Spannende Arbeit: Vor einigen Monaten war Sebastian Müller (re.) am Vulkan Kilauea und hat Lavafontänen aus einem See (li.) mit Hochgeschwindigkeits- und Thermalkameras gemessen.

Kilauea spuckt heiße Asche

Gaißacher erforscht Vulkanausbruch auf Hawaii

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Vulkanforscher Sebastian Müller aus Gaißach verfolgt den Ausbruch des Vulkans Kilauea auf Hawaii aus wissenschaftlicher Sicht. 

Honolulu/Gaißach – Im US-Bundesstaat Hawaii ist der Vulkan Kilauea ausgebrochen und spuckt heiße Asche und glühende Lava auf Big Island, die größte Insel der Gruppe im Pazifik (wir berichten überregional). Eine spannende Zeit erlebt deshalb Sebastian Müller. Der 29-Jährige stammt aus Gaißach und arbeitet derzeit wissenschaftlich als Vulkanforscher auf Hawaii.

Müller befindet sich aber nicht in unmittelbarer Nähe des Vulkans, sondern lebt in Honolulu auf der Nachbarinsel Oahu. „Seit zirka einem Monat hebt sich der Vulkan um einige Meter. Das bedeutet, dass frische Magma von unten in den Vulkan eindringt und ihn dadurch aufbläht. Diese Hebung kann man durch GPS-Messungen verfolgen“, schreibt er auf eine E-Mail-Anfrage des Tölzer Kurier. Müller kennt das Gebiet recht gut, denn wie im Februar berichtet, hat er Lavafontänen aus einem See an diesem Vulkan mit Hochgeschwindigkeits- und Thermalkameras gemessen.

Eine düstere Stimmung verbreitet der Vulkan Kilauea derzeit.

„Am 22. April ist der Lavasee Halema’uma’u in dem Gipfelkrater des Kilauea übergeflossen, was bisher erst einmal passiert ist“, berichtet Müller weiter. Daneben gebe es noch einen zweiten Krater (Fachbegriff: Caldera), den Pu’u’O’o. „Auch dieser ist mit einem Lavasee gefüllt. Außerdem hat sich die ganze Caldera um mehrere Meter angehoben“, berichtet Müller von seinen Beobachtungen. Am 30. April sei die Pu’u’O’o-Caldera eingestürzt, und der komplette Lavasee verschwunden. „Da ist jetzt ein gähnend tiefes Loch.“

„Wir wissen gerade nicht, wie es weitergeht“

Von seinem Büro aus verfolgt Müller die Vorgänge mit. „Per seismischer Überwachung konnte man feststellen, wie die Magma unter der Oberfläche Richtung Südost-Spitze von Big Island gewandert ist.“ Am Donnerstagnachmittag sei es dann gegen 17 Uhr zu einem Spaltenausbruch nahe der Siedlung Leilani Estates gekommen. „Die Siedlung musste evakuiert werden, und die Notfall-Protokolle sind in Kraft getreten.“ Es gab zirka 50 Meter hohe Lavafontänen, berichtet Müller. „Gegen 20 Uhr Ortszeit kam die Eruption wieder zum erliegen, und die Magma wandert unterirdisch weiter Richtung Südostspitze der Insel, in unbewohntes Gebiet.“ Jetzt könnten alle ein bisschen durchatmen.

Der Kilauea gilt als einer der aktivsten Vulkane der Welt. „Wir wissen gerade nicht, wie es weitergehen wird“, schreibt Müller weiter. „Es wird rund um die Uhr gearbeitet.“ Per Satellit, Hubschrauber und Seismik werden Daten gesammelt, ein Krisentreffen wurde anberaumt. „Auf jeden Fall wurden die betroffenen Häuser evakuiert und die Leute in Sicherheit gebracht.“ Wahrscheinlich könne er kommende Woche mit einem Forschungsteam auf die Insel Big Island zum Vulkan rüberfliegen.

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