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Ihren „Geburtshilfe-Notfall-Koffer“ stellten (v. li.) Anne Braun, Fanny Mader und Konrad Braun vor.

Frauen-Union diskutiert

Geburtshilfe: Ungeschminkte Wahrheit für Mütter und Hebammen

Wie kann eine wohnortnahe Geburtshilfe aussehen? Zu diesem Thema hatte die Frauen-Union in den Gaißacher „Zachschuster“ geladen.

Gaißach/Bad Tölz-Wolfratshausen– All jenen, die darauf hoffen, dass es in Sachen wohnortnahe Geburtshilfe eine Lösung in einem überschaubaren Zeitraum geben kann, erteilte Dr. Ute Eiling-Hütig, MdL, Mitglied des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag, eine klare Absage. „Die Gesetze werden nicht in München, sondern in Berlin gemacht“, konstatierte sie. Daher müsse man erst einmal abwarten, bis eine neue Bundesregierung steht.

Logisch, dass die ungeschminkte Wahrheit bei den versammelten werdenden Müttern und Hebammen am Mittwochabend im Gaißacher „Zachschuster“ nicht gut ankam. Zum Thema „Was können wir tun, um eine gute medizinische aber wohnortnahe Versorgung, nach der Schließung der Geburtsstation in Bad Tölz, zu bekommen?“ hatte der Kreisverband der Frauen-Union (CSU) eingeladen. Im Landkreis sei zwar die Zukunft der Geburtshilfe ungeklärt, das Problem der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum ziehe aber viel weitere Kreise. Der notwendigen Versorgung stehen hier ein Mangel an Ärzten, an Hebammen bei steigenden Geburtszahlen und nicht zuletzt das „Damoklesschwert“ von 50 000 Euro Haftpflicht-Prämie für die beiden Berufsgruppen, entgegen.

Von einem „Spagat“ sprach der Tölzer Gynäkologe Dr. Stephan Krone, „wenn gleichzeitig Qualität und Sicherheit gewährleistet werden sollen“. Er warb für die Einrichtung einer Geburtshilfe-Abteilung im Kreiskrankenhaus Wolfratshausen unter dem Dach der Starnberger Klinik: „Dort haben wir die Chance, ein Konzept mit nachhaltigen Strukturen zu entwickeln. Dort gibt es derzeit ausreichend Hebammen die, die gewünschte 1:1-Betreuung gewährleisten könnten, dort könnte man auch genügend Nachwuchs an benötigten Ärzten generieren.“ Freilich gab er zu: „Den Lenggriesern hilft das nicht viel.“

„Wolfratshausen ist für Lenggries nicht wohnortnah“, sagten die werdenden Eltern Anne und Konrad Braun sowie Fanny Mader. Sie präsentierten den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag eines „Geburtshilfe-Notfall-Koffers“. Der soll zum Einsatz kommen, wenn der neue zu erwartende Erdenbürger ans Licht der Welt drängt, wenn aber gleichzeitig die Straßen nach Wolfratshausen mit Urlaubern, Ausflüglern und Skifahrern verstopft sind und ein zügiges Erreichen der Klinik schlicht unmöglich ist. Im Koffer waren allerlei „notwendige“ Utensilien vorhanden, von Blaulicht und Schmerztabletten über Nadel, Tucker, bis hin zum beruhigenden Schnapserl für den Vater. Mit dieser humoristischen Einlage wurde die teils emotional erregte Diskussion etwas aufgelockert, auch wenn die drei betonten: „Hoffentlich wird dieser Koffer nie benötigt.“ Sie forderten „schnelle Abhilfe für den Landkreis-Süden“.

Auch wenn die politischen Vertreter betonten, dass im Hintergrund intensiv gearbeitet würde, blieb bei den Besuchern ein ungutes Gefühl. Ein Lösungsansatz wäre neben der Einrichtung der Geburtshilfe-Abteilung in Wolfratshausen auch die Einrichtung eines Geburtshauses in Lenggries, das die Hebamme Kathleen Hodbod ins Spiel brachte. Martin Bachhuber, MdL, merkte an, dass Bad Tölz in diesem Zusammenhang „noch nicht endgültig“ gestorben sei und Ute Eiling-Hütig stellte fest: „Letztlich entscheidet wie überall das Geld. Hierbei sind freilich die Krankenkassen ein Problem.“

Ewald Scheitterer

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