Gaißacher vor dem Amtsgericht 

Sohn droht Vater - dann schlägt er mit dem Knüppel zu

Unter anderem wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und Körperverletzung steht ein Gaißacher vor Gericht. Sein Opfer war sein eigener Vater.

Gaißach/Wolfratshausen Das mutmaßliche Opfer hat gerade seine Aussage gemacht, als die Schöffin kurz die Backen aufbläst und geräuschlos ihren Atem herauspresst. Die flüchtige Szene während der Vernehmung des wichtigsten Zeugen macht deutlich: Diese Verhandlung ist eine zähe Angelegenheit.

Wenig später wird der Prozess wegen „besonders schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung“ vertagt. Weitere Zeugen müssen gehört werden, um zu klären, was sich tatsächlich Anfang März vorigen Jahres auf einem Anwesen in der Gemeinde Gaißach zugetragen hat.

Laut Anklageschrift soll ein 23-Jähriger seinem Vater (63) einen Holzstock über den Kopf gezogen haben, weil der Senior sich weigerte, dem Sohn Geld zu geben. An die 3000 Euro will der Vater seinem arbeitslosen Jungen innerhalb weniger Monate zugesteckt haben. Als er am 1. März wieder um 50 Euro angebettelt wurde, eskalierte die Situation. Das Konto des Seniors war nach dessen Aussage leer. Der Sohn habe seinen Vater daraufhin gedrängt, einen Kredit aufzunehmen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, habe er gedroht: „Wenn ich kein Geld kriege, haue ich Dir mit dem Prügel drauf.“ Dann soll der 23-Jährige tatsächlich mit einem Knüppel zugeschlagen haben. Eine ein Zentimeter lange Platzwunde an der Augenbraue war die Folge.

Zwei Tage später soll es zu einer weiteren Auseinandersetzung gekommen sein: Der Vater war mit seinem Sohn und dessen Verlobter mit dem Auto unterwegs. Bei der Rückkehr sollen Kassetten aus dem Auto auf die Straße gefallen sein. Als der Vater den Sohn deshalb zur Rede stellen wollte, habe der Junior den Alten gepackt und zu Boden gestürzt. Fotos dokumentieren Schürfwunden an den Beinen, zerrissenen Hosenbeine und Stützstrümpfe.

Soweit die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich im Wesentlichen auf die Aussagen des Geschädigten stützen. Auf räuberische Erpressung steht normalerweise Gefängnis nicht unter fünf Jahre. Nur weil die Staatsanwaltschaft hier von einem minderschweren Fall mit Haft zwischen ein bis zehn Jahren ausgeht, kann der Vorwurf am Amtsgericht verhandelt werden. Dort dürfen maximal Haftstrafen bis zu vier Jahren ausgesprochen werden.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe entschieden. „Beide Fälle haben sich so nicht zugetragen“, ließ er seinen Verteidiger erklären. Seine Freundin könne dies bestätigen. Sie habe den Holzstock, der ihm als Tatwaffe gedient haben soll, erst am Tag nach dem vermeintlichen Vorfall bekommen. „Es sollte ein Gehstock werden“, sagte der Angeklagte. Für ihn stellte sich die Anzeige seines Vaters als „Retourkutsche“ dar. Der 63-Jährige habe verhindern wollen, dass der Junge sich eine eigene Wohnung sucht. „Er hat gesagt: Wenn ihr bei mir auszieht und mich verlasst, mache ich euch fertig“, erklärte der Sohn.

Der Vater bestätigte in seiner Zeugenaussage, dass es häufig Streit gegeben habe. „Es ging allwei ums Geld, weißt scho“, erzählte der dem Gericht. Mal 50 Euro, mal 100 Euro. Ständig habe sein Sohn die Hand aufgehalten. Als kein Geld mehr da war („ich hatte selbst nix mehr“), habe sein Sohn ihm „mit dem Stecken eins drauf gegeben“, sagte der Senior. An Details konnte er sich jedoch nicht mehr recht erinnern. Die Behauptung, er habe alles nur erfunden, um dem Sohn eins reinzuwürgen, wies er jedoch entschieden zurück. Auch nach der Aussage seines Vaters beteuerte der Angeklagte: „Ich habe ihm nie etwas getan.“

Der Prozess wird Anfang Mai fortgesetzt. rst

Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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