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Der Gaißacher „Jägerwirt“ verfügt über einen der größten Säle im südlichen Landkreis. Mit der Schließung der Traditionsgaststätte fällt ein beliebter Veranstaltungsort weg.  

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Jägerwirt macht zu: „Schließung ist für Gaißach ein Einschnitt“

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Jahrtage, Hochzeiten, Landfrauentag und vieles mehr: Wegen der anstehenden Schließung des Gaißacher „Jägerwirts“ fehlt für viele Veranstaltungen künftig ein geeigneter Saal im Dorf.

Gaißach – Die Spatzen pfiffen es schon länger von den den Dächern. So richtig glauben wollten es viele Gaißacher aber nicht, dass „da Jaaga zuasperrt“. Doch spätestens seit Bürgermeister Stefan Fadinger am Sonntag in der Bürgerversammlung von der bevorstehenden Schließung berichtete, muss die Öffentlichkeit die Nachricht als unumstößlich hinnehmen. Nicht nur für Gaißach, auch darüber hinaus bricht damit ein wichtiger Fixpunkt des sozialen Lebens weg. Viele brauchen jetzt alternative Veranstaltungsorte – für Hochzeiten, Tanz oder Vereinstermine.

Vier Gaißacher Vereine haben bislang ihren Jahrtag im „Jägerwirt“-Saal abgehalten. An akutesten von der Schließung betroffen ist nun der Veteranenverein. Traditionsgemäß steht sein Jahrtag am zweiten Samstag im Januar an. Da ist jetzt Flexibilität gefragt. „Wir haben unseren Jahrtag zwei Wochen nach vorne verlegt, auf den 30. Dezember“, erklärt Vorsitzender Thomas Kell. Damit nutzen die Veteranen den Saal noch einmal am vorletzten Tag, bevor der „Jägerwirt“ zumacht. Generell findet Kell das Aus für den Gasthof „schade“, denn: „Das Dorf braucht einen Saal.“

Etwas mehr Zeit, um sich umzustellen, hat der Christliche Bauernverein. Er hält seinen Jahrtag am Kathreintag in der vorletzten Novemberwoche ab. „Bis dahin wird sich eine Lösung finden“, sagt Vorsitzender Kaspar Gerg. Und auch die Gebirgsschützenkompanie hat bis zu ihrem Jahrtag am Samstag nach Kirchweih noch ausreichend zeitlichen Puffer. In der Bürgerversammlung hatte Fadinger erklärt, im Jahr 2018 würden die Wirtsleute den Saal wohl zumindest für die Jahrtage noch zur Verfügung stellen. Wie genau es weitergeht, wollen die Vereinsvorstände bald gemeinsam besprechen. „Wir setzen uns nach den Feiertagen alle mit der Gemeinde zusammen“, sagt Franz Hartl, Vorsitzender des Katholischen Handwerkervereins, dessen Jahrtag ebenfalls im November stattfindet.

Franz Simon, Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie, macht sich aber nicht nur Gedanken über den Jahrtag. Auch an Fronleichnam nach der Prozession kehrte man traditionell beim „Jägerwirt“ ein. „Wir überlegen, ob wir ein kleines Bierzelt aufstellen – vielleicht könnte die Landjugend die Bewirtung übernehmen.“ Simon nennt den Michaelitag als weitere Gelegenheit, bei der der „Jägerwirt“ als Treffpunkt mit Platz für viele Gäste fehlen wird. Und schon für den 5. Januar braucht die Schützenkompanie einen alternativen Raum für seine Christbaumfeier. „Da werden wir in die ,Mühle‘ gehen und hoffen, dass die Landjugend draußen eine Bar aufstellen kann.“

Der „Jägerwirt“ war alle zwei Jahre Austragungsort des Landfrauentags. Nach dem üblichen Rhythmus ist 2018 ohnehin erst einmal wieder der Ascholdinger „Holzwirt“ an der Reihe. „2019 brauchen wir dann eine Lösung“, sagt Kreisbäuerin Ursula Fiechtner.

Betroffen von der Schließung ist auch der Schnablerverein. Das „Hohe Komitä“ lud traditionell am Faschingssamstag zum Schnablerball in den „Jägerwirt“-Saal ein. 2018 werde man in die „Mühle“ ausweichen, kündigt Präsident Georg Fischhaber an. Das zieht aber eine weitere Entscheidung nach sich: Das „Komitä“ hat laut Fischhaber beschlossen, dass somit der Faschingssonntag, 11. Februar, als Renntermin ausscheidet.

Hintergrund: Im Fall, dass die Schnabler auf den Faschingssonntag ausweichen mussten, wurde in der Vergangenheit auch der Ball mitsamt Siegerehrung erst am selben Tag abgehalten. Unter diesen Umständen ging es dann besonders hoch her: Die Zahl der Gäste stieg, weil viele Besucher des Rennens mitfeierten. „Da ist schon der ,Jägerwirt‘ aus allen Nähten geplatzt, und die ,Mühle‘ wäre dafür eindeutig zu klein“, sagt Fischhaber. Weil der Verein diese Konstellation 2018 vermeiden will, scheidet im ohnehin recht kurzen Fasching also zusätzlich ein potenzieller Renntermin aus. In Frage kommen somit vier Sonntage von 14. Januar bis 4. Februar. Doch auch ganz allgemein sagt Fischhaber: „Die Schließung des ,Jägerwirts‘ ist für Gaißach ein Einschnitt.“

Das bestätigt Toni Kell, der öfters als Hochzeitslader aktiv ist. Der „Jägerwirt“ direkt neben der Kirche sei ideal zum Feiern – und noch dazu die einzige Lokalität, die für die üblicherweise 150 bis 200 Personen umfassenden Gesellschaften groß genug ist. Künftig werde man in Nachbarorte ausweichen müssen, etwa in den Lenggrieser Alpenfestsaal. Hoffnungen ruhen auch auf dem geplanten Ausbau des „Arzbacher Hofs“. Um daheim feiern zu können, so Kell, „haben einige Paare extra noch heuer geheiratet“.

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