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Sogar Eishockey-Profi Leonhard Pföderl spielte im Video mit. Das Bild zeigte die erste Szene.

Zum 1200-Jahr-Jubiläum

Die Gaißacher Welt: Ein Musikvideo fürs ganze Dorf

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Über 19 000 Mal wurde das Musikvideo bislang aufgerufen, das anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Gaißach entstanden ist. Dahinter stecken Veronika Partenhauser und Sepp „Bodo“ Kloiber.

Gaißach – Es regnet, ein Mann geht über einen asiatischen Markt, betritt eine Halle. Dort will er eine Zugfahrkarte nach Deutschland lösen. Keine Chance, die Frau am Schalter kann damit nichts anfangen. Sie kennt weder Berlin, München noch das Oktoberfest. Erst als der junge Mann fast verzweifelt fragt „Goassa?“, hellt sich das Gesicht der Frau auf. Klar, das kennt sie. So beginnt das Musikvideo, das Veronika Partenhauser gemeinsam mit Sepp Kloiber anlässlich der 1200-Jahr-Feier von Gaißach erstellt hat.

Dass es sich so großer Beliebtheit erfreut, „hätte sich keiner von uns vorgestellt“, sagt Partenhauser. Über 19 000 Mal wurde der Clip auf der Plattform YouTube bislang abgespielt.

Alles begann Anfang des Jahres. „Bürgermeister Stefan Fadinger kam auf mich zu“, erzählt Partenhauser. Sie habe bereits in der Vergangenheit Imagevideos für die Gemeinde gemacht. Bei der Umsetzung habe sie dann ziemlich freie Hand gehabt. „Irgendwann kam die Idee auf, ein neues Gaißach-Lied zu machen mit einem Musikvideo dazu.“ Da Sepp Kloiber mit seinem historischen Theaterstück ohnehin schon an Bord war, „war klar, dass er der perfekte Mann dafür ist“, sagt Partenhauser. Ganz leicht waren die Aufnahmen für das Lied allerdings nicht.

Was sich die Macher vornahmen: Möglichst viele Vereine und Gruppierungen aufzunehmen, die ihre eigene Strophe mitsingen sollten. „Wir wollten Gaißach nicht als das beste Dorf der Welt präsentieren, sondern einfach sympathisch rüberbringen“, sagt Partenhauser. Anhand der Strophen wurde das Video aufgebaut. „Wir hatten zum Beispiel schon früh die Idee, Toni Kell, den Ansager von den Schnablern, einzubauen“, sagt Partenhauser.

Bei den Videoaufnahmen im Musikheim mit Sepp Kloiber hatten diese jungen Sängerinnen viel Spaß.

Die Dreharbeiten erfolgten meist recht spontan, sagt die 30-Jährige. Ab April klapperte sie die Vereine ab, meist waren nach einer Stunde die Szenen im Kasten. „Anfangs war es noch etwas schwierig“, erzählt die Regisseurin. „Die Gaißacher haben noch nicht gewusst, worauf sie sich einlassen. Sie haben nachgefragt, ob sie selber singen müssen.“ Das wäre einigen peinlich gewesen. „Wir konnten sie beruhigen, dass die Tonspur separat im Studio aufgenommen wird.“ Singen mussten sie dann allerdings trotzdem. „Das hätte man sonst gemerkt, wenn sie nur die Lippen bewegt hätten.“ Am Ende waren alle Beteiligten begeistert – „auch wenn wir sie teilweise schon strapaziert haben“, wie Partenhauser lachend zugibt.

Beispielsweise die Szene mit den Sportlern. „Die haben wir beim Gaißacher Kombilauf aufgenommen“, sagt sie. Als die Teilnehmer ins Ziel eingelaufen waren, mussten sie noch einmal 100 Höhenmeter nach unten gehen und erneut – diesmal singend – ins Ziel einlaufen. „Sie haben sehr geschwitzt, aber alle haben mitgemacht.“

Beim Festabend würdigte der Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger (re.) die Arbeit von (v. li.) Vroni Partenhauser und Sepp Kloiber.

Etwa 40 Stunden dauerte die Nachbearbeitung des Videomaterials, ehe die Premiere im Festzelt gefeiert werden konnte. Die Macher ernteten viel Lob. „Ich hätte nicht gedacht, dass das Video so gut ankommt“, sagt Partenhauser, die derzeit an einer Fachhochschule in Salzburg Multimedia Art studiert und nebenbei seit 2013 ihre eigene Filmproduktion in Gaißach betreibt. „Es hat wirklich Spaß gemacht.“ Ein Stein sei allen vom Herzen gefallen, als schließlich die Premiere gelaufen war. „Vor allem, weil die Resonanz so gut war“, sagt Kloiber. „Ein volles Zelt, Leute, die sich freuen und gut drauf sind. Das war einfach schön, einfach super.“

Anekdote am Rande: Der junge Mann am Anfang des Videos, der sich ein Zugticket nach Gaißach kaufen möchte, ist kein geringerer als Eishockey-Profi Leo Pföderl. Dass er zu dem Projekt kam, war ein lustiger Zufall. Die Szene auf dem asiatischen Markt im Regen entstand tatsächlich in Vietnam, wo Partenhauser für ihre FH zu Dreharbeiten war. Sie drehte mit dem Schauspieler für den Kurzfilm „Hoam“ einfach diese Zusatzszene. „Zurück in Gaißach brauchten wir jemanden, der diesem Schauspieler ähnlich sieht.“ Es ergab sich, dass Partenhauser auf dem Fußballplatz neben Pföderl stand und sich dachte: „Er schaut genauso aus.“ Und der Spieler der Nürnberg Ice Tigers ließ sich nicht lange bitten. Die „Bahnhofhalle“ war dann das leer stehende Alpamare, das Veronika Partenhauser entsprechend schmückte. „Wir haben dann nur noch ein paar asiatische Statisten gebraucht.“ Bis auf diese beiden Szenen wurde aber der komplette Film in Gaißach gedreht.

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