Prof. Edda Weimann freut sich über die Auszeichnung in Gold für die Fachklinik Gaißach.
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Prof. Edda Weimann freut sich über die Auszeichnung in Gold für die Fachklinik Gaißach.

Bundesweiter Vorreiter

Weniger Plastik im Krankenhaus: Fachklinik Gaißach erhält internationalen Klimapreis

  • Clara Wildenrath
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Die Fachklinik Gaißach ist bundesweit Vorreiter in Sachen Klimaschutz im Gesundheitswesen. Dafür wurde die Einrichtung jetzt zum „Klima-Champion“ gekürt.

Gaißach – Die Fachklinik Gaißach ist bundesweit Vorreiter in Sachen Klimaschutz im Gesundheitswesen: Als einzige Klinik Deutschlands wurde sie zum internationalen „Klima-Champion 2020“ in der Gold-Kategorie ernannt. Ausgelobt hat den Preis das Umweltschutz-Netzwerk „Health Care Without Harm“ (HCWH; zu deutsch etwa: Gesundheitsversorgung ohne Schaden). Die Auszeichnung flatterte der Klinik Anfang des Monats per Mail ins Haus – die offizielle Preisverleihung in feierlichem Rahmen fiel aufgrund der Corona-Pandemie aus.

„Der Gesundheitssektor ist weltweit der fünftgrößte Produzent von Treibhausgasen“, erläutert Professor Edda Weimann. Sie ist seit 2019 Medizinische Direktorin der Fachklinik und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den CO2-Fußabdruck der Reha-Einrichtung zu reduzieren. Gegen den Klimawandel nichts zu unternehmen, widerspricht in ihren Augen dem hippokratischen Eid: „Der Grundgedanke ärztlichen Handelns ist es, zu heilen und keinen Schaden zuzufügen. Der Klimawandel hat jedoch eindeutig negative Folgen für die Gesundheit der Menschen.“ Besonders betroffen seien davon Kinder und ältere Leute.

Mehr Recycling und weniger Einmalplastik in der Fachklinik Gaißach

Auf Weimanns Initiative trat das Krankenhaus 2019 dem weltweit agierenden Netzwerk HCWH bei. Dessen Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 klimaneutrale Gesundheitssysteme zu schaffen. Vor fünf Jahren rief die Non-Profit-Organisation eine Klima-Challenge ins Leben, an der sich 2020 über 300 Institutionen und mehr als 22.000 Krankenhäuser in 36 Ländern beteiligten. Wer mitmachen will, geht die Verpflichtung ein, konkrete Klimaziele für das nächste Jahr zu verfolgen. Für die Auszeichnung als Klima-Champion ist ausschlaggebend, wie weit diese im Vergleich zu anderen Teilnehmern umgesetzt wurden.

In Gaißach hat sich Weimann in den vergangenen Monaten vor allem für mehr Recycling und die Verringerung von Einmalplastik in der Klinik starkgemacht. Um den Fleischkonsum zu reduzieren und ein Umdenken bei den Ernährungsgewohnheiten zu fördern, führte sie für Mitarbeiter und Patienten einen vegetarischen Tag in der Woche ein. Auf umweltverträgliche Energiequellen setzt die Rehaklinik schon lange: „Zum Glück hat der Architekt schon beim Bau eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach eingeplant.“ Für Dienst- und Fortbildungsreisen werden seit 2019 nur noch öffentliche Verkehrsmittel genutzt; Flugreisen sollen vermieden werden.

Medizinische Direktorin setzte sich auch schon in Südafrika für Klimaschutz ein

Auch beim Einkauf von Verbrauchsmaterial will Weimann den CO2-Fußabdruck der Klinik verringern, indem beispielsweise lokale Anbieter bevorzugt werden. Das ist nicht ganz einfach, gibt sie zu, denn: „Für die kaufmännische Leitung zählt meist nur der Kostenfaktor, da geht es nicht um Nachhaltigkeit.“ Fast eineinhalb Jahre habe sie kämpfen müssen, bis die Anschaffung von Recycling-Behältern und einem Altpapier-Container genehmigt wurde. „Dabei finanziert sich das selber, weil dadurch viel weniger Restmüll anfällt.“ Von den Mitarbeitern und den Patienten seien die Veränderungen durchweg sehr positiv aufgenommen worden.

Die Gaißacher Klinik ist bereits das zweite Krankenhaus, das Weimann auf den Weg zu mehr Klimaschutz führt. Bevor die 56-jährige Kinder- und Jugendärztin die Klinikleitung übernahm, arbeitete sie acht Jahre in der Geschäftsführung der Universitätsklinik von Kapstadt. „Südafrika ist von der Klimakrise schon viel stärker betroffen“, sagt sie. Stürme, Wassermangel und Feuersbrünste seien dort an der Tagesordnung. Anders als in Deutschland, wird dort Klimaschutz im Gesundheitssektor auch von der Regierung gefördert, erzählt sie: Alle staatlichen Kliniken im Westkap sind bereits vor Jahren dem HCWH beigetreten.

Nur fünf Kliniken in Deutschland erhielten Preis in der Kategorie Gold

Obwohl sie die internationale Klima-Challenge schon lange begleitet, habe sie die Auszeichnung „überrascht und sehr gefreut“, sagt Weimann. Für die Klinik sei es „eine Ehre, Teil einer globalen Gemeinschaft zu sein, die den Wandel zu einer klimafreundlichen Gesundheitsversorgung vorantreibt“. In Deutschland haben nur neun Institutionen den Klimapreis erhalten – und neben der Gaißacher Klinik nur vier weitere in der höchsten Kategorie Gold.

„Mein Wunsch wäre es“, erklärt die Public-Health-Expertin, „dass wir von anderen Krankenhäusern als Pilotprojekt gesehen werden“. Denn sie ist überzeugt: „Nur wenn wir es schaffen, dass die Volkswirtschaft einschließlich des Gesundheitssektors spätestens 2030 klimaneutral arbeitet, können wir eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten für uns und nachfolgende Generationen sicherstellen.“

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