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Die Gebirgsschützenkompanie Gaißach mit Spielmannszug führte den Kirchen- und später auch den historischen Festzug an.

Historischer Festzug zur 1200-Jahr-Feier in Gaissach

Würdiger Abschluss für ein großes Jubiläum

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Nicht nur ganz Gaißach war am Sonntag auf den Beinen. Tausende Besucher aus nah und fern säumten die Straßen und warteten gespannt, was sich die Dorfbewohner für den historischen Festzug alles hatten einfallen lassen. Sie wurden nicht enttäuscht.

Gaißach – Die Pest folgte den Gemeinderäten und der Musikkapelle Gaißach auf dem Fuß. Kurz danach kam eine Horde Panduren, die auf dem Gespann von Andreas Hartl das Modell eines Bauernhofs in Brand setzte. Die Freiwillige Feuerwehr allerdings löschte nicht die kleinen Gas-Flämmchen, sondern kühlte mit einer alten Spritze lieber die Zuschauer am Straßenrand ab. Beim historischen Festzug durch Gaißach erweckten die Dorfbewohner eben nicht nur ihrer Geschichte zum Leben. Auch die Gaudi kam am letzten Tag der 1200-Jahr-Feier nicht zu kurz.

Gaißacher Schulkinder schlüpften in die Rolle der Panduren, die 1742 in den Isarwinkel eingefallen sind.

Diese Mischung kam bei Peter Torka sehr gut an. „Ich bin überwältigt von dem, was hier geboten wird“, sagte der ehemalige Leiter der Volksschule mit Blick auf die Festwägen. Der Handwerkerverein etwa versammelte kurzerhand eine traditionelle Drechsel- und eine Schnitzbank sowie eine Feldschmiede samt Ambos auf seinem Wagen. Während der Fahrt durch das Dorf fertigten die Zimmerer echte Narben und Speichen an. Schmied Franz Hartl zog in einem letzten Schritt das Eisen auf die Wagenräder.

Fleißig gearbeitet wurde auch auf dem Gefährt von Alois Danner und Martin Rest: Sie zeigten live, wie ein Schnabler beschlagen wird. Alle Blicke auf sich zog ein riesiger Schmiedehammer: Er wurde von einem mit Wasser angetriebenen Holzrad bewegt, während die Männer am Amboss standen. Ein Hingucker war auch die Ochsenkarre von Maria Kerber und Martin Oswald: Sie zeigte anschaulich, wie um 1600 ein Kramerladen aussah. Für Entzücken sorgten vor allem unter den Kindern vier Kälbchen. Die Tiere liefen beim Bauernverein mit, der den Almabtrieb als Thema für den historischen Festzug gewählt hatte. Immer wieder hielt der Zug auf seinem Weg zum Festzelt kurz an, damit die unzähligen Zuschauer am Straßenrand die historischen Gewänder sowie die alten Maschinen und Arbeitsgeräte bewundern konnten.

Altar mitten im Feld: Unterhalb der Fachklinik versammelten sich die Gläubigen vor Beginn des Festzugs zu einem Gottesdienst.

Angesichts der vielen Details ging es so manchem Besucher trotzdem etwas zu schnell. Gut also, dass die Wagen noch den ganzen Sonntag über gegenüber des Festzelts zu bestaunen waren. Auf der „Jacker-Wiese“ selbst feierten Einheimische und Besucher ebenfalls noch bis zum Abend zu den Klängen der Isarwinkler Musikkapellen.

„Die Gaißacher verstehen es einfach zu feiern“, resümierte Kaspar Müller. Der Pfarrvikar aus Kirchanschöring (Landkreis Traunstein) ist gebürtiger Gaißacher, wurde 1989 hier geweiht. Deshalb übernahm er gerne die Rolle des Konzelebranten bei der Feldmesse am Sonntagmorgen unterhalb der Fachklinik.

In seiner Predigt appellierte Pfarrer Ludwig Scheiel an die Gläubigen, sich trotz aller gesellschaftlichen und privaten Probleme nicht zu viele Sorgen zu machen. „Der Herrgott wird sich um uns kümmern, wenn wir uns um unsere Verantwortung kümmern.“ Als Beispiel führte Scheiel an, Luft und Wasser rein zu halten. „Aber heute feiern wir“, sagte der Pfarrer. „Was morgen kommt, wissen wir nicht. Und weiter schauen wir nicht.“

Nicht nach vorne, aber zurück schaute Bürgermeister Stefan Fadinger kurz in seiner Ansprache. Darin bedankte er sich vor allem bei Festleiter Peter Margreiter für dessen hervorragende Arbeit. „Du warst der Ideengeber und der Motor, bei dem in den vergangenen Wochen und Monaten alle Fäden zusammen gelaufen sind.“ Auch abseits der Bühne betonte der Rathaus-Chef den reibungslosen Ablauf der Feierlichkeiten sowie das ungewöhnliche Engagement der vielen Helfer. Als Resümee für die vergangenen sechs Tage fiel Fadinger nur ein Wort ein: „Phänomenal.“

Gaißach: Prächtiger Festzug zum Ortsjubiläum

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