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Nur wenige Stühle blieben leer: die Gaißacher Bürgerversammlung war gut besucht. Auch Landrat Josef Niedermaier (li.) schaute vorbei.

Bürgerversammlung

„Jägerwirt“ schließt: Gaißach bald ohne Saal

Die Verkehrssituation auf der Flinthöhe und die Schließung des „Jägerwirts“ zum Jahresende waren die brisantesten Themen bei der Bürgerversammlung in Gaißach.

Gaißach – Ein Rückblick auf das Festjahr „1200 Jahre Gaißach“ spielte bei der gutbesuchten Bürgerversammlung im „Jägerwirt“ am Sonntag zwar noch einmal eine wichtige Rolle. Doch Bürgermeister Stefan Fadinger (CSU) stellte zwei andere Themen in den Mittelpunkt seines Rechenschaftsberichts: die Verkehrsmisere auf der Tölzer Flinthöhe. Und den Umstand, dass mit der Schließung des „Jägerwirts“ zum Jahresende das Dorf ohne einen größeren Versammlungssaal dastehen wird.

Was das Verkehrschaos auf der Flinthöhe angeht, sind nach vielen Jahren geduldigen Abwartens nun offenbar klare Worte angesagt. Eine Woche nach der Wutrede des Tölzer Bürgermeisters (wir haben berichtet) prangerte nun auch sein Gaißacher Amtskollege die verkehrspolitischen Versäumnisse an: „Wir sind verärgert über die unerträgliche Situation auf der Flinthöhe“, sagte Fadinger. „Aber auf die heute beim Straßenbauamt Weilheim Verantwortlichen zu schimpfen, das greift zu kurz.“

Trotz des stetig wachsenden Verkehrsaufkommens sei nichts passiert, monierte der Bürgermeister mit Blick auf die Entstehung eines neuen Stadtteils auf der Flinthöhe und dem Bevölkerungswachstum in der Metropolregion München. Dabei seien die Probleme am Knotenpunkt zweier Bundesstraßen absehbar gewesen. „Doch die Verantwortlichen haben weggeschaut und das Problem ignoriert.“ Darunter zu leiden hätten nun täglich 40 000 Autofahrer, der volkswirtschaftliche Schaden sei enorm.

Die „Versäumnisse der Vergangenheit“ lastete Fadinger als Straßenbaulastträger dem Bund an. Das Geld sei da. Aber „die Verfahren in unserem Land sind zu komplex und viel zu langwierig“. Der Rathaus-Chef appellierte an die Verantwortlichen, aktiv zu werden und der Tölzer Nordumgehung die höchste Priorität zu geben.

Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) stimmte Fadinger zu: „Bereits im Jahr 2000 haben wir den Verkehrskollaps kommen sehen.“ Doch Gegner des Projektes sahen keinen Sinn in einer Umgehung. Somit spielte Berlin den Schwarzen Peter wieder zurück, Motto: „Selbst schuld!“ Auch Niedermaier hofft, dass es jetzt endlich „schnell geht“.

Ein rein Gaißacher Problem besteht darin, dass es mit der baldigen Schließung des „Jägerwirts“ im Dorf keinen größeren Saal für Feiern und Versammlungen mehr geben wird. Fadinger: „Wir bedauern die Entscheidung der Eigentümer, respektieren sie aber auch.“ Behördliche Auflagen hätten für sie keine Rolle gespielt. „Wir prüfen, ob die Gemeinde wettbewerbsrechtlich in Konkurrenz mit anderen Gaststätten eintreten und sich in irgendeiner Form einbringen darf.“

Es gibt laut Fadinger aber auch andere Optionen für einen Dorf-Saal: Zum Beispiel könnte die jetzige Schulturnhalle in eine Mehrzweckhalle umgewandelt werden, wenn der geplante Turnhallen-Neubau kommt. Die Wirtin des „Jägerwirts“ habe ihm für 2018 eine Übergangslösung zugesichert. Demnach könnten bis dahin noch alle Großveranstaltungen im Jägerwirt-Saal stattfinden, auch wenn das Gasthaus seinen Betrieb einstellt.

Rainer Bannier

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