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Ärger wegen Rauchschwaden über der Fachklinik

Landwirte verärgert 

Räumfeuer sorgt für dicke Luft

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Medizinische Leitern Prof. Dr. Edda Weimann ärgert sich über durch Räumfeuer verursachte Rauchschwaden überhalb der Gaißacher Flachklinik. Landwirte fühlen sich zu Unrecht kritisiert.

Gaißach Räumfeuer: Dieses Thema erhitzt in Gaißach die Gemüter. Auf der einen Seite steht Prof. Dr. Edda Weimann, Medizinische Leiterin der Fachklinik. Sie beklagt, dass der Isarwinkel an manchen Tagen unter einer Rauchwolke liegt. Dies sei ein großes Problem für Patienten mit Atemwegsbeschwerden, die sie behandelt. Auf der anderen Seite stehen die Bauern, die sich an die Vorschriften halten und sich zu Unrecht angegriffen fühlen. „Jahrzehntelang hat das niemand gestört, und jetzt gibt es auf einmal Rabatz“, sagt der verärgerte Ortsobmann Georg Fischhaber. „Als Landwirt darf man allmählich gar nichts mehr machen.“

Medizinische Leiterin der Klinik besorgt um Patienten mit Atemwegserkrankungen 

Die Rauchbelästigung habe am Montag der vergangenen Woche begonnen, sagt Weimann. Über dem ganzen Isarwinkel sei eine Rauchwolke gehangen, die von mehreren Feuern stammte. Weimann: „Wissenschaftlich ist erwiesen, dass diese Verbrennungen stark gesundheitsschädlich sind. Die Schadstoffbelastung ist enorm.“ Die Auswirkungen der Räumfeuer habe sie in ihrer täglichen Arbeit gespürt. Die Befunde vieler Patienten hätten sich plötzlich deutlich verschlechtert: „Wir müssen jetzt Patienten therapieren, denen vorher gar nichts gefehlt hat.“ Um gegenzuwirken, müsse man sie medikamentös behandeln, bei anderen muss die Medikamenten-Dosis erhöht werden. Weimann: „Man kann nicht akzeptieren, dass vor einer Klinik, in der Leute mit Atemwegserkrankungen therapiert werden, Räumfeuer angezündet werden.“ Sie erwartet, dass darauf von der Gemeinde Rücksicht genommen wird. 

„Als Landwirt darf man allmählich gar nichts mehr machen!“

Wie man es besser macht, zeigten andere Gemeinden in Oberbayern. Dort würden Laub und Äste an einer zentralen Stelle gesammelt und zur Energieerzeugung verwendet, zu Hackschnitzeln oder Kompost weiterverarbeitet: „Die Zeiten haben sich geändert, und darauf muss sich eine Gemeinde einstellen.“ Es gehe darum, auf die Gesundheit von Anwohnern und Patienten Rücksicht zu nehmen.

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Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts, verweist auf die „Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen außerhalb zugelassener Beseitigungsanlagen“. Demnach sei es gestattet, pflanzliche Abfälle außerhalb von bebauten Ortsteilen zwischen 6 und 18 Uhr zu verbrennen. Erhebliche Rauchentwicklung sei zu verhindern. Ein Verstoß gelte als Ordnungswidrigkeit und werde entsprechend geahndet. „Das geschieht auch regelmäßig.“ Ein Verbot von Räumfeuern sei nicht möglich. Das Landratsamt gebe nur Hinweise, etwa auf Inversionswetterlagen: „Das ist aktuell auch geschehen.“

Verbot von Räumfeuern nicht möglich 

Ortsobmann Georg Fischhaber kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Ich sehe kein Problem.“ Die Räumfeuer gebe es seit Jahrzehnten. „Wir leben auf dem Land und möchten unsere Arbeiten einfach nur so machen können, wie es notwendig ist. Überall gibt es nur noch Vorschriften, Vorschriften, Vorschriften“. Die Bauern hielten sich exakt daran und melden die Räumfeuer beim Landratsamt, „sonst würde ja die Feuerwehr ausrücken“.

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Die Räumfeuer hält Fischhaber für notwendig: „Im Frühjahr muss aufgeräumt werden, man kann nicht alles abtransportieren. Das sind keine riesigen Feuerstellen, sondern kleine Haufen – das ist gar kein Problem.“

„Verbrennen von pflanzlichen Abfällen ist zulässig und notwendig.“

Ähnlich sieht es Bürgermeister Stefan Fadinger: „Man darf die Landwirte nicht wieder an den Pranger stellen, sie sind eh schon gebeutelt genug.“ Das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen sei „kein alter Brauch“, sondern zulässig und notwendig: „Dass Hecken zurückgeschnitten werden, gehört zur Pflege der Hecken-Landschaften.“ Er ist sich sicher: „Früher sind viel mehr Abfälle verbrannt worden.“ Die Patienten der Klinik kämen oft aus Großstädten, „da ist die Feinstaub-Belastung höher als bei uns. Außerdem muss man sich fragen, ob man nicht mehr Schadstoffe rausbläst, wenn man die Abfälle mit dem Lastwagen oder Traktoren beseitigt.“

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