „Aparthotel Trinkl“, berichtete beispielsweise von ihrer Firmenerweiterung, und wie sie zu einem nachhaltigen Architektur-Konzept gefunden habe. Ausschlaggeben sei dabei gewesen, „immer wieder den Plan von vorne durchzugehen, und zu überlegen, wo man noch nachjustieren kann“, erklärte sie. Das könne sogar Spaß machen. „Auch unsere Mitarbeiter haben immer wieder von vorne angefangen und neue Ideen eingebracht“, so Trinkl. Sie setze dazu auf regionale Materialien und beauftrage ausschließlich Firmen aus der Umgebung. „Zu dem Holzhausbau bin ich über eine Tölzer Firma gekommen.“

Wie beliebt das Oberland als Naherholungsgebiet ist, merkt man an jedem schönen Wochenende. Daher waren auch die Vertreter der Tourismusverbände Andreas Wüstefeld von „Tölzer Land Tourismus“ und Harald Gmeiner von der „Alpenregion Tegernsee Schliersee“ zu Gast. Dabei machte Wüstefeld auf die Kampagne „Charmant miteinand“ im Tölzer Land aufmerksam, die sich für mehr gegenseitige Rücksichtnahme von Touristen und Einheimischen stark macht. Daraus resultierte zudem die Kampagne „Naturschutz beginnt mit dir“. Beides sei laut Wüstefeld von Erfolg gekrönt. „Nicht zuletzt auch durch Unterstützung von Influencern erreichen wir so die jüngere Generation mit unseren Anliegen.“  

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