Wissenschaftler berichtet aus Hawaii

Gaißacher will ganz nah ran an den Vulkan

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Für Wissenschaftler Dr. Sebastian Müller ist die Eruption des Vulkans Kilauea auf Hawaii nach wie vor sehr spannend. Der 30-jährige Gaißacher bereitet sich darauf vor, bald nahe an die Ausbruchsstelle zu heranzukommen.

Honolulu/Gaißach– Seit Anfang Mai spuckt der Vulkan Kilauea auf Hawaii Lava aus. „So wie es aussieht, wird das ein sehr langer Ausbruch, der Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre dauern könnte“, berichtet Dr. Sebastian Müller auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der 30-jährige Gaißacher forscht seit einigen Monaten auf Hawaii und ist nun Zeuge des Ausbruchs. Müller lebt in Honolulu auf der Insel Oahu und ist deshalb in sicherer Entfernung zum Vulkan. Allerdings bereitet er sich zusammen mit anderen Wissenschaftlern darauf vor, auf die Insel Big Island, auf der der Kilauea liegt, zu fliegen. „Im Moment dürfen aus versicherungstechnischen Gründen nur Amerikaner rüber. Wir arbeiten aber an einer Ausnahmegenehmigung.“

Dazu wird Müller in diesen Tagen ein Sicherheitstraining für Helikoptereinsätze absolvieren. Danach wird er vermutlich als Helfer am Vulkan zum Einsatz kommen. Einige seiner amerikanischen Kollegen sind schon auf Big Island. „Sie arbeiten in vier Schichten“, schreibt Müller. „Drei Schichten dauern jeweils fünf Stunden.“ Am längsten sei aber die vierte, die „graveyard shift“ („Friedhofsschicht“) von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens.

„Es brechen ständig neue Spalten auf“, berichtet Müller. Hauptaufgabe sei, diese Spalten zu lokalisieren, in der Regel mit Infrarotkameras aus dem Helikopter. „So können wir abschätzen, ob Einwohner in Gefahr sind.“ Während der Arbeit am Boden und in der Luft müsse man feuerfeste Anzüge („Jumpsuits“), Gasmasken, Helme und Schutzbrillen wegen der Aschepartikel tragen. „Die Gasmasken filtern nur bis zu einem bestimmten Level, deswegen haben wir alle einen kleinen Gas-Sensor außen an unserer Jacke“, erklärt Müller. „Der Sensor fängt wie ein Feueralarm an zu piepsen, wenn die Gaskonzentration in der Luft zu hoch ist.“

Der Lavastrom aus dem Vulkan habe inzwischen den Ozean erreicht. Das einen Kilometer entfernte Observatorium musste vor einigen Tagen evakuiert werden und wird vermutlich abgerissen, schreibt Müller. „Es gehen schon mehrere Risse durch das Gebäude, und die Gipfelcaldera des Kilauea senkt sich immer weiter ab.“ Müller vermutet, dass der Vulkan einbrechen wird. „Diese Vorstellung ist sehr beunruhigend.“ Der Lavasee Halema’uma’a, an dem er im Februar arbeitete (wir berichteten), existiert nicht mehr. „An seiner Stelle ist jetzt ein 400 Meter tiefes Loch, das langsam einstürzt.“

Die Menschen auf Hawaii würden mit der Situation den Umständen entsprechend gut umgehen, berichtet Müller. Zirka 1500 Menschen müssten mittelfristig umgesiedelt werden, weil ihr Gebiet („Leilani Estates“) auf absehbare Zeit nicht mehr bewohnbar sei.

„Es gibt hier aber eine spezielle Versicherung gegen Vulkanschäden“, erklärt der Gaißacher. Die Menschen würden es als „ärgerlich empfinden“, dass sie ihre Häuser verloren haben und umziehen müssten: „Aber es sind keine Existenzen bedroht, und das ist gut.“

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