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Gaißacher vor dem Amtsgericht:

„Ich bau‘ nur Mist, wenn ich besoffen bin“

„Es tut mir total leid“, beteuerte der Angeklagte, als der Richter ihm zum letzten Mal das Wort erteilt hatte. Hätte er sich das frühzeitiger überlegt, hätte er sich 1200 Euro sparen können.

Gaißach/Wolfratshausen So hoch fällt nämlich die Strafe aus, die ein 45-jähriger Gaißacher zahlen muss, weil er am 6. April dieses Jahres einen Bewohner in einem Tölzer Wohnheim „schwarzen Nigger“ schimpfte, ihm eine Kette vom Hals riss und anschließend noch auf den Kopf schlug.

Eine richtige Erklärung hatte der Mann für sein Verhalten nicht. Grund für den Aussetzer war vermutlich allein der Alkohol. Gerade erst von einer längeren Entgiftung heimgekommen, habe er nach einem „Stressgespräch mit meiner Mutter“ den Fehler gemacht, wieder zur Wodka-Flasche zu greifen. Später traf er sich mit einem Bekannten, der ihn mitnahm zu dem Wohnheim.

„Ich wollte nicht zu dem Haus“, erklärte der Angeklagte, der seit Kurzem von einer Betreuerin unterstützt wird. „Ich hatte Angst, deshalb habe ich noch mehr getrunken.“ Dort habe man dann jedoch wider erwarten Spaß gehabt – und weiter getrunken. „Mehr weiß ich nicht“, sagte der Angeklagte.

Strafrechtlich war der Mann, der nach eigener Aussage seit seiner Kindheit immer wieder mal psychische Probleme habe, bis zu diesem Zeitpunkt nie auffällig geworden. „Ich bau nur Mist, wenn ich besoffen bin“, sagte der Beschuldigte in ruhigem Ton und mit klarer Stimme. Das Schlimme sei der rasche Wechsel von extremen Gefühlsschwankungen. „Ich will das nicht mehr“, beteuerte er. Deshalb habe er sich jetzt eine Hotline für Suchtkranke zur Unterstützung gesucht.

Das Gericht wertete die Tatsache, dass er alle Vorwürfe uneingeschränkt einräumte ebenso strafmildernd wie die starke Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt. „Verminderte Schuldfähigkeit ist nicht auszuschließen“, sagte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. Er verurteilte den Gaißacher zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Euro.

So kam der derzeit arbeitslose gelernte Schlosser immerhin 900 Euro günstiger weg: Mittels Strafbefehl war er zuvor zu 2100 Euro (70 Tagessätze à 30 Euro) verurteilt worden. Dagegen hatte der Mann Einspruch eingelegt, diesen aber auf die Höhe der Strafe beschränkt und seine Schuld eingeräumt. (rs)

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