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Der Sendemast in Gaißach soll für's Digitalradio aufgerüstet werden.

Diskussion über Erweiterung des Gaißacher Sendemasten 

Nicht auf einer Wellenlänge

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Gaißach –  Damit Digitalradio besser empfangen werden kann, möchte der Bayerische Rundfunk den Sendemasten in Gaißach Dorf aufrüsten. Bei einigen Anwohnern rührt sich Widerstand.

Mit einem fünfköpfigen Team rückte der Bayerische Rundfunk (BR) am Dienstagabend in den Gaißacher Gemeinderat an. Das Ziel: „Verständnis herbeizuführen“, wie Michael Pausch, Leiter Frequenzmanagement, zu Beginn sagte. „Wir möchten, dass keine Gerüchte entstehen.“

Denn um die Umstellung auf Digitalradio zu ermöglichen, das DAB+ (siehe unten), soll auf dem Sendemasten in Gaißach eine neue Anlage installiert werden, die unter anderem den Empfang des Programms „BR Heimat“ zwischen Bad Tölz und Lenggries verbessert.

Der Sendemast bestehe seit den 60er-Jahren, so Pausch. Zeitweise sei er ausgelastet gewesen, jetzt würden bauliche Kapazitäten frei, durch die Fusion der Mobilfunkanbieter O2 und E-Plus. Sprich: Es kommen ein paar Elemente runter von dem Masten, so dass Platz ist für neue.

Der Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger hatte die Fachleute vom BR gebeten, auch zum Thema mögliche Gesundheitseinschränkungen Stellung zu nehmen. „Die Bundesnetzagentur hat Messungen vorgenommen“, sagte Pausch. „Wir reden von Werten, die weit unter dem Limit liegen.“ Die Behörde müsse kontrollieren, ob alles den Auflagen entspreche. Gemessen worden sei an vier Punkten, drei davon liegen im Bereich Gaißach Dorf, einer in der Nähe der Akeleistraße in Bad Tölz. „Selbst wenn die Grenzwerte verschärft werden würden, wären wir noch weit unter dem kritischen Bereich“, so Pausch.

Zu Fadingers Frage, ob es nicht alternative Standorte gebe, sagte der BR-Fachmann: „Vom Blomberg aus könnten wir Tölz nicht versorgen. Der Gaißacher Mast ist der beste Standort. Hier können wir mit minimaler Leistung den maximalen Effekt erzielen.“ Etwa 25 000 Einwohner könnten versorgt werden. „Die Perspektive ist, die analoge Verbreitung abzulösen. Digital können wir ein viel breiteres Programm anbieten.“

Ein Anwohner aus der Tölzer Karwendelsiedlung äußerte seine Sorgen. „Wir bekommen alle die Folgen zu spüren.“ Die Belastung werde nicht höher, versicherte Pausch. „Durch die neue Technik wird sie eher weniger.“ Er sei als Anlieger absolut dagegen, dass „da noch etwas draufkommt“, sagte Andreas Dachs. „Wir wollen da nichts mehr. Es kann nicht sein, dass wenige alles tragen müssen.“ Er habe nichts zu befürchten, wiederholte Pausch. „Jeder Münchner hat eine höhere Belastung.“

Eine weitere Zuhörerin wollte wissen: „Warum muss man alles auf den Gaißacher Masten bauen? Da kommt ja jetzt vieles zusammen.“ Die Bundesnetzagentur habe die Strahlung von allen Anlagen auf dem Masten gemeinsam gerechnet, so Pausch. „Sonst würden wir gar keine Sendegenehmigung bekommen.“ Er empfahl allen besorgten Bürgern, sich bei der Bundesnetzagentur zu melden. „Die misst direkt bei Ihnen vor der Haustüre. Da kommen zwei Beamte mit einem Messwagen, die können Sie direkt befragen.“ Sein Standpunkt stehe fest, kommentierte Dachs.

Mehr könne man nicht machen, sagte Bürgermeister Stefan Fadinger. „Es war klar, dass wir heute die beiden Seiten nicht zusammenbringen.“

Geplant ist der Aufbau der neuen Standard-Antenne im November. Die zwei Metallstäbe werden in einer Höhe von gut 50 Metern, also auf der Mitte des Mastens, angebracht. Gemeinderätin Susanne Merk bedankte sich bei Michael Pausch und seinen Kollegen. „Ich bin froh, dass Sie gekommen sind und sich den Fragen der Bürger gestellt haben. Sonst sind es wir Gemeinderäte, die die Debatte führen müssen, und die meisten von uns sind auf dem Gebiet Laien.“

Kontakt

Falls Bürger Kontakt zur Bundesnetzagentur wünschen, um eine Messung der Strahlung durchführen zu lassen, erhalten sie weitere Informationen im Rathaus.

Was ist DAB+?

DAB steht für „Digital Audio Broadcasting“, die digitale Verbreitung von Audiosignalen über eine Antenne. Das „+“ steht unter anderem für die bessere Tonqualität. Laut BR ist die Klangqualität beim Digitalradio besser. Auch Rauschen und Knistern soll es nicht mehr geben. Zudem können über Digitalradio mehr Programme angeboten werden. Derzeit gibt es bereits 43 Sender-Standorte in Bayern. Bis 2020 sollen weitere dazukommen, um den Versorgungsgrad zu steigern. Derzeit können etwa 81 Prozent der Einwohner DAB+ innerhalb von Gebäuden empfangen, über 96 Prozent empfangen Digitalradio im Auto oder im Freien. Empfangen werden können die digitalen Programme über Digitalradios oder auch über das Smartphone. Laut BR werde DAB+ gut angenommen.

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