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Schauspielerin findet Igelbabys im Garten: Ehepaar päppelt die Tiere nun auf

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Von: Andreas Steppan

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Liebevoll päppeln Editha Schneider und Georg Osterhuber in Gaißach eine Schar von neun Igelbabys hoch. Gefunden hatte die Tierchen Schauspielerin Monika Dahlberg in ihrem Garten in Benediktbeuern. „Einerseits sehr zäh, andererseits sehr empfindlich“ So kann jeder den Igeln im Garten helfen
Liebevoll päppeln Editha Schneider und Georg Osterhuber in Gaißach eine Schar von neun Igelbabys hoch. Gefunden hatte die Tierchen Schauspielerin Monika Dahlberg in ihrem Garten in Benediktbeuern. © Arndt Pröhl

Ein Ehepaar in Gaißach kümmert sich um Igel, die in Not geraten sind. Aktuell pflegen sie Tierbabys aus dem Garten der Schauspielerin Monika Dahlberg.

Gaißach/Benediktbeuern – Die Entdeckung, die sie in ihrem Garten machte, war für Monika Dahlberg eine riesige Überraschung. Die 86-jährige Schauspielerin aus Benediktbeuern bat dieser Tage ihren Enkelsohn, im Garten einen Strandkorb zur Seite zu rücken, um Platz für Gartenarbeiten zu schaffen. Darunter zum Vorschein kam ein Nest, darin ein Muttertier mit nicht weniger als neun Igelbabys. „Sie können sich unseren Schrecken vorstellen“, berichtet sie dem Tölzer Kurier. Dahlberg, ihr Enkel und dessen Freundin fragten sich: „Was machen wir jetzt?“

Im Garten hilfsbedürftige Igelbabys zu entdecken, ist um diese Jahreszeit eigentlich nicht so ungewöhnlich. Dass solche Jungtiere eine Chance bekommen zu überleben, darum kümmert sich das Gaißacher Ehepaar Editha Schneider (61) und Georg Osterhuber (58). Auch die Igel aus Monika Dahlbergs Garten befinden sich mittlerweile in ihrer Obhut.

Schauspielerin Monika Dahlberg findet viele Igelbabys in ihrem Garten

Igelmütter, die bei der Aufzucht gestört werden, „gehen stiften“, erklärt Osterhuber. So war es auch im Garten in Benediktbeuern. „Die Mutter ist sofort ab ins Gebüsch“, berichtet Monika Dahlberg. Dass das Muttertier in so einem Fall wiederkommt, ist laut Osterhuber fraglich. „Man sollte etwas abwarten, aber wenn die Mutter nach ein paar Stunden nicht wieder da ist, besteht Handlungsbedarf.“ Die Igelbabys drohen sonst zu verhungern.

Auch Monika Dahlberg wartete vergeblich auf die Rückkehr des Muttertiers. Ihr Enkel und dessen Freundin recherchierten derweil im Internet und telefonierten herum. „Nach langem Hin und Her stießen sie auf die Adresse des Ehepaars in Gaißach“, berichtet die Schauspielerin. Dort gaben sie die Schar der kleinen Igel schließlich in einem Karton ab.

Für Editha Schneider und Georg Osterhuber ist der Fall keineswegs eine Seltenheit. Vor sechs Jahren hätten sie selbst einmal einen kranken Igel im Garten gefunden, Hilfe gesucht – und bei einer „lieben Frau“ in Starnberg gefunden, wie Osterhuber sagt. So habe es sich entwickelt, dass sich die beiden Rentner immer mehr Wissen aneignete und bald selbst Igel aufnahmen und pflegten.

„Einerseits sehr zäh, andererseits sehr empfindlich“

70 bis 80 Tiere seien es mittlerweile pro Jahr, erklärt Osterhuber. Darunter seien nicht nur verlassene Babys, sondern etwa auch „Rasenmäher-Opfer“. Die beiden Gaißacher kümmerten sich schon um Tiere „mit bösesten Schnittverletzungen oder abgetrennten Gliedmaßen“. Bei der Versorgung braucht das Ehepaar teils tierärztliche Hilfe. Dafür geben die beiden nach Osterhubers Angaben jährlich rund 4000 bis 5000 Euro aus eigener Tasche aus.

Bei anderen Igeln seien Parasiten das größte Problem. Schneider und Osterhuber haben gelernt, wie sie die Würmer oder Kokzidien in Kotproben unterm Mikroskop erkennen und dann bekämpfen können. Bei den Igelbabys ist die Pflege besonders aufwendig. Rund um die Uhr müssen sie alle zwei Stunden mit einer speziellen Aufzuchtmilch für Katzen- oder Hundebabys gefüttert werden. „Meine Frau übernimmt die Tagschicht, ich die Nachtschicht“, sagt Osterhuber. 14 Tage gehe das so. „Dann schlafen sie durch.“

So kann jeder den Igeln im Garten helfen

Die Tiere aus Monika Dahlbergs Garten wiegen zwischen 80 und 110 Gramm. Bringen sie 600 Gramm auf die Waage, können sie an ihrem Fundort ausgewildert werden. Klappt das vor dem Winter nicht mehr, richtet das Gaißacher Paar ihnen auf ihrem Balkon einen Platz für den Winterschlaf ein.

Die Tierfreunde wünschen sich mehr Rücksichtnahme auf die Igel. Sie stünden bereits auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. „Man muss nicht warten, bis sie auf der Roten Liste landen.“ Igel seien „einerseits sehr zäh, andererseits sehr empfindlich“, sagt Osterhuber. Die Zahl der Insekten, die den Igeln als Nahrung dienen, sei schon um 70 Prozent zurückgegangen. „Wenn sie nichts anderes finden, fressen sie Schnecken, und davon werden sie krank.“ Der 58-Jährige rät Gartenbesitzern daher, den Igeln etwas Futter bereitzustellen. Geeignet sei Katzenfutter – „aber ohne Gelee“. Ein Wassernapf helfe den Tieren durch heiße Tage. „Und es sollte in den Gärten ein bisschen Gebüsch geben. Dort finden die Igel Insekten, und es ist ein Rückzugsort für sie.“

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Sehe man tagsüber einen Igel herumlaufen – die Tiere sind sonst nur nachtaktiv –, sei das ein eindeutiger Hinweis, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt und es Hilfe braucht. Dann, so Osterhuber, sollte man das Tier mittels eines Handtuchs aufheben – „danach unbedingt die Hände waschen und desinfizieren“ –, in einen Karton setzen und „zu uns bringen“. In Frage komme auch ein igelkundiger Tierarzt, doch nur wenige hätten Erfahrung mit Wildtieren. Normalerweise haben die Patienten von Schneider und Osterhuber eine hohe Sterbequote, „weil die Finder oft zu spät reagieren“, sagt der Gaißacher. Monika Dahlberg und ihre Familie handelten schnell. „Dass wir diese Igelbabys retten konnten“, sagt die Schauspielerin, „hat mich richtig beglückt.“

Kontakt

Wer einen hilfsbedürftigen Igel findet, erreicht Editha Schneider und Georg Osterhuber unter Telefon 0 80 42/80 67.

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