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Symbolbild

Indizienprozess

Geldstrafe für handgreifliche Mutter

Gaißach/Wolfratshausen –3500 Euro muss eine Mutter zahlen. Sie soll einem neunjährigen Mädchen ins Gesicht geschlagen haben.

Zwischen einem ruhigen Gespräch und einer Handgreiflichkeit liegen Welten. Im Saal des Wolfratshauser Amtsgerichts prallten sie aufeinander. Es ging um einen Vorfall in der Fachklinik Gaißach, bei dem eine 33-jährige Frau ein neunjähriges Mädchen erst festgehalten und dann ins Gesicht geschlagen haben soll. Richter Urs Wäckerlin befand die Frau in einem Indizienprozess für schuldig und verurteilte sie wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 3500 Euro.

Es war der 4. Juli 2015, als die Beschuldigte mit ihrem damaligen Freund ihre junge Tochter in der Gaißacher Klinik besuchte. Das Kind habe ihr immer wieder am Telefon erzählt, wie sie von einem anderen Mädchen drangsaliert werde. „Sie hat ihre Kleidung in die Toilette geworfen, mit ihrer Zahnbürste den Boden gewischt und auch zugeschlagen“, berichtete die 33-jährige Mutter. Bei ihrem Besuch habe sie frische Klamotten mitgebracht und den Schrank ihrer Tochter umgeräumt. Dabei traf sie auf die Neunjährige. „Ich habe normal mit ihr geredet, wir sind zwei Meter auseinander gestanden“, sagte die Angeklagte. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich diesen Vorwurf gehört habe. Sowas würde mir im Traum nicht einfallen.“ Die Frau habe der Neunjährigen lediglich geraten, ihrer Tochter, mit der sie sich das Zimmer teilt, aus dem Weg zu gehen.

Die Anklageschrift erzählt etwas anderes: Die 33-Jährige soll das Mädchen am Kopf gepackt, ihr mit der flachen Hand in die rechte Gesichtshälfte geschlagen und ihr anschließend den Mund zugehalten haben. Die Folge: Ein Veilchen am Auge. Das bestätigte eine Ärztin der Fachklinik, die als Zeugin geladen war. „Das war definitiv kein altes Hämatom. Es hat sich im Laufe des Tages nach und nach herausgebildet.“ Außerdem berichtete sie, dass das Mädchen immer bei der gleichen Geschichte geblieben war. So auch vor Gericht.

Der Richter hatte die beiden Kinder unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Während die Neunjährige erzählte, sie sei kurzzeitig alleine mit der 33-Jährigen gewesen, beharrten die Angeklagte und ihr Ex-Freund darauf, dass sie sich „immer alle zusammen in einem Raum“ aufgehalten hätten.

In den Ohren der Staatsanwältin klang das „sehr abgesprochen“, sie bezweifelte eine massive Auseinandersetzung zwischen den Mädchen – zumal sie von den Erziehern nicht getrennt worden waren. Sie forderte 70 Tagessätze zu je 30 Euro (gesamt 2100 Euro). Der Verteidiger der Frau warnte vor „kindlicher Fantasie“ und hegte Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers.

Diese Auffassung teilte Richter Wäckerlin nicht. Die Neunjährige habe einen ruhigen, gefassten Eindruck auf ihn gemacht. Die Ausführungen der Angeklagten sortierte er in die Schublade „einstudiert und auswendig gelernt“ ein. „Ungefragt und wie ein Wasserfall“ habe die Frau dem Gericht ihre Version geschildert. Darüber hinaus sah Wäckerlin in dem Ring an ihrer Hand ein Indiz für die Art der Verletzung.Tobias Gmach

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