+
Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt: Das Bergwachtzentrum in Gaißach bietet einmalige Bedingungen, um Einsätze zu üben. Nur an Platz für Tagungen und Forschungsarbeiten fehlt es bislang.

Langer Bau mit drei Etagen geplant

Ein „Alpincampus“ fürs Bergwachtzentrum

  • schließen

Weil fast wöchentlich Universitäten und Unternehmen anfragen, entstehen am Bergwachtzentrum Tagungsräume für die Forschung. Der Bau des „Alpincampus“ soll 2018 beginnen, 6 Millionen Euro kosten und auch der Tölzer Bergwacht ein neues Zuhause bescheren.

Gaißach – Der Großhubschrauber an der Decke ist nur ein Beispiel dafür, warum die Bergwacht-Trainingshalle in Gaißach weltweit einzigartig ist. Er kann 15 Hubschraubertypen simulieren, mit denen Retter im Einsatz arbeiten. Vieles im Ausbildungszentrum der Bergwacht Bayern ist groß und vorbildlich. Aber nicht alles: „Wir haben ein sehr kleines Labor und eine Mini-Werkstatt“, sagt Landesgeschäftsführer Daniel Freuding. Das soll sich ändern: Direkt neben der Halle ist ein sogenannter „Alpincampus“ geplant – ein langgestreckter Bau, in dem nicht nur Garagen, sondern vor allem Seminarräume für die Forschung entstehen sollen.

Das Bergwachtzentrum in Gaißach ist gefragt: Rettungsdienste aus China informieren sich hier über neueste Einsatz-Techniken, der Gesundheitsminister von Sri Lanka war zuletzt zu Besuch. „Wir bekommen fast wöchentlich Forschungsanfragen von Universitäten oder Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten möchten. Aber wir müssen meistens absagen“, sagt Freuding. Der Grund: Es gibt keine Tagungsräume auf dem Areal.

Der „Alpincampus“ sollte eigentlich schon 2011 entstehen. Laut Geschäftsführer kam es nicht dazu, weil man mit dem Ausbau und der Optimierung der 2007 erbauten Trainingshalle eingespannt gewesen sei. Nun steht der Architekten-Entwurf, 2018 soll mit dem Bau begonnen werden, ab 2019 will die Bergwacht das Gebäude mit rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche betreiben. Der aktuelle Plan sieht keine direkte Verbindung zwischen Halle und Alpincampus vor. „Aber wir brauchen eine“, sagt Freuding. Die einfachste Lösung sei ein überdachter Gang.

Die Gemeinde Gaißach habe bereits die Baugenehmigung erteilt, aktuell gebe es Gespräche über die dritte Etage. Neben dem Erd- und dem ersten Geschoss soll in Teilabschnitten ein drittes Stockwerk entstehen. Die Bergwacht setzt auf ökologische Bauweise: Das Erdgeschoss soll aus Recycling-Beton, die oberen Etagen aus Vollholz realisiert werden. „Und die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach soll auch die Halle mit Strom versorgen“, sagt Freuding. Klimaanlagen werde es nicht in den Räumen geben.

Die geschätzten Kosten für das Gesamtobjekt: 6 Millionen Euro. „Wir hoffen auf die Unterstützung des Freistaats“, so Freuding. Darüber hinaus setze man auf Eigenmittel und langjährige Partner. So konnte man auch zirka die Hälfte der 12 Millionen Euro stemmen, die bislang bereits in die Halle flossen.

Möglichst viel Wissen soll im neuen Gebäude zirkulieren. „Ein offenes Haus mit Netzwerkcharakter“ schwebt Geschäftsführer Freuding vor. Gemeinsam mit Unternehmen möchte die Bergwacht ihre technische Ausrüstung weiter verbessern. Freuding nennt als Beispiel die Gebirgstrage aus leichtem Titan. Für die Forschung öffnen wolle man sich auch Richtung Digitalisierung und Mobilität. Bessere Software, um Waldbrände mittels digitaler Karten analysieren zu können oder E-Autos im Einsatz: künftig alles denkbar.

Sicher ist, dass die Tölzer Bergwacht im Alpincampus-Haus ein neues Zuhause bekommt. Am südlichen Ende, um schneller im Einsatzgebiet zu sein: „Wir müssen dann nicht mehr ums Karree fahren“, freut sich Sprecher Paul Schenk. Statt den Umweg über die Flinthöhe zu nehmen, könne man direkt über die Gaißacher Straße starten. Schenk: „Wir sparen uns drei Ampeln.“ Aktuell sitzen die Tölzer Rettungskräfte im Container-Provisorium neben der Halle. Bald bekommen sie also eine komfortablere Einsatzzentrale. „Wir haben dann mehr Platz, um die Einsatzgeräte zu lagern und zu reinigen“, sagt Schenk. Für den Ausbau des Hauses sammelt die Bergwacht seit Jahren auf Veranstaltungen Geld. Schenk: „Wir wollen auch Gemeinden und Landkreise ansprechen, in denen wir im Einsatz sind.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Krämpfe im Bein: Wanderer in Not
Ein erschöpfter Bergsteiger hat in der Nacht zum Freitag die Helfer der Bergwachtbereitschaften Lenggries und Benediktbeuern auf Trab gehalten.
Krämpfe im Bein: Wanderer in Not
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Das Sommerfest "Buntes Bad Tölz" ist in vollem Gange.
Alle Tölzer sind herzlich zur Feier am Bürgerhaus Lettenholz eingeladen. arp
Das Sommerfest "Buntes Bad Tölz" ist in vollem Gange.
Sparkasse verleiht Bürgerpreis an viele engagierte Ehrenamtliche
Sparkasse verleiht Bürgerpreis an viele engagierte Ehrenamtliche

Kommentare