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Die Grundschüler Siwar und Ronja üben sich in der Roboter-AG im Bauen und Programmieren.

Grund- und Mittelschule Gaißach

Roboter wecken den Forschergeist

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An der Gaißacher Grund- und Mittelschule sind die Roboter los. Dank einer Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut sowie der Großzügigkeit mehrerer Sponsoren und des Schul-Fördervereins können interessierte Kinder und Jugendliche hier auf innovative Art erste Erfahrungen im Programmieren der vollautomatischen Arbeitshilfen sammeln.

Gaißach– Gespannt blicken Siwar (11) und Ronja (10) auf das kleine Gebilde auf dem Tisch, das sie gerade aus Legosteinen zusammengebaut haben. Ein Motor bewegt einen Hebel, der wiederum eine Plattform auf dem Tisch vor- und zurückschiebt. Wie heftig, wie lange darf der der Boden wackeln, bis ein Lego-Häuschen darauf umfällt? Die Beschäftigung mit dem Mini-Erdbeben-Simulator ist gleichzeitig Spiel und praxisnaher Unterricht: Das Fach Roboter-Programmierung hat Einzug gehalten an der Grund- und Mittelschule in Gaißach.



In zwei Arbeitsgruppen nehmen insgesamt 20 Mädchen und Buben nachmittags freiwillig daran teil. Das Interesse war so groß, dass Schulleiterin Ute Hübner heuer noch die Drittklässler vertrösten musste und aus der Grundschule nur die Viertklässler zum Zuge kamen.

Dass ein solcher Unterricht möglich ist, ist alles andere als selbstverständlich. Denn die Roboter-Bausätze von Lego mit Motoren und Sensoren würden das Schulbudget normalerweise sprengen. Es mussten schon mehrere Sponsoren und der Schul-Förderverein zusammenlegen, um die Bausätze zu finanzieren. Als deren Großzügigkeit noch immer nicht für die rund 3700 Euro teure Technik reichte, schrieb Hübner an die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär, die Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur ist. Und die stellte prompt Kontakt zum Internetgiganten Google her, der den Restbetrag übernahm.

Am Anfang von allem stand aber eine Anfrage des Fraunhofer-Instituts. Mit der Roberta-Initiative verfolgt es das Ziel, das Interesse insbesondere von Mädchen, aber auch von Buben für Informatik, Technik und Naturwissenschaften zu fördern. Rektorin Hübner und Informatiklehrer Peter Naumann nahmen das Angebot wahr, sich in dem speziellen Lernkonzept fortbilden zu lassen – „und wir haben Feuer gefangen“, sagt Hübner.

Das gilt offenbar auch für die Schüler. Patrick (15), Ludwig (15) und Niklas (14) sind in der AG der Mittelschüler, die schon deutlich komplexere Roboter zusammenbauen: Fahrzeuge mit Ultraschallsensoren. „Es fährt auf eine Wand zu, bis es 20 Zentimeter davor ist, und dreht dann um 90 Grad nach rechts ab“, erklärt Patrick. So hat er es mit Hilfe spezieller Roberta-Software auf dem iPad programmiert, das über Bluetooth mit dem Roboter verbunden ist. Auf dem Bildschirm hat er sich zunächst in einer Simulation angeschaut, welche Auswirkungen die eingegebenen Befehle haben. Und dann klappt es in der Praxis genauso. In ihrer Fortgeschrittenen-Version sehen die Neuntklässler auch die Übersetzung ihrer Eingaben in die Programmiersprache Java auf dem Bildschirm.

„Über Lego und die Roboter ist die Motivation groß, und man sieht sofort ein Ergebnis“, erklärt Hübner das Erfolgsrezept dieses Unterrichts. Ihr Kollege Naumann stimmt zu. „Hier sind die Schüler auf spielerische Art gefordert, für abstrakte Probleme eigene Strategien zu entwickeln, und dabei durchdringen sie von ganz allein, wie die Dinge funktionieren“, sagt er. „Das ist mir 100-mal lieber, als wenn sie sich nur mit irgendwelchen Konsolen oder Smartphones beschäftigen.“

Niklas jedenfalls ist „total begeistert“ von der AG. Für Patrick steht der Berufswunsch fest: Er will Fachinformatiker werden. Und auch Ronja tendiert in diese Richtung: „Programmieren wäre schon cool.“

Hübner freut sich, dass sie mit dem Programm auch Mittelschülern solche Perspektiven eröffnet. „Oft heißt es, Mittelschulen brauchen so was nicht, und auf der Fortbildung waren wir fast allein unter Realschul- und Gymnasiallehrern“, berichtet die Rektorin. „Aber auch in vielen Handwerksberufen arbeitet man heute mit Robotern.“

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