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Die Drogen des bundesweit größten Online-Shops wurden sowohl im sogenannten Darknet als auch im normal zugänglichen Netz angeboten. 

Amtsrichter verhängt Geldstrafe

Gaißacher bestellte LSD-Trips im Internet

1200 Euro Strafe muss ein junger Gaißacher zahlen: Er hatte bei einem Online-Drogenshop LSD bestellt.

Gaißach Im Frühjahr 2016 zerschlug die Polizei in Rheinland-Pfalz den wohl bundesweit größten Drogen-Internetshop „Chemical Love“. Nun musste sich ein 20-jähriger Gaißacher vor dem Jugendrichter verantworten: Der junge Mann soll Mitte Januar 2016 per E-Mail bei dem Drogenshop zehn LSD-Trips zum Preis von 69,90 Euro bestellt haben. Wegen versuchten unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln wurde der 20-Jährige zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt.

„Höchste Qualität, diskrete Verpackung, günstige Preise“ – mit diesem Versprechen verkauften zwischen Januar 2015 und April 2016 drei Männer im Alter von heute 31 und 32 Jahren sowohl im Darknet als auch im frei zugänglichen Internet über ihren Shop Designerdrogen, die sie aus den Niederlanden eingeführt hatten. Bei ihrer Razzia stellten die Beamten 80 Kilogramm Drogen sicher, darunter Amphetamine, Chrystal Meth, Heroin und Kokain sowie tausende Ecstasy-Tabletten und LSD-Trips. Daneben fielen den Ermittlern rund 2000 fein säuberlich ausgedruckte Bestelllisten in die Hände, darunter eine Liste mit dem Namen und der Adresse des Angeklagten.

„Chemical Love“: Gaißacher bestellte beim bundesweit größten Shop

Der junge Mann ließ den Richter zu Beginn der Verhandlung wissen, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern würde. Das ist sein gutes Recht als Angeklagter. So beschränkte sich die Beweisaufnahme auf die Aussage einer Kripobeamtin aus Hannover, die in die Ermittlungen gegen Chemical Love eingebunden war. Die Polizistin berichtete detailliert über die „Arbeitsteilung“ der dreiköpfigen Drogenbande: Einer stellte die eingegangenen Aufträge zusammen, ein anderer machte die Bestellungen versandfertig, der dritte kümmerte sich um den Postversand. Entscheidend dabei war: Erst wenn der Kunde binnen einer Stunde nach Aufgabe seiner Bestellung die gewünschte Lieferung in der Internet-Währung Bitcoins bezahlt hatte, wurde eine Bestellliste angelegt.

Das genügte dem Gericht als Beweis, dass der Gaißacher die zehn LSD-Trips bestellt hatte und nicht „ein großer Unbekannter“, wie von der Verteidigung ins Feld geführt wurde. „Es ist kein Grund ersichtlich, warum jemand anderes Drogen in falschem Namen bestellen und sogar noch bezahlen sollte“, so Richter Urs Wäckerlin. „Das macht man nicht als Streich, sondern weil man die Drogen haben will.“ Er verurteilte den Angeklagten zu 40 Tagessätzen à 30 Euro.

Der Hauptangeklagte im Prozess um den Online-Drogenhandel wurde vom Landgericht Landau unter Einbeziehung einer früheren Verurteilung zu insgesamt 14 Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Komplizen erhielten jeweils sieben Jahre und drei Monate Haft. 

Rudi Stallein

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