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Werbung beim Landfrauentag für die Wasserstiftung: Vorstand Ernst Frost und Kreisbäuerin Ursula Fiechtner. 

Landfrauentag in Gaißach

Bäuerinnen helfen sogar in Eritrea

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Ein Selbsthilfe-Projekt in Eritrea, die ungewisse Zukunft der Tölzer Geburtshilfe und eine Reaktion auf die neuen Bauernregeln der Umweltministerin: Der Landfrauentag wartete mit einer bunten Mischung an brisanten Themen auf.

Gaißach – Einmal im Jahr gönnen sich die Bäuerinnen eine Auszeit. Sie feiern miteinander einen Gottesdienst, setzen sich zum Mittagessen zusammen und befassen sich bei Kaffee und Kuchen mit aktuellen Themen. Der traditionelle Landfrauentag am Mittwoch in Gaißach stand unter dem Motto „Landfrauen tragen Verantwortung“. „Und sie nehmen kein Blatt vor den Mund“, ergänzte mancher Ehrengast für sich selbst.

„Wir sind entsetzt, dass die Umweltministerin hinter einer derartigen Kampagne steckt“, schimpfte Kreisbäuerin Ursula Fiechtner, nachdem Kreisobmann Peter Fichtner in einem kurzen Grußwort den „Mist der Ministerin“ abgekanzelt hatte. Die „neuen Bauernregeln“ der SPD-Politikerin Barbara Hendricks haben Fichtner zu einer „Grußbotschaft nach Berlin“ veranlasst. Leider sei er „nicht mit dem Mundwerk der Kabarettistin Monika Gruber gesegnet“, sagte der Kreisobmann. So würde er die Ministerin nicht verbal zusammenfalten, sondern rief die Besucher des Landfrauentags im „Jägerwirt“ dazu auf, ihre Unterschriften auf ein Plakat zu setzten, das mit folgendem Vers beginnt: „Korruption und Mauschelei, die SPD ist vorn dabei“.

Umso versöhnlicher warb Ernst Frost zu Beginn des Nachmittags für die von ihm mitgegründete Wasserstiftung. „Dieses Projekt für Hilfe zur Selbsthilfe liegt mir sehr am Herzen“, sagte Kreisbäuerin Fiechtner. Seit 30 Jahren ist sie mit Senait Michiel in Kontakt, die mit ihrer Familie in Königsdorf lebt. Die gebürtige Eritreerin vermittelt in ihrem Heimatland die von der in Ebenhausen ansässigen Wasserstiftung angebotenen Hilfen. Dazu zählt der „Cloudfischer“. Diesen Nebelkollektor stellte Frost in einem Film vor. Das ebenso einfache wie wirkungsvolle Prinzip: Der Wind drückt den Nebel durch senkrechte Netze, an denen die Wassertröpfchen hängen bleiben und abfließen. So kann in dem weitgehend trockenen Land Trinkwasser gewonnen werden.

Die Wasserstiftung unterstützt die Menschen in dem kleinen Staat im Nordosten Afrikas außerdem mit weiteren Hilfsmaßnahmen. Dazu zählt laut Frost auch das Esel-Projekt. „Wir stellen den Frauen die Lasttiere zur Verfügung, damit sie damit das Trinkwasser nach Hause bringen können.“ Auch Ziegen, Bienen und Hühner lässt die Stiftung ins Land bringen.

Senait Michiel sammelt zudem in einem Container in Königsdorf Haushaltswaren. „Es gibt so viele gut erhaltene Sachen, die man da abgeben kann“, so die Kreisbäuerin. „Wenn wir den Frauen in Eritrea helfen, dann helfen wir dem ganzen Land“, sagte die Kreisbäuerin. „Wir sehen unsere Aufgabe in einem globalisierten Ehrenamt.“

Für Landrat Josef Niedermaier ist es eines der größten Probleme, das es derzeit zu lösen gilt: Die ungeklärte Zukunft der Geburtshilfe-Abteilung an der Tölzer Stadtklinik. „Wir sind mitten in schwierigsten Verhandlungen“, sagte Niedermaier in seinem Grußwort beim Landfrauentag im Gaißacher „Jägerwirt“. Er selbst hoffe auf eine nachhaltige Lösung. Derzeit sei die Geburtshilfe – wie mehrfach berichtet – für ein Vierteljahr gesichert. Ausführlich erläuterte der Landrat, warum die Geburtshilfe in einer Belegabteilung ein Auslaufmodell sei. Ob eine vielfach diskutierte finanzielle Unterstützung durch den Landkreis mit jährlich bis zu einer Million Euro der Weisheit letzter Schluss sei, gelte es abzuwägen.

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